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 Betreff des Beitrags: Die unheimliche Macht der IG Metall
BeitragVerfasst: 01.05.2012, 10:11 
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„Gut organisierte Belegschaften haben gute Tarifverträge – und schlecht organisierte schlechte“, beschreibt Wetzel lapidar die Entwicklung. (Zitat)


WirtschaftsWoche hat geschrieben:
Die unheimliche Macht der IG Metall

von Bert Losse

Berthold Huber hat seine Organisation in einen straff organisierten Arbeitnehmer-Konzern verwandelt – mit prall gefüllten Streikkassen und einer enormen Machtfülle. Wie arbeitet die IG Metall? Und was bedeutet ihr wachsender Einfluss für die Wirtschaft? Ein Bericht aus dem Innenleben der weltgrößten Gewerkschaft.

Der Terminplan für Berthold Huber steht. Am kommenden Dienstag wird der IG-Metall-Vorsitzende um elf Uhr vom Hamburger Spielbudenplatz mit einem Demonstrationszug zum Fischmarkt der Hansestadt wandern, dort gegen zwölf ein Podium erklimmen und routiniert gegen Leiharbeit, Sozialabbau und die Auswüchse des Kapitalismus wettern. Doch mit seinen Gedanken ist der 62-Jährige dann womöglich ganz woanders. Nur 24 Stunden nach der Kundgebung zum 1. Mai will die IG Metall mit Warnstreiks in Deutschlands wichtigster Industriebranche die härteste Tarifauseinandersetzung seit Jahren eröffnen – und selten zuvor sind die Spitzenfunktionäre mit derart breiter Brust in eine Lohnrunde gezogen wie 2012.

„Die Sozialpartnerschaft hat in der Krise gehalten. Jetzt geht es um eine Verteilungsauseinandersetzung“, sagt Huber, und er kann sich diese kämpferischen Töne durchaus leisten. Der gelernte Werkzeugmacher aus Ulm gilt mittlerweile als einflussreichster Gewerkschaftsmanager der deutschen Nachkriegsgeschichte. Nach Jahren des politischen und organisatorischen Niedergangs hat er seine Gewerkschaft nicht nur wieder zu einem starken Kampfverband gemacht, sondern zu einem zentralen Machtfaktor in der deutschen Wirtschaft – auch jenseits des tarifpolitischen Tagesgeschäfts. Der Arbeitnehmer-Konzern IG Metall gestaltet nicht nur die Lohn- und Arbeitsbedingungen von 3,6 Millionen Beschäftigten, sondern ist auch gefragter Ratgeber der Politik; er sitzt auf dicken Aktienpaketen, bezieht Profit aus einem umfangreichen Immobilienbesitz – und regiert über seine Aufsichts- und Betriebsräte mehr denn je in der Beletage der deutschen Industrie mit.

Keine andere Branche ist heute gewerkschaftlich so durchdrungen wie die Metall-und Elektroindustrie. Während in der Wirtschaft insgesamt nur rund 20 Prozent der Arbeitnehmer ein Gewerkschaftsbuch haben, sind es im wichtigsten Industriezweig des Landes nach internen Zahlen der IG Metall immerhin 31 Prozent. In den großen Automobilkonzernen und in der Stahlindustrie liegt der Organisationsgrad bei weit über 90 Prozent.

Aufpasser in Aufsichtsräten

Würde die IG Metall in ihrem Jahresbericht wie eine Bank verfahren und alle Unternehmen nennen, bei denen sie mehr oder weniger starken Einfluss hat, ergäbe sich eine lange Liste, von Siemens mit seinen in Deutschland 116.000 Beschäftigten über die großen Automobilkonzerne bis hin zu vielen Mittelständlern. In den Mitbestimmungsgremien der Unternehmen geht vielfach nichts gegen die Gewerkschaft. Von den über 70.000 Betriebsratsmitgliedern der Branche gehören über 70 Prozent der IG Metall an. Hinzu kommen knapp 80.000 gewerkschaftliche „Vertrauensleute“, also Arbeitnehmer, die ihre Gewerkschaft mit Informationen aus dem Betrieb versorgen.

In die Aufsichtsräte deutscher Unternehmen entsendet die Gewerkschaft rund 1700 Aufpasser. Gewerkschaftsboss Huber hat gleich vier Kontrollmandate: Er ist stellvertretender Aufsichtsratschef bei Siemens, Audi und VW und einfaches Mitglied bei Porsche. Das macht ihn zu einem der Chefkontrolleure der deutschen Wirtschaft. Die vier Konzerne bringen es auf eine Marktkapitalisierung von 158 Milliarden Euro, das entspricht fast einem Viertel des Wertes aller Dax-30-Unternehmen. Zum Vergleich: Manfred Schneider, der König der Aufsichtsratschefs (Bayer, Linde, RWE) beaufsichtigt nur Konzerne mit einer Marktkapitalisierung von 85,8 Milliarden Euro. Hubers Vize Detlef Wetzel sitzt in den Kontrollgremien von SMS und ThyssenKrupp Steel. Finanzvorstand Bertin Eichler hat Sitz und Stimme im Aufsichtsrat von BMW und bei ThyssenKrupp.

Längst sehen sich die Gewerkschaftsbosse weniger als Klassenkämpfer denn als Co-Manager. Und sie wollen mehr: Huber hat mehrfach das Doppelstimmrecht des Aufsichtsratschefs infrage gestellt. Seit Längerem kursieren in der IG Metall zudem Gedankenspiele, die zunehmende Kapitalbeteiligung von Arbeitnehmern an Unternehmen strategisch zu nutzen. Die Idee lautet, Mitarbeiteranteile branchenübergreifend zu bündeln und mit einer einheitlichen Beteiligungsgesellschaft auf Hauptversammlungen aufzutreten.

Schon als Chef des IG-Metall-Bezirks Baden-Württemberg (1998–2003) fiel Huber mit für Gewerkschaftsverhältnisse unbotmäßigen Gedanken auf, etwa zur Flexibilisierung von Tarifverträgen. Im Gegensatz zu anderen Gewerkschaftsfürsten hatte er über Jahre einen guten Draht zu Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann. In seinem Büro im 15. Stock der Frankfurter IG-Metall-Zentrale musste die Milliardärin Maria-Elisabeth Schaeffler um Hilfe für ihren angeschlagenen Konzern nachfragen. In Russland wurde Huber von Wladimir Putin empfangen. Jüngst kam Bundesbank-Präsident Jens Weidmann zum Antrittsbesuch.

Was die Arbeitgeber aktuell aber am meisten beunruhigen dürfte: Die Streikkasse der IG Metall ist so prall gefüllt wie nie zuvor. Wenig beachtet von der Öffentlichkeit, hat die IG Metall seit Jahren 15 Prozent ihrer Beitragseinnahmen für Arbeitskämpfe angespart. Allein im vergangenen Jahr waren das 69 Millionen Euro. Zwischen 2007 und 2011 gab die IG Metall nur etwa fünf Millionen Euro für Streikgelder aus – und stopfte mehr als 330 Millionen in die Rücklagen. „Am Geld wird 2012 ein Arbeitskampf mit Sicherheit nicht scheitern“, frohlockt Finanzvorstand Bertin Eichler.

Und an mangelndem Rückhalt in den Betrieben wohl auch nicht. Die Gewerkschaft hat unter Huber die Trendwende bei den Mitgliederzahlen geschafft. Während die beiden anderen großen DGB-Gewerkschaften Verdi und IG BCE 2011 weiter schrumpften, konnten die Metaller erstmals seit der deutschen Einheit zulegen. Die Beitragseinnahmen kletterten um 17 Millionen auf knapp 459 Millionen Euro – den höchsten Wert aller Zeiten.

Nachdem das Jahresergebnis nach Rückstellungen in den Vorjahren stets negativ war, gab es 2011 einen Überschuss von über zehn Millionen Euro. 2012 rechnet Finanzvorstand Eichler „mit einem weiteren Anstieg der Einnahmen auf rund 464 Millionen Euro“. Und das sei eine konservative Planung. Erste Zahlen aus den Bezirken zeigen, dass der positive Mitgliedertrend anhält; allein in Baden-Württemberg traten im ersten Quartal 6000 Kollegen ein. Das Schönste: Von jeder Lohnerhöhung, die sie den Arbeitgebern abtrotzt, profitiert die Gewerkschaft selbst. Denn ein Prozent des Bruttoeinkommens fließt als Mitgliedsbeitrag in ihre Kasse.

