ZeitarbeiterInnen - Ohne Organisation Machtlos

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 Betreff des Beitrags: Re: Tarifverhandlung Zeitarbeit
BeitragVerfasst: 15.07.2013, 19:28 
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Beiträge: 41
werden wir dann alle automatisch mit dem ende des manteltarifvertrages
arbeitslos :-?


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 Betreff des Beitrags: Re: Tarifverhandlung Zeitarbeit
BeitragVerfasst: 15.07.2013, 20:44 
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Beiträge: 1006
Zitat:
werden wir dann alle automatisch mit dem ende des manteltarifvertrages
arbeitslos


Nein. Arbeitslos wird man, weil die Konjunktur gerade hustet oder der Entleiher mal keine Lust auf Leiharbeiter hat.


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 Betreff des Beitrags: Re: Tarifverhandlung Zeitarbeit
BeitragVerfasst: 16.07.2013, 18:35 
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Registriert: 28.01.2013, 22:42
Beiträge: 42
Man sollte die Tarifverhandlungen zumindest bis nach der Bundestagswahl "verschleppen". Denn würde die CDU/FDP wiedergewählt, so würden diese das AÜG bestimmt "anpassen" wenn es keine fairen Tarifverträge mehr geben würde.

Zwecks den Werkverträgen: Problematisch ist bei denen ja auch, dass die Personaldienstleister hier für den Erfolg geradestehen müssen, d.h. wenn zu viele zwangseingestellte Sklaven keine Arbeitsmoral zeigen wird es richtig, richtig teuer. Es hatte seither schon seinen Grund, warum eher Leiharbeit als Werkverträge angeboten wurden.


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 Betreff des Beitrags: Re: Tarifverhandlung Zeitarbeit
BeitragVerfasst: 16.07.2013, 23:27 
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Registriert: 07.07.2013, 00:09
Beiträge: 8
Leihfirmen entlassen entweder weil der Lohn zu hoch ist oder weil die Gewinnmarge den Lohn auch dann übersteigt, wenn der Lohn NULL Euro ist.

Die Politiker leben von der Arbeitsleistung der Arbeiter, ob sie nun das Kaufprodukt bezahlen müssen oder es am Ende gratis bekommen, wie z.B. Produkte aus dem Staatsgut Domäne Mechthildshausen. Dort bedienen 1 EURO Jobber die Gutverdiener im Restaurant. Deshalb sind Entlassungen für den Gesetzgeber auch teils schlecht.

Vom Gesetzgeber ist nichts gutes zu erwarten. Er wird sicher ein Gesetz machen, das zum einen hohe Löhne in der Leiharbeit hintertreibt, das es aber der Leihfirma zum anderen auch erschwert, die Leiharbeiter zu entlassen (wie z.B. Arbeitsbescheinigungen des Arbeitgebers für den Sozialhilfeträger, auf dem Formular noch eine Telefonnummer durch den AG anzugeben ist, auf dem der AG den AN denunzieren darf). Die niedrigen Löhne sollen schließlich auch verhindern, dass der AN sich Geld ansparen kann, um mal ein Jahr nicht arbeiten zu müssen. Sowas würde sicher passieren, wenn man das Geld der 20% reichsten deutschen auf alle aufteilen würde.

Was halten Chefs von der Vollbeschäftigung der 60ger Jahre: Die AN haben keine richtige Angst mehr vor Kündigung. Sie werden undiszipliniert und erscheinen besoffen am Arbeitsplatz. Mit einem Wort: Das war ja schon UNGESUND. Am Ende bezahlen die Chefs dann wieder den SPD-ARD-Rundfunk: Es fehlt nur noch ein winziges Stück. Bald sind wir der Vollbeschäftigung nahe... Kurz vor 20:00Uhr dann wieder die kurze Werbeeinblendung, als ob die Gebühren nicht reichen würden. In der Ig-Metall-Zeitung genau das gleich Werbe-Wirr-Warr, hätte ich eine kleine Werbe-Firma, so würde ich auch einige Cent bezahlen, um in die Metallzeitung reinzukommen.

Schließlich kündigte sich heute bei NTV die neue Tarif-Richtung an. 57% der Manager wollen einen Mindestlohn. Somit blieben klitzkleine Werkvertragsfirmen, die den TÜV emulieren (vortäuschen) aus dem Geschäft. Den kleine Buden haben einen Besitzer aber keinen Manager und seit Schrödi (Gas-Prommi) auch keinen Meister mehr. Durch die neue Richtung darf sich ein Gewerkschaftsmitglied auch ganz offiziell wieder ein paar Chefmeister erkämpfen. Leiharbeiter haben ja drei Vorgesetzte: Gewerkschaftssekretär, Leiharbeits-Kundenbetreuer (Key-Account-Manger) sowie den eigentlichen Entleiher-Team-Leader.


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 Betreff des Beitrags: Re: Tarifverhandlung Zeitarbeit
BeitragVerfasst: 21.08.2013, 09:06 
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Registriert: 25.12.2006, 20:45
Beiträge: 1214
Das_weisse_Schaf hat geschrieben:
Man sollte die Tarifverhandlungen zumindest bis nach der Bundestagswahl "verschleppen".

Die nächste Verhandlungsrunde ist am 16.09.2013, die Bundestagswahl am 22.09.2013. Am 01.11.2013 benötigen BAP/iGZ einen neuen Mindestlohntarifvertrag.

Bleibt eigentlich nur der Monat Oktober um zu einer Blitzeinigung zu kommen oder die Handlungshoheit an die "neue" Regierung abzutreten.


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 Betreff des Beitrags: Re: Tarifverhandlung Zeitarbeit
BeitragVerfasst: 31.08.2013, 08:57 
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Registriert: 30.08.2013, 09:21
Beiträge: 2
Machen wir uns doch nichts vor.
Die Gewerkschaften betreiben selbst das lukrative Zeitarbeits-Business und versuchen dies durch etliche Winkelzüge
zu verschleiern:
u.a.
- DAA Job Plus GmbH
- Weitblick-Personalpartner GmbH
- ZAP GmbH

Bei den Tarifverhandungen kungeln also zwei Parteien aus zwei ähnlichen Gruppen, die die Sicherung ihrer Pfründe
nur möglichst gut in der Öffentlichkeit zu verkaufen suchen.
Ein glaklarer Interessenkonflikt zu Lasten der Zeitarbeiter!
Die Gewerkschaft will, wie die ZAF-Vertreter, ihre Einnahmen maximieren und gleichzeitig den Lohn zwischen
Leiharbeitnehmern und gewerschaftlich organisierter Stammbelegschaft (!) möglichst weit spreizen.
Denn wer "bräuchte" noch eine Gewerkschaft in einem Unternehmen, in dem Leiharbeiter und Stammbelegschaft gleichen
Lohn erhielten? Kein Mensch.
Also muß der Konflikt künstlich am Leben gehalten werden. Das geschieht am einfachsten durch einen Tarifvertrag,
der jedes Claim schützt...die Leiharbeiter allerdings außen vor läßt.

