ZeitarbeiterInnen - Ohne Organisation Machtlos

Ein Forum der IG Metall
Aktuelle Zeit: 26.01.2020, 22:20

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde




Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 3 Beiträge ] 
Autor Nachricht
BeitragVerfasst: 14.01.2007, 12:03 
Offline

Registriert: 23.02.2005, 17:52
Beiträge: 1165
Herr Dombre vom DGB zu den Fehlern der Tarifpolittik des DGB in Bezug auf die Zeitarbeitsbranche:
http://www.berlinonline.de/berliner-zei ... 19894.html

"..Die Entwicklung ist zum Teil Besorgnis erregend. Wir sehen, dass billige Zeitarbeiter in den Unternehmen immer häufiger Stammkräfte verdrängen. Auf Dauer wird dies das gesamte Tarifgefüge in Industrie, Handwerk und Dienstleistungen kaputt machen. In vielen Betrieben gibt es längst eine Zwei-Klassen-Gesellschaft: Hier die Kernbelegschaft, die den Branchentarifverträgen unterliegt und zum Beispiel Zugang zur Qualifizierung hat. Und da die wachsende Zahl derer, die im Dienste von Zeitarbeitsfirmen stehen, deutlich weniger verdienen und von denen sich die Entleihbetriebe jederzeit geräuschlos trennen können..."

Für dieses Ergebnis, das es schon vor den Tarifverträgen gab, braucht niemand viel Fantasie, denn ein Unternehmer versucht immer seinen Profit zu maximieren, gerade wenn es sich um Kapitalgesellschaften handelt, in denen viele LAN beschäftigt sind!

"Wir haben 2003 aber gehofft, dass Zeitarbeit weiterhin vor allem als Instrument genutzt wird, um auf unvorhersehbare Personalengpässe zu reagieren."

Dazu muss man schon sehr naiv sein oder es hatte einen anderen Grund, da die Zeitarbeit das Herzstück der Agenda 2010 ist.
Wie verbandelt die Gewerkschaften mit der SPD sind, ist ja kein Geheimnis.

"Davon kann oft keine Rede mehr sein. Es gibt Betriebe, in denen inzwischen jeder dritte Beschäftigte Zeitarbeiter ist."

Wer würde als Unternehmer nicht seinen Gewinn dauerhaft erhöhen, wenn dies mit billigeren LAN gesetzlich und tariflich möglich ist?
Das denken des "shareholder value" ist ja weit verbreitet.

"Und deshalb greifen sie auf unseriöse Anbieter zurück, die nicht unsere Tarifverträge, sondern die Schmutz-Tarife der christlichen Gewerkschaften anwenden. Diese unterbieten unsere untersten Entgeltgruppen um bis zu ein Drittel. Zum Teil geht es dann um Stundenlöhne von fünf Euro brutto. Ohne ergänzendes Arbeitslosengeld II kann davon niemand leben."

Offensichtlich kennt Herr Dombre nicht den BZA-TV inklusive des § 8.6 MTV BZA!

http://www.igmetall-zoom.de/tarifvertraege.htm

BZA, EG 1, West = 7,38 Euro/Std. - 25 % (§ 8.6 MTV BZA) = 5,54 Euro/Std.
Im Gegensatz zu 6,34 Euro/Std. bei AMP (ohne Anwendung ener Lohnsubstituierung)
Siehe:
http://www.igmetall-zoom.de/06/07/Tarif ... ch2007.pdf

Auch in ZAF mit DGB-TV müssen LAN auf Grund der Arbeitsbedingungen noch ergänzendes Arbeitslosengeld II beziehen, speziell wenn sie eine Familie versorgen müssen!
Siehe:
http://www.igmetall.de/cps/rde/xchg/SID ... w_3238.htm

"Tatsächlich geht es oft nicht um Flexibilität, sondern ums Drücken des Lohnniveaus und darum, sich Kosten für Aus- und Weiterbildung der Belegschaft zu sparen."

Das ist doch völlig klar und wurde doch mit den TV`s tariflich abgesegnet!

"Grundsätzlich können Betriebsräte, Gewerkschaften und Aufsichtsrats-Mitglieder darauf hinwirken, dass die Beschäftigung von Zeitarbeitern nicht Überhand nimmt oder diese ähnlich wie Stammkräfte bezahlt werden."

Was heißt den "ähnlich"?
Wieder 30-50 % weniger Lohn für LAN?

"Dann können polnische oder tschechische Zeitarbeiter mit Stundenlöhnen von 2,50 Euro nach Deutschland entsandt werden."