Der Aufschwung ist das Ergebnis einer radikalen Strategie- und Organisationsreform, die Huber seiner Truppe verordnet hat. Unter Vorgänger Jürgen Peters, dem Huber vier Jahre als Vize dienen musste, hatten sich Fundamentalisten und Pragmatiker in der Gewerkschaft bekriegt und die Gewerkschaft ins politische Abseits manövriert. Peters sah in der IG Metall eine radikale linke Gegenmacht, die eine Führungsrolle in jedwedem sozial- und gesellschaftspolitischen Diskurs des Landes einnehmen sollte. Am Ende der Ära Peters im Jahr 2007 hatte die Gewerkschaft 400.000 Mitglieder weniger als zu Zeiten der Wiedervereinigung.

Zurück zum Kerngeschäft

Heute spottet IG-Metall-Vize Detlef Wetzel: „Die Welt wird nicht verändert, indem wir als IG Metall in der Lage sind, einen guten Aufsatz zu schreiben.“ Nun lautet die von ihm und Huber vorgegebene Linie: Konzentration aufs Kerngeschäft. Alle Aktivitäten, einschließlich der Tarifrunden, dienen dem einen zentralen Ziel: neue Mitglieder zu gewinnen und damit zusätzliche Macht in den Betrieben. Nicht von ungefähr will die IG Metall in der laufenden Tarifrunde nicht nur 6,5 Prozent mehr Geld, sondern auch eine Übernahmepflicht für Auszubildende und Mitbestimmungsrechte beim Einsatz von Zeitarbeitern durchsetzen. „Das sind drei gleichwertige Forderungen – und im Zweifel werden wir einen Konflikt um alle drei Themen führen“, sagt Huber. Vor allem: Es sind beste Werbeargumente bei den Belegschaften.

Niemand sollte sich von Hubers bisweilen fahrigen Auftritten und seiner betont schläfrigen Sprechweise täuschen lassen: Der Mann denkt messerscharf und weiß genau, was er will. Auch im Umgang mit den eigenen Leuten folgt die Gewerkschaft inzwischen kühlem unternehmerischem Kalkül. In der Frankfurter Zentrale hat Huber (Jahresgehalt: rund 240.000 Euro) zuletzt rund 100 Stellen abgebaut, das sind rund 15 Prozent der dortigen Belegschaft. Das eingesparte Geld, fast 20 Millionen Euro pro Jahr, steckt er nun in einen Fonds, aus dem die Verwaltungsstellen vor Ort Projekte zur Mitgliedergewinnung finanzieren können. Lohnverhandlungen für die eigene Belegschaft, bundesweit rund 2300 Leute, führt die IG-Metall-Spitze mit dem Betriebsrat – wofür man jedes Unternehmen, das Ähnliches versucht, vors Arbeitsgericht zerren würde.

Wie die Basis tickt

Bitten lokale Betriebsräte bei Streitigkeiten mit der Firmenleitung um Unterstützung, hilft die IG Metall weiterhin gerne – aber nur noch, wenn vorher genügend Beschäftigte einen Mitgliedsantrag unterschrieben haben. „Gut organisierte Belegschaften haben gute Tarifverträge – und schlecht organisierte schlechte“, beschreibt Wetzel lapidar die Entwicklung.

Als etwa vor einigen Monaten ein Metallbetrieb in Lüdenscheid wegen wirtschaftlicher Probleme tarifliche Leistungen kürzen wollte und Betriebsräte bei IG-Metall-Lokalchef Bernd Schildknecht vorsprachen, zog der nur die Augenbrauen hoch; ganze 20 der 120 Mitarbeiter waren in dem Unternehmen organisiert. Acht Wochen später hatte sich die Zahl vervierfacht. Zwar mussten die Mitarbeiter trotzdem für eine Übergangszeit Lohneinbußen und längere Arbeitszeiten hinnehmen. Metaller Schildknecht handelte aber im Gegenzug eine Beschäftigungsgarantie für alle aus.

Wer wissen will, wie die neue IG Metall an der Basis tickt, sollte in die Düsseldorfer Roßstraße fahren und mit Oliver Burkhard reden. Der 40-Jährige, ein jugendlicher Typ mit Dreitagebart, sitzt im achten Stock der nordrhein-westfälischen IG-Metall-Zentrale und blättert in einem Aktenordner. Als Chef der IG Metall NRW, des mitgliederstärksten Bezirks seiner Gewerkschaft, ist der Huber-Vertraute einer der einflussreichsten IG-Metall-Funktionäre des Landes. Aber er ist so ziemlich das Gegenteil dessen, was sich Lieschen Müller unter einem Metallgewerkschafter vorstellt. Klassenkampf? Völker, hört die Signale? Bei Burkhard, der Betriebswirtschaft studiert hat und früher beim Statistischen Bundesamt arbeitete, hört sich das anders an. Er redet lieber von „VS-Ratings“, „ABC-Analysen“ und „Organizingprojekten“; in seinen Ordnern hat er seitenlange Qualitätsanalysen und Leistungschecks abgeheftet.

Vor wenigen Jahren noch haben in der IG Metall viele Lokal- und Provinzfürsten gemacht, was sie wollten. Heute arbeiten die bundesweit rund 160 Verwaltungsstellen als eine Art Profit Center. Sie müssen sich einem Benchmarking-Verfahren unterziehen und für jedes Jahr einen detaillierten Geschäftsplan vorlegen, den nicht nur die regionale Bezirksleitung, sondern auch die Zentrale in Frankfurt begutachtet. „Wir haben unsere Strukturen spürbar professionalisiert“, sagt Burkhard.

Auch die 39 Dependancen in NRW haben Zielvorgaben bekommen. Für die Zahl der Neumitglieder und Austritte sowie die Finanzlage gibt es von Burkhard nun eine grüne, gelbe oder rote Ampel. Wer am Ende des Jahres zu viel Rot auf dem Zeugnis hat, bekommt ein Problem und einen Termin beim Bezirksleiter, bei dem die brüderliche Solidarität gern mal zurücksteht. Viele dieser Termine gibt es allerdings nicht mehr; die meisten Niederlassungen arbeiten mittlerweile im grünen Bereich.

Wirtschaftskonzern IG Metall

Finanzielle Sorgen? Während andere Gewerkschaften wie die IG Bau knapp bei Kasse sind, schwimmt die IG Metall in Geld. Insider taxieren das Vermögen auf mindestens zwei Milliarden Euro, umfangreicher Immobilienbesitz kommt noch oben drauf. Die genauen Zahlen sind so geheim wie die Rezeptur von Coca-Cola. In der IG-Metall-Dependance Wolfsburg etwa bunkern die Metaller so viele Millionen, dass „die Kollegen dort theoretisch keinen Cent an Mitgliedsbeiträgen mehr bräuchten“, berichtet ein hoher Funktionär. Selbst die Verwaltungsstelle im strukturschwachen Duisburg soll zwei bis drei Millionen Euro auf der hohen Kante haben, Provinz-Niederlassungen wie Lüdenscheid bringen es auf fast 3,5 Millionen Euro.

Was macht eine Gewerkschaft mit so viel Geld? Als steuerbefreiter Verein darf die IG Metall keine profitorientierten Geschäfte betreiben. Doch hat sie sich wie ein Wirtschaftskonzern aufgestellt, mit einer Vielzahl von Gesellschaften, Untergesellschaften und Beteiligungen.

Ein großer Teil der Kapitalanlage läuft über die gewerkschaftseigene Vermögensverwaltungsgesellschaft Feho in Frankfurt. Damit das Gewerkschaftskapital ordentliche Erträge abwirft – die interne Zielrendite liegt bei mittelfristig vier bis fünf Prozent – hat die Feho professionelle Fondsmanager am Markt eingekauft. Einer kam von der Helaba, ein anderer von Cominvest, für das Risikomanagement ist eine ehemalige SEB-Bankerin zuständig. Ein siebenköpfiges Team steuert nun den Kauf und Verkauf von Pfandbriefen, Staats- und Unternehmensanleihen.