Daher: Wie kann da ein halbwegs klar denkender Mensch tatsächlich auch nur eine Annäherung an "Equal Pay" erwarten?

P.S. Ich bin selbst arbeitslos und schreibe aus der Sicht eines Hartz IV-Beglückten, der sich Gedanken macht.
Daher kann man sich etwaige "Troll"-Unterstellungen sparen.


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 Betreff des Beitrags: Re: Tarifverhandlung Zeitarbeit
BeitragVerfasst: 31.08.2013, 11:41 
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Registriert: 25.12.2006, 20:45
Beiträge: 1214
KarlNapf hat geschrieben:
Denn wer "bräuchte" noch eine Gewerkschaft in einem Unternehmen, in dem Leiharbeiter und Stammbelegschaft gleichen Lohn erhielten? Kein Mensch.

Nun ja, Besservereinbarungen mit Stundenlöhnen nahe EqualPay gibt es aber fast nur in Unternehmen mit hohem Organisationsgrad (VW, Audi, usw.). Auch Quotenbegrenzungen für einen höchst zulässigen ZAN-Anteil hast Du meist nur in Betrieben mit starkem BR (wo dann wiederum Gewerkschaften dahinter stehen). Wie passt das in Deine Argumentationslinie?


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 Betreff des Beitrags: Re: Tarifverhandlung Zeitarbeit
BeitragVerfasst: 31.08.2013, 15:51 
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Registriert: 30.08.2013, 09:21
Beiträge: 2
Ich denke wir wissen beide um die Realität und somit um der Tatsache, dass u.a. auch bei den großen Automobilherstellern 2 Arten der Leiharbeiter gibt, die sich in der Entlohung gravierend unterscheiden.
Ich habe eine recht guten Einblick bei einem Süddeutschen Autohersteller, also brauchst Du mir nicht mit den "Lucky few" ankommen, die sowieso nur als Feigenblatt für die Gewerkschaft dienen. Und auch treiben die Betriebsräte dieses "Feigenblatt"-Spielchen mit den Autokonzernen nur solange, wie es die Autokonzerne zulassen.
Ich bleibe dabei, dass die Gewerkschaft ihr Ding mit den ZAF-Vertretern gemeinsam durchzieht und dabei die miesen Verhältnisse für die Masse der Zeitarbeiter bewußt in Kauf nimmt.
Abgesehen davon steht es sowieso jedem Nicht-Gewerkschaftsmitglied frei, bis zur Vertragsunterzeichnung den Lohn selbst auszuhandeln oder eben per Unterschrift (unverhandelt) den lächerlichen Tarif zwischen Gewerkschaften und ZAF zu akzeptieren.


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 Betreff des Beitrags: Re: Tarifverhandlung Zeitarbeit
BeitragVerfasst: 31.08.2013, 19:35 
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Administrator

Registriert: 27.12.2004, 14:20
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Wohnort: Augsburg
Hallo KarlNapf,

Zitat:
Denn wer "bräuchte" noch eine Gewerkschaft in einem Unternehmen, in dem Leiharbeiter und Stammbelegschaft gleichen
Lohn erhielten? Kein Mensch.


Deine Aussage beinhaltet, dass auch die Stammarbeiter (Kein Mensch) keine Gewerkschaft brauchen wenn alle gleichen Lohn bekommen. Das wirft natürlich die Frage auf wie hoch wären denn dann die Lohne der Stammarbeiter wenn sie wie die Masse der LAN auf eine gewerkschaftliche Organisierung verzichten?


Karl


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 Betreff des Beitrags: Re: Tarifverhandlung Zeitarbeit
BeitragVerfasst: 01.09.2013, 06:47 
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Beiträge: 328
Wohnort: Hamburg
Hallo KarlNapf.
Einerseits klingt deine Behauptung, dass "die Gewerkschaft ihr Ding mit den ZAF-Vertetern gemeinsam" durchziehen würde, schwer nach Verschwörungstheorie. Andererseits weiß ich aus eigener Erfahrung, dass sich unsere Gewerkschaftssekretäre mit Rücksicht auf die Betriebsräte, insbesondere in den großen Entleihfirmen, kaum durchsetzen. Gerade in den großen Betrieben der M+E Industrie sehen sich die Betriebsräte nach wie vor in erster Linie dem Schutz der Stammbelegschaften und der Standortsicherung verpflichtet. Dass somit eine Spaltung stattfindet und auch die Kampffähigkeit der Stammbelegschaften geschwächt wird, scheint viel zu oft zweitrangig zu sein.

Das Leipziger Signal von 2007, in dem es u.a. heißt
Die IG Metall wird sich ab sofort der Herausforderung „Leiharbeit“ in allen Orga-
nisationsgliederungen stellen. Wir schaffen die Voraussetzungen, damit Betriebs-
räte und Vertrauensleute in den betrieblichen Auseinandersetzungen gestärkt,
Leiharbeiter kompetent beraten und unterstützt und die notwendigen Auseinan-
dersetzungen mit der Politik und den Arbeitgeberverbänden geführt werden
können. Für uns gilt: Die tariflichen und betrieblichen Flexibilisierungsmöglich-
keiten haben Vorrang vor Leiharbeit und der Einsatz von Leiharbeitern muss im
Umfang reguliert werden. Dort wo Leiharbeit stattfindet muss der Grundsatz
„Gleiche Arbeit - Gleiches Geld“ Anwendung finden. Wir streben einen aktions-
fähigen Organisationsgrad bei den in Leiharbeit Beschäftigten an.


ist definitiv bei vielen IGM-Kollegen nicht angekommen.
http://netkey40.igmetall.de/homepages/v ... Signal.pdf
Dieses Leipziger Signal war innergewerkschaftlich für mich ein enormer Fortschritt. Und damit liegt es auch an jedem einzelnen Mitglied, die Umsetzung der darin formulierten Forderungen bei haupt- und ehrenamtlichen Kollegen einzufordern. Betriebsräte und Vertrauensleute der IG Metall zählen zu den ehrenamtlichen Kollegen. Insbesondere denen halte ich bei Konflikten immer wieder das Leipziger Signal unter die Nase - und in der Regel zieht das auch.
Ohne Gewerkschaft werden wir gleiches Geld für gleiche Arbeit und gleiche Rechte für alle nicht durchsetzen.
Was Werkverträge angeht hat unsere Organisation und auch die Öffentlichkeit über Jahre geschlafen. Ein Grund mehr sich innergewerkschaftlich einzubringen.
Einzelkämpfertum ist genau das, was die andere Seite will: Die Ellenbogengesellschaft.


