ZeitarbeiterInnen - Ohne Organisation Machtlos

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 Betreff des Beitrags: Abschaffung des AÜG?
BeitragVerfasst: 16.11.2005, 12:00 
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Zitat:
Das Arbeitnehmerüberlassungsgesetz hat sich überlebt“, diese Meinung hat jetzt der iGZ-Vorsitzende Volker Homburg bei Gesprächen zwischen dem Interessenverband Deutscher Zeitarbeitsunternehmen (iGZ) und Laurenz Meyer (CDU) betont. Da die Zeitarbeit als Branche mittlerweile in der gesellschaftlichen Mitte angekommen sei und durch die Tarifierung eine entsprechende Qualitätssicherung erreicht worden ist, sei eine gesetzliche Sonderbehandlung nunmehr schädlich für die weitere Fortentwicklung der Zeitarbeit. Laurenz Meyer, Mitglied des Bundestagsausschusses für Wirtschaft und Arbeit, bestätigte die Einschätzung des iGZ-Repräsentanten: „Wir sind der Meinung, dass alle arbeitsrechtlichen Fragen in einem neuen Arbeitsgesetzbuch zusammengefasst werden müssen – darunter fallen dann auch alle notwendigen Regelungen für die Zeitarbeit“, so Meyer.


Wenn die ZAFs hier so fleißig mitlesen, sollten wir auch hier und da bei ihnen vorbeischauen was dort diskutiert wird.
Ich habe mal diesen Auszug aus den Berlin Gesprächen genommen.
Der Aspekt mit dem Entsendegesetz und Mindestlöhne wird ja bereits an anderer Stelle diskutiert. Aber das sie das AÜG weg haben wollen ist mir neu.
Wie ist denn hier die MEinung dazu?

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Mit freundlichen Grüßen

Christian Iwanowski

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 Betreff des Beitrags: schon länger bekannt
BeitragVerfasst: 16.11.2005, 14:58 
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Hallo Christian,

die Forderung zur Abschaffung des AÜG durch ZA-Arbeitgeberverbände, ist so alte wie das AÜG selbst.

Es ist mir seit längerer Zeit bekannt, das auch die IGZ die Abschaffung des AÜG bzw. die Abschaffung des Gleichbehandlungsgrundsatzes fordert.

Der Gleichbehandlungsgrundsatz, der für die Mehrheit der LAN und ZAF in Europa gilt, soll nicht für deutsche LAN gelten, womit sie dadurch nach europäischen Recht diskriminiert werden.

Siehe auch den Beschluss des Bundesverfassungsgerichts vom 29.12.2004
(1 BvR 2283/03):
http://www.bundesverfassungsgericht.de/ ... cheidungen
Beschwerdeführer: BZA, MVZ, und 2 ZAF

Zitat:
"..Da beide Arbeitsvertragsparteien unter dem Schutz des Art. 12 Abs. 1 GG stehen, sind die kollidierenden Grundrechtspositionen in ihrer Wechselwirkung zu erfassen und so zu begrenzen, dass sie für alle Beteiligten möglichst weitgehend wirksam werden (vgl. BVerfGE 89, 214 <232>; 97, 169 <176>)..."

Sollte der Gleichbehandlungsgrundsatz und die damit verbunde Tariföffnungsklausel (§ 3, Abs.1, Nr. 3 AÜG) abgechafft werden oder nicht im zukünftigen Arbeitsgesetzbuch stehen (die vom BZA nachträglich eingefordert wurde), könnten ca. 70 % der ZAF (nichtorganisierte ZAF) einfach ihre Arbeitsverträge mit den LAN ändern (Verweis auf einen TV heraus nehmen) und Lohnhöhen vereinbaren, die bis zu 30 % unter den heutigen niedrigsten tariflichen Entlohnungen liegen (Grenze zur Sittenwidrigkeit).