Besonders pikant: Während gewerkschaftlicher Aktienbesitz vor wenigen Jahren noch tabu war, kauft sich die IG Metall inzwischen auch in die Wirtschaft ein. Bis zu 20 Prozent des Anlagevermögens, so die interne Vorgabe, dürfen die roten Fondsmanager in Aktien investieren. Auch wenn es derzeit nur rund drei Prozent sind (was auf einen hohen zweistelligen Millionenbetrag hinausläuft), sehen dies Experten kritisch. „Wer gleichzeitig als Arbeitnehmer-Lobbyist und Anteilseigner auftritt, kann leicht in Interessenkonflikte geraten“, warnt Wolfgang Franz, Chef der „Fünf Wirtschaftsweisen“. Um ein Geschmäckle zu vermeiden, lässt die IG Metall ihre Aktiengeschäfte über Geschäftsbanken abwickeln; einige davon haben für den Großkunden IG Metall eigene Fonds aufgelegt.

Ebenso einflussreich wie die Feho ist der IG-Metall-Ableger Igemet, der über eine weitere Tochterfirma den Immobilienbesitz verwaltet. Die Gewerkschaft besitzt aktuell 107 Immobilien an 86 Standorten, zum Teil in bester Citylage. Dies sind vor allem selbst genutzte Bürohäuser und Bildungszentren, aber auch knapp 350 Wohnungen, davon allein 180 in einer Anlage nahe der Berliner Charité. Lange Zeit besaß die IG Metall sogar Waldflächen und Campingplätze; solche „nicht betriebsnotwendigen“ Besitztümer hat die Gewerkschaft jedoch nach und nach verkauft.

Das Juwel im Immobilienportfolio ist die Zentrale im Frankfurter Gutleutviertel, das 2003 fertiggestellte Mainforum. Der in kühlem Rotbraun gehaltene Wohn- und Geschäftskomplex steht mit einem Wert von 150 Millionen Euro in den Büchern. Angesichts eines Vermietungsstandes von 97 Prozent gebe es bei der Bewertung aber eine „ordentliche stille Reserve“, heißt es intern. Untermieter der IG Metall auf den rund 30.000 Quadratmeter Bürofläche ist unter anderem die Fluglinie Iberia.

Um das Immobilienvermögen weiter zu mehren, will die IG Metall nun an mehreren Standorten sogenannte Gewerkschaftshäuser bauen oder kaufen, in denen sich andere Gewerkschaften und der DGB einmieten können. 2012 sind Projekte in Essen, Münster, Freiburg, Landshut und Heidenheim geplant.

Zudem steckt die Gewerkschaft derzeit Millionensummen in ihre sieben Bildungsstätten, um Marktanteile im boomenden Weiterbildungsmarkt auszubauen. Auf ihrer Homepage feiert sich die Gewerkschaft bereits als „größte nicht-staatliche Bildungseinrichtung“ Deutschlands. „Wir wollen unsere Bildungsstätten auf Drei- bis Vier-Sterne-Niveau heben“, sagt Finanzchef Eichler. Allein 33 Millionen Euro sind in den Neubau des zentralen Bildungszentrums in Sprockhövel am Rande des Ruhrgebiets geflossen, ein opulenter Bau inmitten der Natur, mit Sonnenterrassen und schickem Wellnessbereich. Eichler: „Wir müssen es schaffen, die eigenen Funktionäre wieder verstärkt in unsere Schulungshäuser zu holen.“

Der Hintergrund ist weniger ideologischer als ökonomischer Natur: Die Schulung von Betriebsräten und Funktionären ist ein hart umkämpfter Markt, auf dem sich immer mehr private Anbieter tummeln, etwa auf Arbeitsrecht spezialisierte Anwaltskanzleien. Und da Betriebsräte-Seminare in der Regel der Arbeitgeber zahlt, haben diese Veranstaltungen regen Zulauf.

Gemeinsam mit den Metallarbeitgebern betreibt die IG Metall das Versorgungswerk MetallRente, zuständig für die Metall- und Elektroindustrie, die Stahlindustrie sowie die Branchen Textil, Holz und Kunststoff. Das Versorgungswerk hat seit 2001 über 420.000 Verträge abgeschlossen und kann laut Geschäftsführer Heribert Karch 2011 „auf das beste Ergebnis seit Gründung verweisen“.

Zu guter Letzt gibt es auch noch eine Servicegesellschaft, die die Mitglieder mit Rabatten bei Laune hält und Unterstützungsleistungen abwickelt. Metallern winken unter anderem ein Gratismitgliedsjahr beim Pannenhilfsdienst ACE, verbilligte Musical-Tickets und 35 Prozent Rabatt im Legoland. Eifrige Mitgliederwerber können Fernseher, Laptops und DVD-Player abgreifen. Hinzu kommen Kooperationen mit Unternehmen, etwa dem Privatversicherer Ergo Direkt und dem Stromanbieter Entega, denen die IG Metall über Sonderkonditionen Kunden zuschanzt.

Attacke aufs Handwerk

Trotz alledem steht die IG Metall strukturell noch immer nicht so stark da, wie es ihre Funktionäre gerne hätten. Die Gewerkschaft ist überaltert und nur jeder zehnte Beitragszahler jünger als 27 Jahre – womit man in der IG Metall offiziell noch zur „Jugend“ zählt. Jedes fünfte Mitglied ist ein Rentner, der Frauenanteil liegt seit Jahren bei trostlosen 18 Prozent. Und noch immer gibt es Branchen, in denen die IG Metall nur schwer einen Fuß in die Tür kriegt. Dazu zählen etwa die Wind- und Solarindustrie oder die Zeitarbeit. Auch im Handwerk liegt der Organisationsgrad nur bei rund zehn Prozent.

2012 sollen aber auch diese Bastionen genommen werden. Derzeit sammeln IG-Metall-Funktionäre bundesweit Firmendaten aus größeren Handwerksbetrieben ohne Betriebsrat, um dort die Wahl von Mitarbeitervertretungen zu initiieren. Betriebsräte sind traditionell das wichtigste Einfallstor für Gewerkschaften in ein Unternehmen. Auch der aggressive Dauerbeschuss der Zeitarbeitsbranche durch die IG Metall zeigt erste Wirkung: Von den rund 300.000 Zeitarbeitern der Metallindustrie haben mittlerweile gut 36 000 einen Mitgliedsantrag unterschrieben – rund 68 Prozent mehr als im Vorjahr.

Akademiker ins Boot holen

Erklärtes Ziel der IG Metall für 2012 ist es außerdem, an Studenten und Akademiker heranzukommen, die sich vom Kampfgeschrei einer Gewerkschaft eher abgeschreckt fühlen. „Für hoch qualifizierte Angestellte, etwa Ingenieure, waren wir früher weniger attraktiv. Das lag sicher auch an der Art und Weise, wie wir sie angesprochen haben“, gesteht Metaller Burkhard. Allein für eine stärkere Präsenz an den Hochschulen gibt die Gewerkschaft nun in den kommenden vier Jahren 4,3 Millionen Euro aus.

Seit Anfang des Jahres laufen Vorbereitungen, um in 17 Universitäten eigene IG-Metall-Büros aufzubauen, unter anderem in Hamburg, Hannover, Berlin, Darmstadt, Karlsruhe und Nürnberg. Die Dependancen sollen die IG Metall als eine Art ADAC für die Arbeitswelt verkaufen und diverse Beratungsdienste anbieten.

Für Wirtschaft und Politik wirft die Renaissance der IG Metall allerdings einige unbequeme Fragen auf. Drohen den Unternehmen nun auf Dauer massive Verteilungskonflikte? Kann es gut sein, wenn eine Gewerkschaft mit ihren diversen Regulierungswünschen auf offene Ohren an höchster Stelle stößt, während Positionspapiere der Wirtschaftsverbände in ministerialen Schubladen verstauben? Fakt ist, dass der Einfluss der IG Metall auf die Regierungspolitik mittlerweile höher ist als noch zu rot-grünen Regierungszeiten. „Wenn man ,IG Metall‘ ruft, gehen in Berlin alle Türen auf“, sagt ein ehemaliger Lobbyist der Gewerkschaft.