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 Betreff des Beitrags: Re: Tarifverhandlung Zeitarbeit
BeitragVerfasst: 02.09.2013, 08:07 
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Beiträge: 547
Alles soll so bleiben wie es ist, meinte Omi Merkel gestern abend. Kein flächendeckender Mindestlohn und die Leiharbeitstarifparteien machen das unter sich aus. Die bisherige Leiharbeitschoose wäre laut Merkel eine einzige Erfolgsgeschichte.

Wird also Merkel wieder "Queen of Kotelett" wäre der Auftrag an den DGB: Keinen Mindestlohn in der Leiharbeit ohne weitreichende Zugeständnisse bei Rahmentarifvertrag und Entgeltrahmentarifvertrag. Also kein Abschluss und die iGZ/BAP-Verbrecher unbeachtet links liegen lassen!


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 Betreff des Beitrags: Re: Tarifverhandlung Zeitarbeit
BeitragVerfasst: 04.09.2013, 16:47 
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Wohnort: Hamburg
Cortez schrieb am 21.08.2013:
"(...) Die nächste Verhandlungsrunde ist am 16.09.2013, die Bundestagswahl am 22.09.2013. Am 01.11.2013 benötigen BAP/iGZ einen neuen Mindestlohntarifvertrag. (...)"

mal so in den raum geworfen:
Kriegen wir als ZOOM-Forums-NutzerInnen das hin, am 16.09. bei dieser Verhandlung vor und in der Tür ein wenig Wind zu machen???
Sozusagen vor Ort! Auf eigene Kappe oder mit Unterstützung unserer Organisation.

Mein Eindruck ist, dass das Thema "Zeitarbeit nach AÜG" total raus ist aus der Öffentlichkeit. Werkverträge wurden nach Jahren als "neues Thema" entdeckt (was ja gut und schön ist!). Aber wenn es neue Tarifverträge mit iGZ/BAP geben sollte, wovon ich schwer ausgehe, dann müssten sie einfach wesentlich besser sein als die bisherigen!
Wie wir alle wissen: Das Arbeitnehmerüberlassungsgesetz (AÜG) sagt, dass der Verleiher verpflichtet ist, "dem Leiharbeitnehmer für die Zeit der Überlassung an den Entleiher die im Betrieb des Entleihers für einen vergleichbaren Arbeitnehmer des Entleihers geltenden wesentlichen Arbeitsbedingungen einschließlich des Arbeitsentgelts zu gewähren."
Das heisst auf deutsch: Gleiches Geld, gleiche Bedingungen und gleiche Rechte bei gleicher Arbeit!

Tarifverträge haben für mich u.a. den Sinn, die Arbeitsbedingungen über die Gesetzeslage hinaus zu verbessern.
Wenn es neue Tarifverträge mit BAP und iGZ geben sollte, dann sollten sie also über equal pay und equal treatment hinausgehen - und nicht wie bisher diese Anforderungen aus der EU-Leiharbeitsrichtlinie einschränken! Z.B. mit einer Risikozulage wie in Frankreich.

Darauf könnte man ja mit Präsenz vor Ort und geschickter Medienarbeit aufmerksam machen. So als Idee ...

Ich weiß nicht mal wo diese Verhandlung am 16.09. stattfinden soll, aber es juckt mich doch verdammt in den Fingern!


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 Betreff des Beitrags: Re: Tarifverhandlung Zeitarbeit
BeitragVerfasst: 04.09.2013, 17:08 
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piet hat geschrieben:
Ich weiß nicht mal wo diese Verhandlung am 16.09. stattfinden soll, aber es juckt mich doch verdammt in den Fingern!

Berlin.

Die Organisation karrt jetzt am 07.09. busseweise IGMer vor den Bundestag. Am 16.09. ist dann wieder Ruhe an der Spree.


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 Betreff des Beitrags: Re: Tarifverhandlung Zeitarbeit
BeitragVerfasst: 04.09.2013, 17:48 
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Beiträge: 328
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Hallo hilde. Dann sollte "man" doch einfach mal - also jede/r von uns - den von unseren Mitgliedsbeiträgen bezahlten "Kollegen Hauptamtlichen" in den Vwst. oder bei den Bezirken mitteilen, das sie vielleicht ihren Einfluss nutzen sollten: Auf das bei dieser Gelegenheit auf die Tarifverhandlungen Leiharbeit bei den Kundgebungen hingewiesen wird. Wenigstens das.
Völlig unabhängig von meinem Vorschlag.


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 Betreff des Beitrags: Re: Tarifverhandlung Zeitarbeit
BeitragVerfasst: 07.09.2013, 09:28 
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Hallo zusammen. Untenstehend findet Ihr eine aktuelle Information von ver.di Kollegen aus NRW, die sich seit Beginn der Verhandlungen mit den Arbeitgeberverbänden des Zeitarbeitsgewerbes aktiv gegen neue Tarifverträge engagieren. Einzelne von uns haben dieses Engagement mit ihrer Unterschrift unterstützt. Innerhalb des AK MiZ Hamburg haben wir unterschiedliche Positionen zu den Verhandlungen.
Hintergrundinfos siehe:
http://www.schluss-mit-leiharbeit.tk/
http://www.dgb.de/themen/++co++8e936006 ... 188b4dc422