Wenn der Vorschlag des Ifo-Instituts Realität wird, dann ist das egal.
Dann gibt es für ZAF fast kostenlose Zwangsarbeiter!

"Die seriösen Zeitarbeitsanbieter sorgen sich um ihren Ruf. Sie haben sich mühsam von ihrem schlechten Image befreit. Wenn die Lohnkonkurrenz in der Branche weitergeht, gilt das Zeitarbeitsgewerbe bald wieder als schmuddelig, so wie das vor 2003 der Fall war."

Das miese Image der Zeitarbeit wird solange in D. bestehen, wie eine gleiche Arbeit unterschiedlich entlohnt wird und das Ifo-Institut zeigt, wie die Zeitarbeit sogar zur Einführung einer modernen Zwangsarbeit benutzt werden könnte.

Hätten die Gewerkschaften und der DGB nicht im Gehorsam zur SPD den Hartz-Reformen (der Agenda 2010) zugestimmt, gäbe es kein tarifliches Lohndumping für LAN mit den Konsequenzen für Stammarbeiter!

Gruß

Jürgen1


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 15.01.2007, 19:57 
Offline

Registriert: 23.02.2005, 17:52
Beiträge: 1165
Zitat:
"DGB: Zeitarbeit führt zur Zwei-Klassen-Gesellschaft ! - Oder: Die Dumping-Lohn-Lüge des DGB ?

Der Zeitarbeitsboom schreckt die DGB-Gewerkschaften auf und führt aktuell zu einer Großkampagne gegen die für den Arbeitsmarkt so wichtige Personaldienstleistungsbranche...."

http://www.personalundwissen.de/news/sh ... wnews=1033

Zitat:
"Zeitarbeit als Premium-Branche mit höheren Tarifen als Kernbelegschaft?
Wollen die DGB-Gewerkschaften mit Ihren Forderungen auf deutlich überhöhte und nicht adäquate Mindestlöhne von über 7,00 Euro die Zeitarbeit zu einer "Premium-Branche" machen und noch mehr Arbeitskräfte von der "billigen" Kernbelegschaft in die "teuere" Zeitarbeit überführen?"

Welche ökonomisch denkende ZAF würde LAN in eine Branche überlassen, in der die Löhne geringer sind, als im eigenen TV und dadurch innerhalb kürzester Zeit in Insolvenz gehen?

Die Realität ist das Gegenteil, da 70 % aller LAN in die Metall- und Elektroindustrie überlassen werden, in der das Lohnniveau wesentlich höher als in ZAF ist!
Das ist ja auch der maßgebliche Grund für die teilweise extrem hohen Reingewinne von einigen ZAF, die es so in der Mehrzahl der EU-Länder nicht gibt, da dort die LAN den gleichen Lohn wie Stammarbeiter bekommen und daher dort wesentlich besser als in deutschen ZAF behandelt werden.

Ein Mindestlohn von 7 Euro/Std. ist generell auch nicht zu hoch, sondern ein Armutslohn in Bezug auf den Durchschnittslohn von 15,19 Euro/Std. (2005) in Deutschland.

Tatsache ist, das 20 von 27 EU-Ländern einen gesetzlichen Mindestlohn haben, die gerade erhöht wurden:
http://www.boeckler.de/cps/rde/xchg/hbs ... 84925.html

Zitat: "..In den meisten westeuropäischen Staaten werden jetzt Mindestlöhne zwischen acht und neun Euro gezahlt.
...
In den westeuropäischen Ländern Großbritannien, Irland, Frankreich und den BeNeLux-Staaten liegt der Mindestlohn mittlerweile knapp unter oder deutlich über 8 Euro pro Stunde, in Luxemburg bei 9,08 Euro.
...
Dazu gehöre auch die rasche Einführung eines Mindestlohnes in Deutschland, der sich am Niveau der westeuropäischen Staaten orientiert, so Schulten: "Deutschland kann hier von seinen Nachbarn lernen: Praktische Erfahrungen und wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass Mindestlöhne Armut verhindern, ohne dass Beschäftigung behindert würde."..."

Auch in den USA sollen die gesetzlichen Mindestlöhne erhöht werden.

Warum sollte es also nicht in D. einen gesetzlichen Mindestlohn geben, der oberhalb der Armutsgrenze (50 % des Durchschnittslohnes = 50 % von 15,19 Euro/Std. = 7,60 Euro/Std.) liegt?