Nächste Kampagne schon in Planung

Gleichzeitig spricht vieles dafür, dass die IG Metall künftig nicht nur über die herkömmliche Mitbestimmung, sondern auch via Tarifpolitik ihren Einfluss auf die Geschäftspolitik der Unternehmen erhöhen will. Es passt ins Bild, dass sich die Gewerkschaft in der aktuellen Tarifrunde in die Personalpolitik einmischt, eine Übernahmepflicht für Azubis und ein Vetorecht von Betriebsräten gegen den Einsatz von Zeitarbeitern fordert. Und die nächste Kampagne ist schon in Planung: Die Gewerkschaft will den Einsatz von Werkverträgen in den Unternehmen eindämmen. „Die Frage der Fertigungstiefe in der Industrie wird das nächste Megathema für die IG Metall. Darauf können sich die Arbeitgeber schon mal einstellen“, kündigt Vize-Chef Wetzel an.

Trotz alledem geben sich die Arbeitgeber noch überraschend zahm. Die steigenden Mitgliederzahlen der IG Metall bewertet selbst Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser als „positiv“. Um die Gewerkschafter im eigenen Haus milde zu stimmen, etwa bei Umstrukturierungsmaßnahmen, gewähren manche Unternehmen IG-Metall-Mitgliedern mittlerweile sogar zusätzliche Geld- und Sachleistungen, die nicht organisierten Arbeitnehmern vorenthalten bleiben. Über 200 solcher Bonustarifverträge gibt es bereits. Bei einem Bochumer Stahlbetrieb etwa erhielten Gewerkschaftsmitglieder eine Jahressonderzahlung in Höhe eines Monatslohns, bei einem Maschinenbauer in Gummersbach gab es 5000 Euro zum Ausgleich für eine Arbeitszeitverlängerung.

Keine Unternehmerfresser

Sicher: Die Gewerkschaft agierte während der Wirtschaftskrise pragmatisch, akzeptierte eine Nullrunde sowie einen langlaufenden Tarifvertrag. Huber, sein Vize Wetzel und die wichtigsten Bezirksfürsten Oliver Burkhard (NRW), Jörg Hofmann (Baden-Württemberg) und Armin Schild (Hessen) sind alle keine Unternehmerfresser; der Flächentarif wurde zudem in den vergangenen Jahren spürbar flexibilisiert. „Die Macht und der politische Einfluss der IG Metall sind gestiegen. Allerdings geht die Gewerkschaft damit bislang verantwortungsbewusst um“, lobt der Wirtschaftsweise Wolfgang Franz. Die Tarifabschlüsse der vergangenen Jahre seien „alles in allem ökonomisch vertretbar“ gewesen.

Doch wird das so bleiben? Angesichts der fortschreitenden internationalen Vernetzung und Just-in-time-Produktion kann die IG Metall mit geringem Aufwand maximalen wirtschaftlichen Schaden anrichten. „Das Kampfgleichgewicht bei Tarifverhandlungen hat sich zugunsten der Gewerkschaften verschoben. Kaum ein global agierendes Unternehmen kann sich heute noch einen Streik leisten“, sagt Franz.

In der aktuellen Metall-Tarifrunde dürfte bereits – mindestens – eine Vier vor dem Komma stehen, erst recht, nachdem die Kollegen von Verdi im öffentlichen Dienst 6,3 Prozent (auf zwei Jahre) herausgeholt haben. Auch der Lohntrend in den kommenden Jahren zeigt steil nach oben. „Wir erleben derzeit einen fundamentalen Wechsel in der deutschen Lohnpolitik. Die Ära der Zurückhaltung ist definitiv vorbei“, warnt Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank. Die Tarifentgelte in Deutschland dürften nun „über Jahre hinweg stärker steigen als im Durchschnitt der Euro-Zone“.

Vielleicht profitieren davon ja auch irgendwann die Mitarbeiter der IG Metall: Die Lohnzuwächse, die ihnen ihr Vorstand genehmigt, waren zuletzt eher kärglich. Die letzte Erhöhung – 2,0 Prozent – gab es im August 2010.
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BeitragVerfasst: 02.05.2012, 10:44 
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sehr interessant ;)
ich dachte die IGM Mitarbeiter hängen an der ERA dran?

Auf jeden Fall stößt es mich ganz schön auf dass mal eben um 6,5% gekämpft wird, die man sich verdient hat... Dieses Jammern auf hohem Niveau kotzt mich echt langsam an.

Und nach 3 Wochen "Verhandlungsmarathon" kommen sie dann alle Sonntags nachts 2 Uhr vor die Presse und umarmen sich. The same procedure...

Für mich käme ERA4 oder ERA5 in Betracht, doch wenn man hier im "Großraum Ostdeutschland" sieht was die AG so "anbieten" und für welches Geld manche arbeiten gehen (müssen) liest sich doch die aktuelle Gewerkschaftszeitung wie Hohn. hier sind mehr als 40% weniger nicht die Ausnahme sondern die Realität.

Am WE war ich bei einem Schulkamerad in der Lausitz, er ist Tischlermeister, aber sein Chef jammert rum dass ihm die Facharbeiter weglaufen, bei 7,50€/h ist das nicht verwunderlich. Da wundert mich auch nicht dass man Aufträge im fernen Berlin bekommt und zur Entlohnung der MA noch Geld für Auslöse, Fahrtkosten etc. in der Kalkulation ist.
Ein anderer ist Schuhmachermeister, er zahlt seinem Gesellen Tarif, das ehrt ihn, aber selbiger ist 8,xx€, bei ERA5 (Facharbeiterlohn) IGM Tarif gehts ums doppelte.

Die IGM würde gut daran tun noch mehr für faire Bedingungen zu tun als laufend an der Geldschraube zu drehen.


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BeitragVerfasst: 17.05.2012, 09:58 
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Hallo ib, genaugenommen bestätigt Deine Beschreibung aus dem Osten Wetzels Aussage „Gut organisierte Belegschaften haben gute Tarifverträge – und schlecht organisierte schlechte“. Wo gibt es denn im Osten gut organisierte Belegschaften? Außer den Lokführern fallen mir keine anderen Berufsgruppen ein. Nur die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes, der Banken und Versicherungen verdienen vergleichsweise gut, obwohl auch sie keinen hohen Organisationsgrad vorweisen können.


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BeitragVerfasst: 17.05.2012, 14:02 
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ja, das ist leider so, die gewerkschaften tun auch viel dafür dass die Schere immer größer wird.

als ich vorgestern mit dem Rad durch Berlin fuhr verdankte ich der IGM eine freie Spur, denn die Polizei begleitete den Autocorso der OTIS Mitarbeiter durch die Stadt, welche natürlich auch für 6,5% mehr Lohn protestieren und entsprechende Fahnen in den Wind hielten.
Schön wenn man diesen Autocorso zum einen mit dem Dienstwagen macht bzw. machen kann, am Hungertuch nagten die MA bisher bestimmt nicht.

edit: noch einer: meine Tochter macht ne kfm. Ausbildung bei der Tanke, die hat jetzt einen neuen Pächter. Die festangestellten MA bekommen jetzt neue Verträge über 6,00€ ( in Worten: SECHS EURO) die Stunde. Ob das die OTIS Aussendienstler wissen wenn sie dort mit der Firmencard volltanken?


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BeitragVerfasst: 17.05.2012, 16:43 
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ib hat geschrieben:
als ich vorgestern mit dem Rad durch Berlin fuhr verdankte ich der IGM eine freie Spur, denn die Polizei begleitete den Autocorso der OTIS Mitarbeiter durch die Stadt, welche natürlich auch für 6,5% mehr Lohn protestieren und entsprechende Fahnen in den Wind hielten.
Schön wenn man diesen Autocorso zum einen mit dem Dienstwagen macht bzw. machen kann, am Hungertuch nagten die MA bisher bestimmt nicht.

Ach so, das wußte ich nicht, daß man erst mehr Lohn fordern darf, wenn man schon hungert.

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„Es gibt kein gutmütigeres, aber auch kein leichtgläubigeres Volk als das deutsche. Keine Lüge kann grob genug ersonnen werden, die Deutschen glauben sie. [...]” (Napoleon)


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BeitragVerfasst: 17.05.2012, 20:10 
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Zitat:
die hat jetzt einen neuen Pächter. Die festangestellten MA bekommen jetzt neue Verträge über 6,00€


Nur mal so am Rande, bei einem Betriebsübergang besteht grundsätzliche keine Notwendigkeit neue Verträge zu unterschreiben.