Tarifverhandlungen Leiharbeit: Neue Initiative von ver.di-KollegInnen aus NRW

Liebe Kolleginnen und Kollegen!
Ihr habt lange nichts von uns gehört.
Dass lag einerseits daran, dass es nichts Neues zu berichten gab und auch keine weiteren Unterstützungserklärungen eingegangen sind.
Aus dem Schreiben des ver.di-Bundesvorstandes an euch, habt ihr erkennen können, dass wir wahrgenommen wurden und auf unseren Offenen Brief reagiert wurde.
Unsere Argumente scheinen aber nicht so überzeugt zu haben, dass eine Kurskorrektur erfolgte.
Nun hält sich bei uns seit Wochen ein hartnäckiges Gerücht, dass noch im September (vor der Bundestagswahl) die Verhandlungskommission die Leiharbeitstarifverträge abschließen wird.
Was sie dafür kriegen, weiß ich nicht. Die Lohnhöhe soll – überraschend (?!) – bei 8,50 Euro liegen. Bestätigungen für dieses Gerücht gibt es – wie gesagt – nicht.
Deshalb wollen ver.di-KollegInnen aus NRW einen weiteren Versuch unternehmen, doch noch eine Kurskorrektur zu erreichen und haben dazu ein neues Schreiben an die Verhandlungspartner formuliert.
Dieses Schreiben findet ihr im Anschluss unten in dieser mail.
Wir unterstützen diesen Versuch und bitten euch, wenn ihr euch ebenfalls beteiligen wollt, eure Unterstützung bis zum 17. 9. 2013 (allerdings möglichst bald)
mit folgenden Angaben:

Vor- und Nachname:
Beruf:
Wohnort:
Gewerkschaftliche Funktion im Betrieb:
Ehren- oder hauptamtliche Funktion in der Gewerkschaft:

an Jürgen Senge (mail: juergen.senge@web.de) zu schicken.
Sobald wir neue Erkenntnisse haben, werdet ihr wieder von uns hören.

Mit freundlichen Grüßen
Jan de Vries
6. September 2013

An den DGB Bundesvorstand
An den ver.di Bundesvorstand

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,
wir haben uns über die laufenden Tarifverhandlungen zwischen den DGB-Mitgliedsgewerkschaften und den Arbeitgeberverbänden BAG und IGZ informiert und sind sehr befremdet über den bisherigen Verlauf.
Mehrere Hundert Kolleginnen und Kollegen haben in einem offenen Brief ihre Ablehnung einer Verlängerung des DGB Tarifvertrags für die Leiharbeit zum Ausdruck gebracht. In vielen Gremien und Betriebsgruppen wurde mit Unverständnis auf die erneuten Tarifverhandlungen reagiert.

Als Reaktion auf den Protest haben viele von uns ein erklärendes Schreiben des ver.di Bundesvorstands erhalten. Wir begrüßen, dass der ver.di Vorstand auf die Kritik reagiert. Allerdings überzeugen uns die Argumente für einen Tarifvertrag weiterhin nicht. Es wird behauptet, der zusätzlich zu den Entgeltgruppen geltende und allgemeinverbindliche Mindestlohn der Zeitarbeitsbranche könne nur bei einer Verlängerung des gesamten Tarifvertrages weitergelten. Diese Behauptung wird jedoch nicht begründet. Warum verhandelt der DGB nicht ausschließlich eine reine Lohnuntergrenze ohne die Entgelttabelle? Ein weiterhin geltender Mindestlohn könnte dann auch von Firmen mit Sitz im Ausland nicht unterlaufen werden (der Tarifvertrag gilt für diese Firmen ja ohnehin nicht). Es wird zudem auf die Risiken der verleihfreien Zeit verwiesen. Abgesehen davon, dass viele Arbeitsverträge nach der jeweiligen Einsatzzeit beendet werden, könnte neben der Absicherung durch einen Branchenmindestlohn auch eine tarifvertragliche Regelung nur für die verleihfreie Zeit verhandelt werden. Zudem bezweifeln Arbeitsrechtler wie Prof. Wolfgang Däubler, dass Zeitarbeitsfirmen das Arbeitgeberrisiko in der verleihfreien Zeit auf den Arbeitnehmer verlagern dürfen, indem sie den vorhergehenden Lohn kürzen.

Wie zu erfahren war, lehnen die Arbeitgeberverbände jede positive Verbesserung der bisherigen Regelungen ab. Das betrifft nicht nur die Frage der Löhne in der Leiharbeitsbranche.

Wir erleben momentan in der Tarifrunde im Einzelhandel wie Leiharbeitskräfte massiv als Streikbrecher eingesetzt werden. Einen Ausschluss von Streikbrecherarbeiten lehnen die Arbeitgeberverbände genauso ab wie überhaupt über Themen aus dem Manteltarifvertrag zu verhandeln.
Wir bedauern, feststellen zu müssen, dass unsere Verhandlungsdelegation offensichtlich nicht mehr auf den Ausschluss von Streikbrecherarbeiten durch Leiharbeitskräfte besteht. Wir halten dies für einen Fehler, weil dies die Gewerkschaften in den Tarifrunden schwächt oder schwächen wird. Tarifverhandlungen werden dadurch unnötig in die Länge gezogen.

Außerdem sind wir befremdet darüber, dass unsere Position zur Lohnfrage offensichtlich darauf setzt, den Niedriglohnsektor nicht begrenzen zu wollen. Wie kann es sein, dass die Gewerkschaften nach wie vor für Mindestlöhne eintreten, die weder in Ost noch in West, die Beschäftigten vor Armut schützt? Wir sind dafür, dass der Niedriglohnsektor ausgetrocknet wird und treten für gleichen Lohn bei gleicher Arbeit ein.

Wir sind deswegen auch gegen einen neuen Tarifvertrag in der Leiharbeitsbranche und fordern Euch auf, eure Position zu überdenken, damit die einfache Regel „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ endlich Wirklichkeit in der Leiharbeitsbranche wird!

Die gesetzliche Regelung, wonach bei keiner tariflichen Regelung, dieser Grundsatz gilt, muss endlich durchgesetzt werden.

Mit kollegialen Grüßen

_________________
Fehler machen nur die, die überhaupt was machen.


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 Betreff des Beitrags: Re: Tarifverhandlung Zeitarbeit
BeitragVerfasst: 08.09.2013, 13:02 
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Beiträge: 547
AK MiZ Hamburg hat geschrieben:
Die gesetzliche Regelung, wonach bei keiner tariflichen Regelung, dieser Grundsatz gilt, muss endlich durchgesetzt werden.