Für Mitgliedsunternehmen von ZA-Arbeitgeberverbänden (BZA, IGZ, AMP,usw.) hätte das zur Folge, das sie die Entgeldhöhen der vereinbarten TV`s bis zum Ablauf der TV`s einhalten müssen, wodurch sie wahrscheinlich sehr viele Kunden verlieren würden, weil nichtorganisierte ZAF ohne TV günstigere Verrechnungssätze anbieten können.

Da die Mehrheit der ZAF nicht organisiert sind, müssten dann die organisierten ZAF aus den Arbeitgeberverbänden austreten, um konkurrenzfähig zu sein.
Das wäre dann der Schlusspunkt der Tarifizierung in der Zeitarbeit und der Schlusspunkt von Mitgliedschaften in ZA-Arbeitgeberverbänden.

Würden in Zukunft TV`s mit noch niedrigeren Entgeldhöhen vereinbart, würde sich die Grenze zur Sittenwidrigkeit noch weiter nach unten verschieben, so das nichtorganisierte ZAF dann noch niedrigere Löhne vereinbaren könnten, es sei denn, das es ein Mindestlohn in der ZA-Branche gibt.

Natürlich ist aber klar, das auch deutsche ZAF den Mindestlohn anderer Branchen zahlen müssen, wenn LAN in diesen Branchen eingesetzt werden. Ansonsten würde mit der Zeitarbeit ein Lohndumping in anderen Branchen betrieben werden, was das Entsendegesetz ja gerade verhindern soll und es wäre eine Ungleichbehandlung in Bezug auf den für die Arbeitnehmer geltenden allgemeinverbindlichen Löhnen in anderen Branchen.

Wenn deutsche ZAF und deutsche ZA-Arbeitgeberverbände meinen, das sie mit dem Gleichbehandlungsgrundsatz für LAN nicht existieren könnten (wenn er für alle ZAF ohne Ausnahme gelten würde), so ist diese Darstellung völlig falsch, wie das IAB bereits im Kurzbericht Nr. 21 vom 29.08.2002 in der Tabelle 2, Spalte 3 und 4 beweist!

http://doku.iab.de/kurzber/2002/kb2102.pdf

Abbildung 1 zeigt, das Länder mit Anwendung des Gleichbehandlungsgrundsatzes und/oder mit geltenden gesetzlichen Mindestlöhnen, eine höhere LAN-Quote als Deutschland haben, auch nach fast 1 Jahr mit TV`s in Deutschland!

Wie die Klage vor dem BVerfG zeigt, steht für den BZA, usw. die Abschaffung des Gleichbehandlungsgrundsatz für LAN (§ 3, Abs.1. Nr. 3 AÜG) an 1. Stelle, weil sie zur Verhinderung des Gleichbehandlungsgrundsatzes TV`s abschliessen mussten, die seit den 70er Jahren in der ZA-Branche nur selten abgeschlossen wurden.

Der Standard der europäischen Zeitarbeit (der Gleichbehandlungsgrundsatz), soll nach Auffassung der deutschen ZA-Arbeitgeberverbände, also nicht für deutsche LAN gelten, womit sich die deutsche Zeitarbeit heute (auch mit den TV`s !) im "Steinzeitalter" dder Zeitarbeit befindet!

Auch in Bezug auf die Arbeitsbedingungen von LAN in der Zeitarbeit gehört Deutschland gehöört Deutschland die "rote Laterne"!

Gruß

Jürgen (1)


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 Betreff des Beitrags: Abschaffung des AÜG?
BeitragVerfasst: 16.11.2005, 20:51 
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Hallo Christian,

wie Jürgen schon sagt, das wird von den ZAF-Verbänden schon lange thematisiert. Und zu diesem Thema bei den Politikern seit langem wie man bei uns im schwäbischen sagt die "Klinken geputzt".

Einige Beispiele:

1. Auf der homepage des BZA sind die "Gewerbepolitischen Forderungen des BZA" abgedruckt. Im letzten Punkt 11 heißt es im letzten Satz:
"Das AÜG ist dann letztlich entbehrlich". Der erste Entwurf dieses
Pamphlets wurde schon 2004 abgedruckt.