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BeitragVerfasst: 17.05.2012, 20:52 
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Wenn ich mir den ersten Post "Die unheimliche Macht der IG Metall" mal so durchlese, könnt ich K.....n,

Ende der 90er war ich auf dem IGM-Lehrgang BR1 mit allen damalig Anwesenden der selben Meinung, das "Soetwas gar nciht geht" (sprich: nicht sein oder möglich sein dürfte)
es ging um meinen damaligen Arbeitgeber, den Betriebsrat und die AUB, genauer deren Vorsitzenden.
Den Betriebsrat gab es in der damaligen Firma noch nicht solange und er wurde von Anfang an kostenlos von der AUB geschult.
Ein gewisser Herr Schelsky, damaliger Vorsitzender der AUB, hat den BR damals beraten, das aufstössige daran war, das jener Herr Schelsky zu diesem Zeitpunkt Stellvertreter der Mehrheit der Anteilseigner des selben Unternehmens war.

Ohhh wie verwerflich, hieß es damals Seitens der IGM und auch von mir.
Ich halte es immer noch für verwerflich....

und jetzt das....

_________________
Wer hat behauptete das faire Leiharbeit fair für Leiharbeiter sei???
Schmerztabletten nimmt man ja auch nicht für, sondern gegen Schmerzen


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BeitragVerfasst: 17.05.2012, 21:46 
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Hallo
ib hat geschrieben:

edit: noch einer: meine Tochter macht ne kfm. Ausbildung bei der Tanke, die hat jetzt einen neuen Pächter. Die festangestellten MA bekommen jetzt neue Verträge über 6,00€ ( in Worten: SECHS EURO) die Stunde. Ob das die OTIS Aussendienstler wissen wenn sie dort mit der Firmencard volltanken?



Die Verträge haben Bestandschutz also gibt es keinen Grund für neue Verträge

Whrt euch dagegen

Gruß Uwe


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BeitragVerfasst: 18.05.2012, 09:56 
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ja, ich weiß hab ich ihr auch gesagt. Sie als Azubi betrifft das ja nicht und der Lehrvertrag bleibt unverändert ;)

Schimmelreiter hat geschrieben:
Ach so, das wußte ich nicht, daß man erst mehr Lohn fordern darf, wenn man schon hungert.


das steht doch nirgends, oder?

Aber wenns mir finanziell und arbeitstechnisch gut geht und ich von meinem Geld 30 Tage Urlaub in Übersee machen kann dann muss ich nicht nach mehr Geld schreien, oder? ;)


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BeitragVerfasst: 18.05.2012, 11:10 
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hart dabei finde ich das der Erfolg der Unternehmen, von dem die IGM einen Teil abhaben möchte, zum großen Teil auf dem Buckel der nichteigenen Belegschaft erwirtschaftet wurde
Die dann ganz nebenbei GAR NICHTS davon haben.
Und gerade unter diesem Gesichtspunkt stimme ich ib zu

Als Beispiel hier mein Beitrag zur Betriebsversammlung Anfang 2009 Firma XXXXX
Leihluffel hat geschrieben:
Firma XXXXX hat im 4. Quartal 2008 der weltweiten Krise getrotzt und mit einem Umsatz- und Ergebnisplus positiv überrascht.
-Das Geheimnis des Erfolgs

Stolze 2,13 Euro Dividende je Aktie bei einem Kurswert von ca. 33 Euro konnten die Aktionäre bei der Hauptversammlung der Firma XXXXX AG beschließen und sich damit den verdienten Lohn für ein weiteres Jahr harter Arbeit unter stetiger Erfolgssteigerung genehmigen. Da werden sich auch die Vorstands- und Aufsichtratsmitglieder freuen, die sich noch im Dezember mit Aktienstückzahlen zwischen 400 und 6.000 im Rahmen des Aktien-Optionsprogrammes eindeckten.
Doch will man wissen, wer diesen Erfolg erarbeitet hat, so sollte man den Stammsitz einmal nicht durch den Triumphbogen und den Haupteingang betreten sondern durch den Lieferanteneingang E1. Hier sind auf dezentem Hinweisschild die Firmen Start, Randstad und Piening aufgelistet, die mit Ihren Leiharbeitnehmern die Garanten des Erfolgs sind. Sie überlassen AÜG-Kräfte in so starker Personalzahl an Firma XXXXX, dass diese Personalverleiher gleich Ihr Personalbüro in den Räumen der Firma XXXXX angesiedelt haben. Um die Quote von nicht mehr als 30% Leiharbeitern in der Produktion einzuhalten, werden bestimmte Produktionsgänge einfach per „Werkvertrag“ an Personalverleiher übertragen.

Dieses sollte man wissen, um den in der Überschrift zitierten Artikel zu dem Pressegespräch mit dpa-AFX vom 19.01.09 richtig lesen zu können.
„Wir haben eine Fertigung, die wir sehr gut atmen lassen können“ sagt der Vorstansvorsitzende in dem Gespräch. Wenn die Firma ausatmet, gehen Hunderte von Leiharbeitnehmern nach Haus. „Kurzarbeit sei aktuell nicht geplant“ – logisch: erstens arbeitet kaum noch ein XXXXler in der Fertigung und ansonsten wird geatmet.
Und wie das „Zurückholen von Geschäft, das bisher bei Unterlieferanten lag“ funktioniert, wissen die AÜG´s die, gerade eingestellt, wieder von Thyssen-Krupp nach Hause geschickt werden, weil Firma XXXXX zurück ruft.

Fazit: Erfolgreich am Markt agieren und hohe Dividenden zahlen kann man dann, wenn man die Produktion nicht mehr durch nach IG-Metall-Tarif bezahlte Arbeitnehmer ausführen lässt, sondern durch Leiharbeitnehmer, die oftmals so wenig Geld erhalten, dass diese um Ihre Familie ernähren zu können trotz Vollzeitarbeit Hartz-IV in Anspruch nehmen müssen. Das heißt: wir alle subventionieren die Produktion von High-Tech-Produkten „Made in Germany“.
Ob der Vorstansvorsitzende in seiner Rede vor der Hauptversammlung als wesentliche Erfolgsprinzipien diese Mitarbeiter als hoch motiviert meint?

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BeitragVerfasst: 19.05.2012, 14:45 
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Hallo an alle!
Hier kommt der Schlag ins Gesicht!

19.05.2012 Tarifabschluß
3. Mitbestimmung macht Leiharbeit fair

Die IG Metall will Leiharbeit auf das beschränken, wofür sie einmal gedacht war: Produktionsspitzen abzufangen. Das Tarifergebnis geht einen großen Schritt in diese Richtung. Es gelten künftig tarifvertraglich festgelegte Grundregeln für den Einsatz von Leiharbeit. Die Entgelt- und Arbeitsbedingungen der Stammbeschäftigten dürfen nicht beeinträchtigt, Arbeitsplätze dürfen nicht gefährdet werden.
Der Einsatz bedarf der Zustimmung des Betriebsrats. Er darf darüber hinaus nur vorübergehend sein. Der Tarifvertrag legt die Kriterien hierfür fest. Unter anderem ist der Einsatz zulässig, wenn im Betrieb spezielle Qualifikationen fehlen oder kranke Beschäftigte vertreten werden müssen. Oder wenn es gilt, Auftragsspitzen abzuarbeiten.


Diese grundsätzlichen Regelungen gelten flächendeckend. Zusätzlich ermöglicht der Tarifvertrag den Abschluss freiwilliger Betriebsvereinbarungen. In ihrem Rahmen sind Regelungen zum Einsatz von Leiharbeit und zur betrieblichen Flexibilität möglich. Regelungspunkte können Einsatzzwecke, Einsatzbereiche und Volumen von Leiharbeit sein, außerdem die Höhe der Vergütung für Leiharbeiter sowie Einsatzhöchstdauer und Übernahmeregeln.


Im Rahmen der Betriebsvereinbarung kann in Sachen Flexibilität vereinbart werden, die Quote der Beschäftigten, die 40 Stunden in der Woche arbeiten, um 12 Prozentpunkte von jetzt 18 auf 30 Prozent auszuweiten. Wird das vereinbart, sind im gleichen Umfang 30-Stunden-Verträge zu ermöglichen. Ausgestaltet als eine verkürzte Vollzeit mit Rückkehrrecht.


Gibt es in einem Betrieb keine Betriebsvereinbarung zur Leiharbeit, dann wird künftig schon nach 18 Monaten überprüft, ob der Leiharbeiter übernommen wird. Nach 24 Monaten Beschäftigung ist Übernahme Pflicht.