Zitat Herr Bauer:
"..Jetzt soll die Regierung ihnen Schützenhilfe geben.
Das Zeitalter der DGB-Gewerkschaften wird dammit wohl dem Ende zugehen, wie auch die vielen Mitgliederaustritte zeigen, denn wozu braucht man Gewerkschaften, wenn die Regierung dann die Tarifverträge für die Gewerkschaften durchsetzt.
Wie kann man dann noch von Tarifmächtigkeit bzw. Tarifautonomie der Gewerkschaften reden?.."

1. Die Bundesrepublik Deutschland hat sich am 26.02.1965 dazu verpflichtet, den Art.4, Nr.1 der EuSC einzuhalten (BGBl. 1964 II, S.1261), deren Einhaltung bis dato nicht durch einige hundert Tarifvrerträge gewährleistet wird, weshalb die Bundesregierung ein Mindestlohngesetz einführen muss, auch in Bezug auf tariflose Zonen, in denen es überhaupt keine tariflichen Mindestlöhne gibt, aber auch dort der Art.4, Nr.1 EuSC gilt!

2. Ein Mindestlohngesetz ist, wie der Name schon sagt, nur eine untere Grenze der Entlohnung, die jeder Arbeitgeber einhalten muss.

Darüber hinaus sind selbstverständlich auch höhere unterschiedliche Tariflöhne in Branchen möglich, wie die vielen Beispiele in EU-Ländern mit gesetzlichen Mindestlöhnen zeigen.

Selbstverständlich gibt es daher eine Tarifautonomie oberhalb des Mindestlohngesetzes in vielen EU-Ländern mit gesetzlichen Mindestlöhnen.

Der Unterschied zu D. ist, das Gewerkschaften in Ländern mit gesetzlichen Mindestlöhnen keine Tarifverträge bis zur Höhe des Mindestlohnes abschließen müssen, da er gesetzlich (z.B. auf Grund des gültigen Art.4, Nr.1 EuSC) vorgeschrieben ist.

Nach der Auffassung von Herrn Bauer, dürfte es also z.B. in GB, Frankreich, Benelux-Staaten, usw. keine Gewerkschaften mehr geben, was aber nicht der Fall ist, da ein Mindestlohngesetz eben nur eine gesetzliche Lohnuntergrenze ist, die Herr Bauer (wie die Union, der AMP und die christlichen Gewerkschaften) offensichtlich nicht möchte.

Natürlich haben auch LAN einen Anspruch auf einen existenzsichernden Lohn, der mit einer Höhe unterhalb der Armutsgrenze nicht gewährleistet ist, auch wenn Herr Bauer das nicht einsieht, da er offensichtlich einen Lohn von über 7 Euro/Std. (für andere) als zu hoch betrachtet.

Zur Info für Herrn Bauer:
http://www.igmetall.de/cps/rde/xchg/SID ... w_3238.htm

Gibt es in Zukunft keinen existenzsichernden gesetzlichen Mindestlohn in D. und steigen die Kosten auf über 30-40 Mrd. Euro/a ab 2007 (siehe z.B. vermurkste Gesundheitsreform neben der Erhöhung der Mehrwertsteuer, usw.), dann werden in Zukunft weit über 50 % aller LAN in D. als arbeitende Sozialhilfeempfänger vegetieren müssen, da sie zum nicht-existenzsichernden Nettolohn (also für einen höheren Reingewinn der ZAF), noch ergänzendes Arbeitslosengeld II beantragen müssen!

Soll so die Zukunft der LAN in D. aussehen?
Arbeitende Sozialhilfeempfänger für höhere Reingewinne von ZAF?

Gruß

Jürgen1


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Diskussion in NRW
BeitragVerfasst: 12.02.2007, 21:56 
Offline
Administrator

Registriert: 27.12.2004, 14:20
Beiträge: 2711
Wohnort: Augsburg
aus FAZ-Net:

http://www.faz.net/s/Rub6B15D93102534C7 ... ntent.html

Die Zwei-Klassen-Gesellschaft kenne ich auch aus Augsburg. Und nicht nur aus einem Großbetrieb.

Aus einem Großbetrieb kenne ich sogar eine Drei-Klassengesellschaft:

1. Klasse: 600 Stammarbeiter
2. Klasse: 400 LAN deren Zahl das ganze Jahr über nicht unterschreitet.
3. Klasse: 250 LAN zusätzlich für die Auftragsschwankungen.

Karl


Nach oben
 Profil  
 
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:  Sortiere nach  
Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 3 Beiträge ] 

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde


Du darfst keine neuen Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst keine Antworten zu Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht ändern.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du darfst keine Dateianhänge in diesem Forum erstellen.

Suche nach:
Gehe zu:  
Powered by phpBB® Forum Software © phpBB Group
Deutsche Übersetzung durch phpBB.de