Das wird wirklich Zeit. Ich kann die gequirlte Kacke dieser Brut nicht mehr hören:

Angelo Wehrli hat geschrieben:
„Die Zeitarbeit ist reguliert und tarifiert. Sie unterliegt besonderer Überwachung durch die Bundesagentur für Arbeit und hat den Grundsatz „Gleiches Geld für gleiche Arbeit“ durch die Branchenzuschläge längst tariflich umgesetzt– übrigens zusammen mit den DGB-Gewerkschaften“
Landesbeauftragter des Interessenverbandes Deutscher Zeitarbeitsunternehmen (iGZ) in Hamburg, Angelo Wehrli

Das ist einfach nur noch frech. Dem Durchschnittswähler wird suggeriert: In der Leiharbeit ist Equal Pay längst umgesetzt.


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 Betreff des Beitrags: Re: Tarifverhandlung Zeitarbeit
BeitragVerfasst: 08.09.2013, 22:47 
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Registriert: 25.12.2006, 20:45
Beiträge: 1214
DerAlte hat geschrieben:
Da unsere Politikkasper der Meinung sind, dass Leihkröten doch total überbezahlt sind, wird ab Januar das Reisekostenrecht geändert. Bisher haben Leiharbeiter keine feste Arbeitsstätte, dadurch können Reisekosten wie bei Dienstreisen geltend gemacht werden. Das betrifft hauptsächlich die Fahrkosten mit eigenem Pkw, z.Z. 0,30€ für jeden gefahren km.
Ab 01.01.2014 haben Leiharbeiter beim Kunden ihre erste Tätigkeitsstätte. Das hat zur Folge, dass nur noch die Entfernungspauschale geltend werden kann (0,30€/km einfache Fahrt). Es gibt zwar eine leicht Verbesserung beim Verpflegungsmehraufwand, aber das ist unerheblich. Also freut Euch und seht zu wie Ihr ab Januar um die Kante kommt.
Die Mitglieder der Tarifkommission haben DAS garantiert nicht auf ihrem Schirm.
Thread-Link

Die Mitglieder der Tarifkommission müssen sich zwar nicht im Steuerrecht auskennen, aber interessant ist der Thread allemal. Die Kilometerpauschale hin&zurück war bisher schließlich einer der wenigen Vorteile des Zeitarbeiterdaseins. Gefühlte hundert mal im Jahr mußte ich mir von Disponentenseite anhören: "Fahrtkosten können wir leider nicht auch noch bezahlen, aber das können sie sich doch alles von der Steuer zurückholen.".


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 Betreff des Beitrags: Re: Tarifverhandlung Zeitarbeit
BeitragVerfasst: 09.09.2013, 00:48 
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Beiträge: 633
Wohnort: Rheinland
cortez hat geschrieben:
Die Kilometerpauschale hin&zurück war bisher schließlich einer der wenigen Vorteile des Zeitarbeiterdaseins.

Und damit bist Du selber schon voll in die Falle reingetappt.

Es handelt sich eben mitnichten um einen Vorteil, den ein LAN da hatte, sondern um die steuerrechtliche Anerkennung eines Nachteils:
Während ein Normalbeschäftigter - z.B. durch geeignete Wohnortnahme, dauerhafte Fahrgemeinschaften, Monatskarten im Abo, etc. pp. - auf die Kosten für den Weg zur Arbeit und zurück Einfluß nehmen kann, kann der LAN dies eben nicht.

Interessant ist übrigens, daß man die Handschrift der Sozialschmarotzerpartei FDP direkt erkennt, z.B. im Bereich Verpflegungskostenmehraufwand:
Zitat:
Nimmt der Mitarbeiter an einer geschäftlich veranlassten Bewirtung oder einem Arbeitsessen teil, werden die Verpflegungspauschalen nicht gekürzt.


Will heißen: Stellt mir der Arbeitgeber oder Entleiher einen Teller heißen Wassers mit Brühwürfel, dann muß ich mir das als "Mittagessen" vom VMA abziehen lassen. Lädt der Sklaventreiber den Entleiher hingegen zum Geschäftsessen mit anschließendem Puffbesuch ein, dann kann dieser das auch noch steuerlich geltend machen (Sofern der Puff-Besuch lange genug dauert) ... und wahrscheinlich darf ich diese Bewirtungskosten auch noch mit meinen Steuern bezahlen, denn so eine Einladung ins Kempinski und in den Puff bleibt ja wohl hoffentlich steuerlich absetzbar, damit Deutschland stark bleibt!

_________________
„Es gibt kein gutmütigeres, aber auch kein leichtgläubigeres Volk als das deutsche. Keine Lüge kann grob genug ersonnen werden, die Deutschen glauben sie. [...]” (Napoleon)


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 Betreff des Beitrags: Re: Tarifverhandlung Zeitarbeit
BeitragVerfasst: 11.09.2013, 16:02 
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Keine Ahnung, warum man diese Info sonst nirgendwo bekommt oder ob sie wirklich elementar ist. Bislang wusste ich jedenfalls nur von der Aufkündigung des Entgelttarifvertrages ...
Soviel nur zum Thema Informationspolitik meiner Gewerkschaft ...

Auf labournet fand ich einen link zu folgender Verlautbarung (http://www.labournet.de/category/politi ... andlungen/)