Wie geht's weiter?
Besondere Bedeutung komme jetzt den Betriebsparteien zu, so Helga Schwitzer. Die Betriebsräte hätten jetzt bei den Vereinbarungen zu Leiharbeit und Ausbildungsplätzen mehr Rechte und Handlungsmöglichkeiten. Jetzt gelte es, die getroffenen Vereinbarungen zügig umzusetzen. Das betreffe vor allem auch die Leiharbeitgeber. "Wir fordern sie auf, mit uns zügig in Verhandlungen zu treten", sagte Schwitzer.


Am Montag will sich die IG Metall mit den Zeitarbeitsverbänden BAB und IGZ treffen, um weiter über faire Bedingungen für Leiharbeiter zu verhandeln.

Gruß Dita


Zuletzt geändert von Dita am 26.05.2012, 16:48, insgesamt 1-mal geändert.

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BeitragVerfasst: 19.05.2012, 16:43 
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Nun Ja,

Dann ist Leiharbeit wieder das wofür es ursprünglich mal gedacht war. Obwohl dieser Passus: "Gibt es in einem Betrieb keine Betriebsvereinbarung zur Leiharbeit, dann wird künftig schon nach 18 Monaten überprüft, ob der Leiharbeiter übernommen wird. Nach 24 Monaten Beschäftigung ist Übernahme Pflicht." schon wieder m. A. n. sehr großtügig zu Gunsten der Entleiher ausgelegt ist.

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"Die Welt hat genug für jedermanns Bedürfnisse, aber nicht für jedermanns Gier."

- Mahatma Gandhi (indischer Politiker (1869-1948))


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BeitragVerfasst: 19.05.2012, 16:57 
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jobber hat geschrieben:
Nun Ja,

Dann ist Leiharbeit wieder das wofür es ursprünglich mal gedacht war.


nur nicht mehr oder besser noch nicht wieder so bezahlt wie sie es vor den TVs in der ZeitArbeit waren.


Jetzt fehlt nur noch das Leiharbeiter FAIR bezahlt werden, aber davon lese ich hier nichts.
finds auch komisch das jetzt das was per Gesetz geändert wurde versucht wird über TV zu korrigieren.
Denke Gesetze sind weitreichender als son TV...
Denke TVs zu umgehen ist vielleicht ein wenig einfacher als das per Gesetz der Fall wäre.
(Vor allem wenn sie so schwammig sind wie der von BZA)

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BeitragVerfasst: 19.05.2012, 17:17 
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jobber hat geschrieben:
Dann ist Leiharbeit wieder das wofür es ursprünglich mal gedacht war. Obwohl dieser Passus: "Gibt es in einem Betrieb keine Betriebsvereinbarung zur Leiharbeit, dann wird künftig schon nach 18 Monaten überprüft, ob der Leiharbeiter übernommen wird. Nach 24 Monaten Beschäftigung ist Übernahme Pflicht." schon wieder m. A. n. sehr großtügig zu Gunsten der Entleiher ausgelegt ist.

Richtig.
Dieser Zeitraum ist wohl nicht nur in meinen Augen nicht als angemessen zu bezeichnen.

Je länger der Zeitraum, desto niedriger hängt die Latte für eine wirksame Umgehung durch Unterbrechung. Wie die Entwicklung der Beschäftigtenzahlen in der Sklaverei gezeigt hat, liegt die maximale Überlassungsdauer, bei der eine Abwendung der Einstellung noch nicht attraktiv ist, unter 1 Jahr.

Besonders in der M+E-Industrie ist doch jetzt schon klar, daß vielleicht ein kleiner Teil davon profitieren, der weitaus größere aber leiden wird. Viele werden in Werkverträge abgeschoben werden, die anderen wird man einfach nach 17,5 Monaten für drei Monate abmelden.
Die Kombination sehe ich schon vor mir: Das Montieren der Türgriffe lagert man an einen Pseudo-Zulieferer aus und alle 17,5 Monate tauschen der Türgriffmonteur und der Türmonteur den Arbeitsplatz.

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„Es gibt kein gutmütigeres, aber auch kein leichtgläubigeres Volk als das deutsche. Keine Lüge kann grob genug ersonnen werden, die Deutschen glauben sie. [...]” (Napoleon)


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BeitragVerfasst: 19.05.2012, 22:37 
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Hey wie wäre es denn wenn man als Leiharbeiter zu Anfang den selben reduzierten Lohn bekommt wie ein Festangestellter,
ach nein, die haben ja keine Einarbeitung und gleich vollen Lohn.
(Leiharbeiter sind ja auch dü...r)

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BeitragVerfasst: 07.06.2012, 16:14 
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Hallo an alle!
Bitte auf der Zunge zergehen lassen.
Jetzt haben wir Leiharbeiter erster und sonstiger Klasse dank der
IG-Metall.
Tarifabschluss mit Zeitarbeitsverbänden: Leihbeschäftigte bekommen BranchenzuschlägeDie IG Metall ist dem Ziel "gleiches Geld für gleiche Arbeit" in der vergangenen Nacht ein großes Stück näher gerückt. Leiharbeitnehmer bekommen in Zukunft deutlich mehr Geld, wenn sie in der Metall- und Elektroindustrie arbeiten. Darauf einigten sich die IG Metall und die Verbände der Leiharbeitsbranche in der vierten Tarifverhandlung in Frankfurt.
Mehr Gerechtigkeit war ein wichtiges Ziel in dieser Tarifrunde. Jetzt ist die IG Metall wieder ein ganzes Stück vorangekommen. Leiharbeitnehmer bekommen in Zukunft mit dem jetzt vereinbarten Branchenzuschlag mehr Geld, wenn sie in Betrieben der Metall- und Elektroindustrie eingesetzt sind. Im Laufe eines Einsatzes steigt der Zuschlag in allen Entgeltgruppen stufenweise von 15 auf 50 Prozent. Für einen Facharbeiter sind das zwischen 246 und 819 Euro mehr pro Monat. Ebenfalls geregelt: Der Tarifvertrag sichert den Leihbeschäftigten alle Ansprüche aus betrieblichen Regelungen im Entleihbetrieb. Diese Vereinbarungen galten bislang zwischen Betriebsrat und Arbeitgeber. Mit dem neuen Tarifvertrag bekommen Leiharbeitnehmer einen eigenen Rechtsanspruch auf diese Besser-Vereinbarungen.

Helga Schwitzer wertete das Ergebnis als einen wichtigen Schritt hin zur fairen Bezahlung von Leihbeschäftigten. "Die Tarifvertragsparteien haben einen zentralen Beitrag zu mehr Fairness in der Leiharbeit geleistet, erklärte das geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall und Verhandlungsführerin in Frankfurt. Schwitzer empfiehlt den bundesweit ersten Tarifvertrag über Branchenzuschläge in der Leiharbeit als Vorbild für andere Branchen.


Zuschlag in fünf Stufen
Der Tarifvertrag, den die IG Metall mit dem Bundesverband der Personaldienstleister (BAP) und dem Interessenverband Deutscher Zeitarbeitsunternehmen (IGZ) abgeschlossen hat, tritt am 1. November 2012 in Kraft und ist erstmals zum 31. Dezember 2017 kündbar. Ab Inkrafttreten erhalten Leiharbeitnehmer nach sechs Wochen Einsatzdauer 15 Prozent Branchenzuschlag, nach drei Monaten 20 Prozent, nach fünf Monaten 30 Prozent, nach sieben Monaten 45 Prozent und nach weiteren zwei Monaten 50 Prozent. Der Branchenzuschlag berechnet sich auf Basis der DGB-Tarifverträge mit BZA und IGZ. Leiharbeitnehmer erhalten den Branchenzuschlag auch, wenn sie in nicht tarifgebundenen Metall- und Elektrounternehmen arbeiten.


Zweimal mehr Geld
Für Leiharbeiter gibt es damit im November dieses Jahres gleich zweimal mehr Geld. Denn am 1. November steigen auch die Tarifentgelte der DGB-Tarifverträge mit BZA und IGZ. Danach erhalten Leihbeschäftigte in der obersten Entgeltgruppe im Westen 18,20 Euro pro Stunde statt bislang 17,76 Euro. Im Osten erhöht sich der Stundenlohn dieser Lohngruppe von 15,52 auf 15,91 Euro. Beschäftigte in der mittleren Entgeltgruppe bekommen im Osten 10,68 statt 10,42 Euro und im Westen 12,21 statt 11,92 Euro. In der untersten Entgeltgruppe gib es in Westdeutschland pro Stunde 8,19 statt 7,89 Euro und in Ostdeutschland 7,50 statt 7,01 Euro .


Erfolg der Solidarität
Das Ergebnis ist bereits der zweite Erfolg in wenigen Tagen, den die IG Metall für Leihbeschäftigte erreicht hat. Bereits am Wochenende konnte sie in den Verhandlungen mit den Arbeitgebern der Metall- und Elektroindustrie mehr Mitspracherechte beim Thema Leiharbeit in den Betrieben sichern. Die Arbeitgeber müssen in Zukunft mit dem Betriebsrat darüber verhandeln, wenn sie Leiharbeitnehmer einsetzen wollen. Spätestens nach 24 Monaten müssen die Betriebe den Leiharbeitnehmern einen festen Arbeitsplatz anbieten.

Stamm- und Leihbeschäftigte haben in dieser Tarifrunde gemeinsam viel erreicht. Das Ergebnis ist vor allem ein Erfolg ihrer Solidarität. "Damit haben wir viele Blockaden der Arbeitgeber brechen können", sagte Helga Schwitzer. Sie wollten zunächst die unteren Entgeltgruppen von Branchenzuschlägen ausnehmen und den Branchenzuschlag deutlich niedriger und später einsetzen. Mit dieser Forderung konnten sie sich nicht durchsetzen.
Branchenzuschläge
(Quelle: IGM Infoservice)
Verhandlungen mit Druck - Tariftelegramm April
Von Protesten begleitet war die dritten Verhandlung über Branchenzuschläge für Leihbeschäftigte.

300 Beschäftigte machten auf einer Kundgebung vor dem Verhandlungslokal ihrem Ärger Luft. In der Verhandlung gab es endlich etwas Bewegung. In den wesentlichen Fragen aber liegen die Positionen noch weit auseinander.


Zuletzt geändert von Dita am 09.06.2012, 17:37, insgesamt 2-mal geändert.

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BeitragVerfasst: 07.06.2012, 16:31 
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Liebe IG-Metall,

Eure Unterschrift steht unter den allgemeinen Tarifverträgen mit der BZA/IgZ.D.h. 25% der Leiharbeiter kriegen jetzt mehr Geld und 75% der Leiharbeiter schauen immer noch in die Röhre, weil Ihr die allgemeinen Tarifverträge in der Leiharbeit für so gut haltet und diese ja auch unterschrieben habt.

Danke im Namen der 700.000 nicht in der Metall-und Elektroindustrie beschäftigten Leiharbeiter.
Ein Arsch in der Hose sieht anders aus. Klopft Euch weiter auf die Schultern.

Gruß Dita


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BeitragVerfasst: 09.06.2012, 17:48 
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Hallo an alle!

Antworten: keine auf meine Beiträge

D.H. liebe Gewerkschaftsmitglieder, wessen Brot ich fress
dessen Lied ich pfeif.
Das Beliebigkeitsprinzip der Gewerkschaften , insbesondere der
IG-Metall, ist wieder mal eineindeutig dokumentiert worden.
Der DGB übertrifft euch leider in dieser Hinsicht bei weitem.

Gruß
Dita


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BeitragVerfasst: 10.06.2012, 17:26 
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Hallo Dita,
Zitat:

Liebe IG-Metall,...

...Danke im Namen der 700.000 nicht in der Metall-und Elektroindustrie beschäftigten Leiharbeiter.
Ein Arsch in der Hose sieht anders aus. Klopft Euch weiter auf die Schultern.

Branchenzuschläge kann jede Einzelgewerkschaft nur für ihren Branchenbereich abschließen. Also für die von Dir angeführten 700 000 LAN z.B. in der Chemiebranche oder im Branchenbereich für den Verdi zuständig ist, ist die IGM rechtlich gar nicht befugt Branchenzuschläge abzuschließen.

Am Verhandlungsergebnis der IGM ist jede Menge Kritik berechtigt. Aber Dein Beitrag ist sachlich voll daneben.

Zitat:
Antworten: keine auf meine Beiträge

D.H. liebe Gewerkschaftsmitglieder, wessen Brot ich fress
dessen Lied ich pfeif.

Deinen Beitrag hatte ich schon gelesen aber mich gefragt ob man auf jeden unsachlichen Beitrag gleich antworten soll.

Las Dir mal eine gescheite Kritik am Verhandlungsergebnis einfallen. Nur rummotzen langweilt.

Karl


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BeitragVerfasst: 30.06.2012, 14:26 
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Hallo Karla!

Wenn ich nur rummotzen würde und unsachlich Kritik über würde,
hättest Du nicht geantwortet.
Immer nach dem Motto "betroffenen Hunde bellen".
Ich habe in meinen Beiträgen nur die offizielle Stellung der IGM
dargelegt. Wenn Dir die Strategie der IGM nicht zusagt, ist das nicht meine Sache.
Fakt ist: Die IGM hat alle aktuellen Tarifverträge in der Leiharbeit
unterschrieben und nur für ihr Klientel bei den abgeschlossenen
internen Tarifverträgen Erfolge für die Leiharbeit verbucht.
Damit verschleiert sie nur ihre Verantwortung für die Leiharbeit
insgesamt.Schulterklopfen ist natürlich besser, als das Eingeständ-
nis des eigenen Versagens bei der eigenen Verantwortung als
Einzelgewerkschaft im großen bundesdeutschen Monopoli um
die Leiharbeit.
Solange eine Zustimmung der IGM für die flächendeckenden Tarif-
verträge mit der Leiharbeit vorliegt, ist diese Gewerkschaft für die
Teilung von Leiharbeitern erster und sonstiger Klasse in Deutschland verantwortlich.

Gruß Dita
P.S. Wer hindert die IGM die flächendeckenden Tarifverträge iGZ/
BZA(BAP) sofort zu kündigen?


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BeitragVerfasst: 01.07.2012, 00:09 
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Dita hat geschrieben:
D.H. liebe Gewerkschaftsmitglieder, wessen Brot ich fress dessen Lied ich pfeif.

Meine Leihbude zahlt mir mein Brot, also soll ich ihr Lied pfeifen? Beiträge, also Brotkrümel von Mitgliedern, zahle ich an meine Gewerkschaft, also sollte die Gewerkschaft mein Lied pfeifen!

Dita hat geschrieben:
P.S. Wer hindert die IGM die flächendeckenden Tarifverträge iGZ/BZA(BAP) sofort zu kündigen?

Was machst Du mit der "Nachwirkung von Tarifverträgen"?

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"Wir rekrutieren am Bodensatz des Arbeitsmarkts" (Thomas Bäumer, CEO TUJA & Adecco / Tarifverhandlungsführer VGZ / BDA (Die nehmen aber auch wirklich jeden!) usw.)


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BeitragVerfasst: 02.07.2012, 11:06 
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hilde hat geschrieben:

Dita hat geschrieben:
P.S. Wer hindert die IGM die flächendeckenden Tarifverträge iGZ/BZA(BAP) sofort zu kündigen?

Was machst Du mit der "Nachwirkung von Tarifverträgen"?


Und die Laufzeiten?
Tarife kann man nicht kündigen wann man lustig ist. Verträge sind einzuhalten ob es einem gefällt oder nicht.

_________________
Mit freundlichen Grüßen

Christian Iwanowski

Düsseldorf


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BeitragVerfasst: 02.07.2012, 11:24 
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Zitat:
Und die Laufzeiten?
Tarife kann man nicht kündigen wann man lustig ist. Verträge sind einzuhalten ob es einem gefällt oder nicht.


Unfassbar so eine Antwort. Ehrlich! Dürfen wir das demnächst bis 2017 (!!!) lesen?


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BeitragVerfasst: 02.07.2012, 12:33 
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Hallo Dita,

Zitat:
Gruß Dita
P.S. Wer hindert die IGM die flächendeckenden Tarifverträge iGZ/
BZA(BAP) sofort zu kündigen?

1. Die IGM ist Teil der DGB-TG mit der die flächendeckenden TV abgeschlossen wurden. Die IGM könnte ausscheiden wie das die Transnet vor Jahren gemacht hat. Die Tarife würden aber trotzdem weiter gelten. Bei der IGM durch Nachwirkung.