Zeitarbeit: DGB-Gewerkschaften kündigen Tarifverträge
Die DGB-Gewerkschaften haben gegenüber dem Bundesarbeitgeberverband für Personaldienstleister (BAP) und dem Interessenverband Deutscher Zeitarbeitsunternehmen (iGZ) zum 31. Januar 2014 den Manteltarifvertrag (MTV) und den Entgeltrahmentarifvertrag (ERTV) gekündigt. Bereits zum 31. Oktober 2013 hatten sie den Entgelttarifvertrag (ETV) beendet. Die bislang stockenden Tarifvertragsverhandlungen sollen am 16. September 2013 fortgesetzt werden.
Sollte bis zum Ablauf der betreffenden Kündigungsfristen keine Verständigung erzielt worden sein, die letztlich nur auf ein „Gesamtpaket“, unter anderem unter Einschluss aller Entgeltfragen, Umgang mit Arbeitszeitkonten sowie Angleichung der Vergütung Ost/West, hinauslaufen kann, dürften die oben genannten Tarifverträge der Zeitarbeit nur noch nachwirken (§ 4 Abs. 5 TVG).
Ob insbesondere eine arbeitsvertragliche Bezugnahme auf diese Tarifverträge den gesetzlichen Equal-Pay/Equal-Treatment-Anspruch (§§ 9 Nr. 2, 10 Abs. 4 AÜG) auszuschließen vermag, ist bislang nicht höchstrichterlich entschieden. In der Literatur wird dies aber zumindest bei bestehenden Arbeitsverhältnissen bejaht (vergleiche Boemke/Lembke, § 9 AÜG Rn. 428).
Dieser Auffassung folgt auch die Bundesagentur für Arbeit. Nach Ansicht der Behörde endet die Nachwirkung im Bereich des AÜG aber, sobald der Abschluss einer neuen tariflichen Vereinbarung nicht mehr in Aussicht steht. Ein Indiz dafür kann der Ablauf eines Jahres nach Auslaufen des vorherigen Tarifvertrages sein (vgl. Ziff. 3.1.6 Abs. 4, 5 GA-AÜG, Stand: April 2013).
Die Gerichte sind an die Ansicht der Bundesagentur für Arbeit allerdings nicht gebunden und können folglich abweichend entscheiden. Sollten die Tarifverträge tatsächlich in das Stadium der Nachwirkung eintreten, ist es also durchaus möglich, dass Zeitarbeitnehmer, die ihren Arbeitgeber auf Equal Pay in Anspruch nehmen, damit durchdringen werden. Dies gilt insbesondere bei Arbeitsverhältnissen, die erst im Nachwirkungszeitraum begründet worden sind.
(Quelle: Alexander Bissels auf http://www.cmshs-bloggt.de/arbeitsrecht ... vertraege/)


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 Betreff des Beitrags: Re: Tarifverhandlung Zeitarbeit
BeitragVerfasst: 12.09.2013, 10:19 
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Registriert: 05.02.2007, 14:55
Beiträge: 547
piet hat geschrieben:
Die DGB-Gewerkschaften haben gegenüber dem Bundesarbeitgeberverband für Personaldienstleister (BAP) und dem Interessenverband Deutscher Zeitarbeitsunternehmen (iGZ) zum 31. Januar 2014 den Manteltarifvertrag (MTV) und den Entgeltrahmentarifvertrag (ERTV) gekündigt. Bereits zum 31. Oktober 2013 hatten sie den Entgelttarifvertrag (ETV) beendet. Die bislang stockenden Tarifvertragsverhandlungen sollen am 16. September 2013 fortgesetzt werden.

16. September: Tarifverhandlungen in Berlin
17. September: Vorladung der Tarifkommission in Frankfurt
22. September: Bundestagswahl

Die Kündigung der Tarifverträge ist zu begrüßen, aber warum trommelt der DGB nur einen Tag nach den Verhandlungen und kurz vor der Bundestagswahl die abstimmungsberechtigten Mitglieder zusammen? Um Arbeitskampfmaßnahmen zu beschließen?

Wohl kaum.


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 Betreff des Beitrags: Re: Tarifverhandlung Zeitarbeit
BeitragVerfasst: 15.09.2013, 21:34 
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Registriert: 24.02.2007, 07:11
Beiträge: 328
Wohnort: Hamburg
Alles prima. Ein grundsätzliches Problem wird mit einem CDU-Sieg geklärt.
>>
Merkel will Dauer von Leiharbeit begrenzen
Der Begriff "vorübergehend" birgt für Leiharbeiter ein Problem. Wie lange dürfen sie angestellt sein? Kanzlerin Merkel will Klarheit schaffen. Notfalls per Gesetz ...
<<
http://www.zeit.de/wirtschaft/2013-09/l ... beitsmarkt


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 Betreff des Beitrags: Re: Tarifverhandlung Zeitarbeit
BeitragVerfasst: 16.09.2013, 15:46 
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Norbert Fuhrmann hat geschrieben:
Seit März 2013 wird verhandelt, um Rahmenbedingungen für die Branche zu überarbeiten, einen neuen Mindestlohntarifvertrag abzuschließen und über Lohnerhöhungen zu sprechen. Bisher ohne absehbares Ergebnis.

Was ist so schwierig?

Erstmalig seit 2003 wird ein Paket aus Mantel-, Entgeltrahmen- und Entgelt-Tarif zusammen verhandelt. Einzelne Teile sind nicht heraus zu lösen. Darüber hinaus gibt es keine „Drohkulisse CGZP“ mehr und auf der Gewerkschaftsseite handeln andere Personen. Diese „Gemengelage“ ist wohl von der Arbeitgeberseite nicht richtig strategisch eingeordnet worden.

Strategische Fehleinschätzungen?

Wenn der Verhandlungsführer der Arbeitgeber immer noch versucht an den gewerkschaftlichen Verhandlern vorbei mit den nicht mehr zuständigen Gewerkschaftern tarifliche Vereinbarungen zu treffen, zeugt das von Realitätsferne. Die frühzeitige Prophetie eines schnellen Abschluss – siehe die kurz aufeinander folgenden Termine im April – war wohl auch eine Fehlspekulation.Weiterhin hat sich nach 5 Verhandlungsrunden herausgestellt, dass sich die in der Verhandlungsgemeinschaft VGZ vertretenden Verbände iGZ und BAP bei Themen des Manteltarifvertrags uneins sind.

Haben die fünf Verhandlungsrunden bisher Fortschritte gebracht?

Nur bedingt. Beim Streikbrucheinsatz von Zeitarbeitsbeschäftigten haben die Arbeitgeber einer wichtigen Klarstellung zugestimmt, dass auch der Einsatz von bereits im bestreikten Betrieb eingesetzten Zeitarbeitsbeschäftigten unzulässig ist. In allen anderen Bereichen konnte bisher keine Einigung erzielt werden.

Welche Themen sind strittig?

Im Entgeltrahmen geht es um eine klarere Abgrenzung zwischen den Lohngruppen EG1/EG2 und EG3/EG4, etwa so wie es im tarifplus+ Zeitarbeitstarifvertrag geregelt ist. Hier will die Arbeitgeberseite nicht drüber verhandeln.