2. Die DGB-TG kann natürlich wenn sie lustig ist schon heute den Entgelt-TV kündigen. Mit der Kündigung ändert sich aber nichts an der vereinbarten Laufzeit bis Oktober 2013.

Wenn man die Kündigung der flächendeckenden TV ernsthaft ins Auge fassen wollte gäbe es aber schon eine Möglichkeit.

Im § 8.2 des BZA-Entgelt-TV heißt es z.B.: ..Wird das AÜG nach In-Kraft-Treten des Entgelttarifvertrages grundsätzlich geändert, steht beiden Tarifvertragsparteien abweichend von § 8.1 Abs. 2 ein außerordentliches Kündigungsrecht mit Monatsfrist zum Monatsende zu.

Zitat:
Immer nach dem Motto "betroffenen Hunde bellen".
Ich habe in meinen Beiträgen nur die offizielle Stellung der IGM
dargelegt.

Die Strategie der IGM war nach Umfrage unter den bei ihr organisierten LAN in Verhandlungen über Branchenzuschläge einzutreten.
Verdi stand dem skeptisch gegenüber (siehe deren Newsletter Hunderprozentich vom Juni 2012). Die IGBCE hat schon vor der IGM darüber verhandelt. Die NGG verhandelt z.Zt. darüber.
Über die Branchenzuschläge hat es in der DGB-TG nach meinem Wissen keine Vorabklärung gegeben was als unzumutbarer Kompromiß nicht unterschritten werden sollte.
Nur als Beispiel: Kein Abschluß wenn der Branchenzuschlag nicht vom 1.Tag an akzeptiert wird.

Wäre die ZAF-Branche z.B. nicht auf eine solche Forderung eingegangen wäre es zu keinem Branchenzuschlag gekommen. Dann wäre wieder die Politik mit equal-pay am Zuge gewesen. und egal wie gut oder schlecht eine solche gesetzliche Regelung dann ausgefallen wäre, es hätte die tarifvertragliche Möglichkeit eröffnet z.B. den Entgelt - TV mit der ZAF-Branche zu kündigen ohne Einhaltung der Laufzeit.

Verdi setzte mehr auf eine gesetzliche Regelung. Wie sie aber jetzt nach den Abschlüssen von IGM und IGBCE darauf reagieren ist abzuwarten. Vielleicht hat ja Verdi in dieser Richtung Überlegungen angestellt.

Zitat:
... Wenn Dir die Strategie der IGM nicht zusagt, ist das nicht meine Sache.


Wenn Dir die Strategie der IGM egal ist weil Dir sowieso nichts passt, dann belle einfach weiter.

Karl

PS:
Die Sache Branchenzuschläge ist gelaufen. Aber die DGB-TG macht offensichtlich mit den ZAF eine Tarifpolitik ohne eine gemeinsame tarifpolitische Grundlage. Es wäre zum mindesten eine Möglichkeit hier zu versuchen Einfluss zu nehmen. Denn wenn das in der Zukunft so weiter geht, dass jede Einzelgewerkschaft nur noch macht was sie für richtig hält kann die ZAF-Branche sich zufrieden zurücklehnen.


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BeitragVerfasst: 07.07.2012, 08:57 
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Iwanowski hat geschrieben:
hilde hat geschrieben:

Dita hat geschrieben:
P.S. Wer hindert die IGM die flächendeckenden Tarifverträge iGZ/BZA(BAP) sofort zu kündigen?

Was machst Du mit der "Nachwirkung von Tarifverträgen"?


Und die Laufzeiten?
Tarife kann man nicht kündigen wann man lustig ist. Verträge sind einzuhalten ob es einem gefällt oder nicht.



Die Leihtarifverträge waren in 2010 gekündigt!
Bei echten Tarifverträgen folgen einer Kündigung ein Arbeitskampf und mit diesem Druckmittel wird das Kapital zur Rückkehr an den Verhandlungstisch gezwungen. Bei den Leihtarifverträgen haben die DGB-Gewerkschaften ohne sachlichen Grund einen neuen Tarifvertrag abgeschlossen.

Es ist unverständlich, überhaut einen Tarifvertrag abzuschließen und den Fortbestand dann mit der Nachwirkung zu begründen. Es ist unverständlich, warum nicht zumindest der Ausschluss der Nachwirkung vereinbart wurde.

Bei echten Tarifverträgen hat das Kapital durch die Kündigung des Tarifvertrages kurzfristig keinen Kostenvorteil, weil für Gewerkschaftsmitglieder und den Kollegen, bei denen im Arbeitsvertrag Bezug auf den Tarifvertrag genommen wird, die Nachwirkung greift. Erst mittelfristig bei Neueinstellungen hat der Tarifvertrag keine Wirkung mehr.
Bei den unechten Leiharbeitstarifverträgen wird die Leihbude in neuen Arbeitsverträgen trotz Kündigung auf die alten Leihtarifverträge Bezug nehmen.. Ob eine solche Vereinbarung wirksam ist, kann ich nicht beurteilen.

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Der letzte Kampfaufruf http://www.youtube.com/watch?v=88Hh_DqJA5k
Der letzte Arbeitskampf http://www.youtube.com/watch?v=tGdVo6a0Ats


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BeitragVerfasst: 07.07.2012, 09:05 
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karla hat geschrieben:
Branchenzuschläge kann jede Einzelgewerkschaft nur für ihren Branchenbereich abschließen. Also für die von Dir angeführten 700 000 LAN z.B. in der Chemiebranche oder im Branchenbereich für den Verdi zuständig ist, ist die IGM rechtlich gar nicht befugt Branchenzuschläge abzuschließen.


Ohne Leiharbeitstarifvertrag würde equal pay und trade gelten, d.h. jeder Leiharbeiter würde das jeweilige Branchengehalt bekommen. Es ist für mich nicht ersichtlich, warum erst der Branchenlohn verhindert wird und nun mini Branchenzuschläge einzeln ausgehandelt werden sollen.

Die GdP kann keine Branchenzusschläge aushandeln, weil sie meines Wissens immer noch nicht laut Satzung für Leiharbeiter zuständig ist.

Das Aushandeln von Branchenzuschlägen durch die Einzelgewerkschaften in anderen Tarifverträgen ist angesichts einer Tarifbindung von 54% im Westen und 37% im Osten (Quelle: http://doku.iab.de/aktuell/2012/tarifbi ... 6-2011.pdf ) der Falsche weg, weil diese Tarifverträge für einen Großteil der Arbeiterklasse nicht gültig sind.
Branchenzuschläge gehören in die Leihtarifverträge reingekämpft, weil 100% der Leihbuden tarifgebunden sind und fast 100% der Leiharbeiter nicht organisiert sind und damit keinen Rechtsanspruch auf die Leistungen der Branchentarifverträge haben.

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BeitragVerfasst: 07.07.2012, 18:11 
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Karla hat geschieben:
Die Sache Branchenzuschläge ist gelaufen. Aber die DGB-TG macht offensichtlich mit den ZAF eine Tarifpolitik ohne eine gemeinsame tarifpolitische Grundlage. Es wäre zum mindesten eine Möglichkeit hier zu versuchen Einfluss zu nehmen. Denn wenn das in der Zukunft so weiter geht, dass jede Einzelgewerkschaft nur noch macht was sie für richtig hält kann die ZAF-Branche sich zufrieden zurücklehnen.
Hallo Karl,
ich bin 100% Deiner Meinung und das ist auch mein Ausgangspunkt für die Kritik an der IGM-Vorgehensweise.
Man kann sich doch nicht auf die Schulter klopfen, wenn man zwar
für seine GW etwas erreicht hat, aber als eine der mächtigsten
GW im Verbund des DGB nichts(für die Leiharbeit) erreicht.
Übrigens: Kündigt ein Unterzeichner den allgemeinen Vertrag, wird
dieser als Gesamtheit ausgesetzt bzw. ungültig und neue Verhandlungen müssen von DGB aufgenommen werden.
Über die sogenannte Nachwirkung eines Leiharbeitstarifvertrages
hat noch kein deutsches Gericht geurteilt, da der DGB als Gesamt-
heit nicht tariffähig ist.(Gesetzeslage)
Karl ,
ich habe mich über Deine letzten sachlichen Beiträge sehr gefreut.
Gruß
Dieter


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