Im Manteltarifvertrag geht es neben dem Thema Einsatz bei Streik um die Themen Ausschlussfrist (Anpassung an die gesetzliche Dreimonatsfrist) und die Klarstellung der Bezahlungen bei Krankheit, Feiertag und Urlaub. Durch die Klarstellung soll verhindert werden, dass durch „Uminterpretationen“ Lücken aufgetan werden, die zu einer gesetzwidrigen Entlohnung dieser unproduktiven Zeiten führen. Weiterhin soll im Manteltarifvertrag das Thema Zeitkonto – Höhe, Zufluss, Abfluss – klar geregelt werden. Dabei soll deutlich gemacht werden, dass im bisherigen Wortlaut des Tarifvertrags nie das Wort Zeitwertkonten sondern immer das Zeitkonto als reines Stundenkonto gemeint war. Bei all diesen Themen will die Arbeitgeberseite nicht verhandeln. Teilweise wird das damit begründet, dass man zu einzelnen Themen kein Verhandlungsmandat seiner Tarifkommission habe. Auch die Ost-West-Angleichung der Löhne ist ein strittiges Thema.

Die Klarstellung des Manteltarifvertrags sind alle im tarifplus+ Zeitarbeitstarifvertrag schon vor knapp 2 Jahren geregelt worden, um jegliche nicht legale Interpretation auszuschließen.

Zwischen den Tarifpartnern wurde vereinbart, dass der DGB über die laufenden Tarifverhandlungen informiert.
Quelle


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 Betreff des Beitrags: Re: Tarifverhandlung Zeitarbeit
BeitragVerfasst: 17.09.2013, 10:06 
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http://www.ig-zeitarbeit.de/artikel/19041

Tarifabschluss erzielt

8,50 EUR EG1

Ab 01.01.14


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 Betreff des Beitrags: Re: Tarifverhandlung Zeitarbeit
BeitragVerfasst: 17.09.2013, 10:38 
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Beiträge: 88
Westen:

01.01.14 8,50 EUR EG1

01.04.15 8,80 EUR EG1

01.06.16 9,00 EUR EG1

Osten:

01.01.14 7,80 EUR EG1

01.04.15 8,20 EUR EG1

01.06.16 8,50 EUR EG1

Laufzeit bis 31.12.16


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 Betreff des Beitrags: Re: Tarifverhandlung Zeitarbeit
BeitragVerfasst: 17.09.2013, 10:55 
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Das ist ja ein ganz hervornagendes Ergebnis.

Soweit ich das sehen kann, wurde ansonsten einfach alles mit dem alten Stand durchgewunken, es ändert sich also wirklich nur die Lohntabelle.

Und weil ja nicht jeder nur Handlanger ist, hier mal die komplette Tabelle ab 1.1.2014:

West:

E2: 8,74 -> 9,07 EUR
E3 10,22 -> 10,61 EUR
E4 10,81 -> 11,22 EUR
E5 12,21 -> 12,67 EUR
E6 13,73 -> 14,25 EUR
E7 16,03 -> 16,94 EUR
E8 17,24 -> 17,90 EUR
E9 18,20 -> 18,89 EUR

Ost:
E2 7,64 -> 8,01 EUR
E3 8,93 -> 9,36 EUR
E4 9,45 -> 9,90 EUR
E5 10,68 -> 11,19 EUR
E6 12,00 -> 12,58 EUR
E7 14,01 -> 14,68 EUR
E8 15,07 -> 15,79 EUR
E9 15,91 -> 16,67 EUR

Alle Werte selber berechnet und kaufmännisch gerundet. Ohne Gewähr :)

_________________
„Es gibt kein gutmütigeres, aber auch kein leichtgläubigeres Volk als das deutsche. Keine Lüge kann grob genug ersonnen werden, die Deutschen glauben sie. [...]” (Napoleon)


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 Betreff des Beitrags: Re: Tarifverhandlung Zeitarbeit
BeitragVerfasst: 17.09.2013, 11:06 
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Beiträge: 88
Verhandlungsergebnis zum Manteltarifvertrag:

Neue Ausschlussfristen:
Ansprüche müssen jetzt innerhalb von drei Monaten schriftlich geltend gemacht werden. Lehnt der Arbeitgeber die Ansprüche ebenfalls schriftlich ab, (nur dann) muss der Anspruch innerhalb weiterer drei Monate gerichtlich geltend gemacht werden.

Neue Streikklausel:
Die neue Streikklausel stellt klar, dass auch Zeitarbeitsbeschäftigte, die bereits vor Streikbeginn im Betrieb eingesetzt sind, hiervon erfasst werden.

Regelungen zu Arbeitszeitkonten:
Es gibt Obergrenzen im AZK für Teilzeitbeschäftigte. Außerdem muss sich ein Beschäftigte bei genehmigter Freizeitentnahme künftig nicht mehr für kurzfristige Arbeitseinsätze bereithalten. Bei einer betriebsbedingten Kündigung muss der Arbeitgeber den Beschäftigten vertragsgemäß weiterbeschäftigen und kann ihn nicht einfach unter Anrechnung der AZ-Konten von der Arbeit freistellen. Außerdem gibt es einen Anspruch darauf, dass Konten ausbezahlt werden, sobald der Beschäftigte einen „Puffer“ von 105 Plusstunden aufgebaut hat.

Regelung zur Entgeltfortzahlung:
Bei der Entgeltfortzahlung im Urlaubs- und Krankheitsfall wird zukünftig ein Referenzzeitraum von 13 Wochen der Berechnung von Ansprüchen zugrunde
gelegt.

Regelung zur Abschlagszahlung:
Ab 01.07.2014 haben Mitarbeiter einen Anspruch auf Abschlagszahlung zum Ende eines Monats.

Verhandlungsergebnis zum Entgeltrahmen TV:

Die EG 4 (Facharbeitergruppe) wird dahingehend ergänzt, dass Beschäftigte, die in die EG 3 eingruppiert sind, mit einer Betriebsangehörigkeit (beim Verleiher) von mehr als einem Jahr automatisch in die EG 4 eingruppiert werden. Die Berechnung der Betriebszugehörigkeit beginnt ab dem 01.01.2014 zu laufen (Übergangsregelung).
EG1 und EG2 werden jetzt so ausgestaltet, wie es bei TarifPlus definiert ist.


Quelle: IGZ XING


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 Betreff des Beitrags: Re: Tarifverhandlung Zeitarbeit
BeitragVerfasst: 17.09.2013, 11:41 
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August2011 hat geschrieben:
Die EG 4 (Facharbeitergruppe) wird dahingehend ergänzt, dass Beschäftigte, die in die EG 3 eingruppiert sind, mit einer Betriebsangehörigkeit (beim Verleiher) von mehr als einem Jahr automatisch in die EG 4 eingruppiert werden. Die Berechnung der Betriebszugehörigkeit beginnt ab dem 01.01.2014 zu laufen (Übergangsregelung).

Also haben sich die Gewerkschaften schon wieder über's Ohr hauen lassen. Wer ist denn länger als 1 Jahr bei einer ZAF ...
Und selbst wenn es nicht so wäre, wäre das nur ein Scheinzugeständnis. Facharbeiter in EG3? Kommt doch in der Praxis eh kaum vor. Da sowohl EG3 als auch EG4 unter dem liegen, was die Buden einem Facharbeiter eh zahlen müssen, haben die mit EG4 nicht das Problem. Viel schwieriger ist es für den Fachi, irgendwann auch mal in EG5 zu kommen ...

August2011 hat geschrieben:
EG1 und EG2 werden jetzt so ausgestaltet, wie es bei TarifPlus definiert ist.

Na immerhin.

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 Betreff des Beitrags: Re: Tarifverhandlung Zeitarbeit
BeitragVerfasst: 17.09.2013, 13:09 
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Registriert: 14.12.2012, 12:43
Beiträge: 88
Handelsblatt: (Zitate)

Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt begrüßte den neuen Tarifabschluss als vertretbar. Die dreijährige Laufzeit schaffe Planungssicherheit für die Firmen und auch die Betriebe, die Zeitarbeit als Flexibilitätsinstrument nutzten.

Auch Arbeitsministerin Ursula von der Leyen lobte den Abschluss und kündigte an, den neuen Mindestlohn für die Zeitarbeit umgehend für allgemeinverbindlich zu erklären. Damit würden alle Beschäftigten der Branche von dem Aufschlag profitieren. Dem Abschluss komme eine "überragende Bedeutung für die Mindestlohndebatte in Deutschland" zu, denn er strahle auf viele andere Bereiche der Wirtschaft aus, sagte die CDU-Ministerin.


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 Betreff des Beitrags: Re: Tarifverhandlung Zeitarbeit
BeitragVerfasst: 17.09.2013, 14:10 
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Administrator

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Beiträge: 2681
Wohnort: Augsburg
Hallo,

warum haben die ZAF-Verbände diesem Verhandlungsergebnis zugestimmt?

Einige Zitate:
Arbeitsministerin Ursula von der Leyen: Dem Abschluss komme eine "überragende Bedeutung für die Mindestlohndebatte in Deutschland" zu,

Klar, die Debatte für einen gesetzlichen Mindestlohn wird damit in weite Ferne gerückt.

Piening (IGZ): „Ich freue mich, dass es uns gelungen ist noch vor der Bundestagswahl ein tragfähiges Verhandlungsergebnis zu erzielen“, so Holger Piening, stellvertretender VGZ-Verhandlungsführer. „Das Signal an die Politik lautet: ‚Die Zeitarbeit ist bei den Tarifvertragsparteien in besten Händen!...und von weiteren Regulierungen der Branche absieht.“

VGZ-Verhandlungsführer Thomas Bäumer: „Die Entgelterhöhungen in Verbindung mit den modifizierten Eingruppierungsgrundsätzen des Entgeltrahmentarifvertrages für die Entgeltgruppen 1, 2 und 4 bedeuten einen Abschluss, der uns an unser absolutes Verhandlungslimit gebracht hat. Die Zeitarbeitgeber sind damit bis an die Grenze ihrer Belastbarkeit gegangen,

- Die Grenze der Belastung kommt z.B. bei den Eingruppierungen erst ab dem 01.01.2015 zum Tragen. (Und natürlich nicht bei jedem Leiharbeiter).

- Die durchschnittliche jährliche Tariferhöhung bewegt sich bei ca. 3%. (Im Osten etwas mehr. Aber die Angleichung wird 2016 immer noch um 5,5% nachhinken).

Die Zustimmung der ZAF-Verbände ist nicht so teuer erkauft worden wie sie vorjammern. Es geht alles in mehrjährigen Schritten.

Den ZAF-Verbänden ging es darum endlich aus der öffentlichen Diskussion herauszukommen und die Politik aus der Sache herauszuhalten. Da ist ihnen einiges gelungen.

Die diversen Verbesserungen im MTV und Entgeltrahmen-TV setzen den bisherigen Bescheisserein der ZAF eine Hürde. War auch an der Zeit.


Karl


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 Betreff des Beitrags: Re: Tarifverhandlung Zeitarbeit
BeitragVerfasst: 17.09.2013, 15:51 
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Registriert: 24.02.2007, 07:11
Beiträge: 328
Wohnort: Hamburg
Stellungnahme des DGB vom 17.9.2013:
http://www.dgb.de/themen/++co++cd43e51c ... 188b4dc422

(...) Nach zähen Verhandlungen erreichte die Tarifgemeinschaft für Hunderttausende Leiharbeiterinnen und Leiharbeitern deutliche Verbesserungen in den Tarifverträgen. Der Mindestlohn wird in einer ersten Stufe im Westen zum 1. Januar 2014 auf 8,50 Euro, zum 1. April 2015 auf 8,80 Euro und zum 1. Juni 2015 auf 9 Euro angehoben. Im Osten steigt der Mindestlohn ebenfalls in der Laufzeit auf 8,50 Euro. Der Lohnunterschied zwischen Ost und West wird dabei deutlich reduziert.
DGB fordert weiterhin gleichen Lohn für gleiche Arbeit

„Von Anfang an war es für die DGB-Tarifgemeinschaft Leiharbeit klar, dass keinem Ergebnis zugestimmt wird, das nicht die 8,50 Euro als unterste Entgeltgruppe festschreibt. Damit haben wir zugleich die Lohnuntergrenze für den Branchenmindestlohn in der Leiharbeit festgelegt.“, sagte DGB-Vorstandsmitglied Claus Matecki. „Mit diesem Abschluss und den von den DGB-Gewerkschaften vereinbarten Branchenzuschlägen haben wir auf dem Weg zu einer neuen Ordnung der Arbeit wichtige Pfeiler gesetzt“, erklärte Matecki, der für die Tarifgemeinschaft die Verhandlungen geführt hatte. Er forderte erneut eine gesetzliche Regelung mit dem Ziel gleicher Lohn für gleiche Arbeit: „Die neue Bundesregierung ist gefordert, hier unverzüglich zu handeln." (...)

Die Tarifkommission der IG Metall erklärte dazu ... ich kanns mir schon denken!


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