2. Im "Positionspapier des Zukunftsvertrags Zeitarbeit z. Bundestagswahl"
heißt es unter Punkt 6: "Sie streben eine Überleitung des reformierten AÜG in die allgemeinen Arbeits-und Sozialgesetze an."
Nachzulesen beim IGZ unter Presseservice/Aktuelles vom 12.08.05

3. Ebenfalls unter IGZ Presseservice/Aktuelles vom 19.08.05 kann man
lesen was Fr. Heide Franken (Geschäftsführerin von Randstad) will:
Zitat: "Deshalb fordern wir dringend die schon lange überfällige Abschaffung des AÜG. Nur so können wir ....die Diskriminierung der Zeitarbeit in Deutschland beenden", so Franken.

4. Hr.Stolz (Geschäftsführerdes IGZ) spicht sich im Artikel "Ein Verband wie die Branche" gegen das Entsendegesetz aus weil sonst die Mindest-
löhne in diesem Rahmen die niedrigeren ZAF-Tarife verbieten.
Auch er spricht von Diskriminierung.
(Ebenfalls nachzulesen unter Presseservice/Aktuelles vom 17.09.05)

Die Scheinheiligkeit dieser Verbände ist mit den Händen zu greifen.
Es geht um ihre Interessen, um Verbilligung der Billiglöhne kurz um
ihre Profite.

Leider wird dies in den Entleihbetrieben von der Mehrzahl der Betriebsräte
nicht erkannt und von vielen gar als Chance zur Beschäftigungssicherung
der Stammbelegschaften missverstanden.

Gruß
Karl


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 Betreff des Beitrags: Re: Abschaffung des AÜG?
BeitragVerfasst: 17.11.2005, 09:41 
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Ist doch schön wenn man gelesen wird!!
Auf meine Nachricht hier, habe ich gleich eine Antwort erhalten, die ich der Fairness halber hier mit einstelle.
Für eine Diskussion ist es wichtig auch die andere Seite zu Wort kommen zu lassen.

Stellungnahme des IGZ:
Zitat:
Zum Hintergrund:
In einem Gespräch zwischen Herrn Homburg und Herrn Meyer im April/Mai 2005 wurde allgemein über die noch im AÜG enthaltenen restriktiven Regelungen für die Zeitarbeit gesprochen und damals gemeinsam festgestellt, dass eine einheitliche Regelung aller arbeitsrechtlichen Belange in einem Arbeitsgesetzbuch sinnvoll sei.

Der iGZ will nicht etwa, wie Sie anklingen lassen, das AÜG abgeschafft wissen. Vielmehr sieht der iGZ, insbesondere vor dem Hintergrund des grenzüberschreitenden Dienstleistungsaustausches innerhalb der EU, die dringende Notwendigkeit, grundsätzliche Regelungen der Zeitarbeitsbranche, wie sie derzeit im AÜG geregelt sind, beizubehalten. Darüber hinaus setzt sich der iGZ sogar für die Erweiterung des Entsendegesetzes ein und würde es begrüßen, wenn die Voraussetzungen zur allgemeinverbindlichen Einführung eines tarifvertraglich geregelten Mindestlohnes, der dann die gesamte Zeitarbeitsbranche erfasst, geschaffen würden.

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Mit freundlichen Grüßen

Christian Iwanowski

Düsseldorf


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 17.11.2005, 16:31 
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Hallo Christian,

1. Tatsache ist, das der BZA seit den 70er Jahren (als damals einziger Arbeitgeberverband!) keinen freiwilligen Flächen-TV abgeschlossen hat, bevor der Gleichbehandlungsgrundsatz im AÜG stand und bereits über eine Verfassungsklage den Gleichbehandlunngsgrundsatz kippen wollte, was nicht geklappt hat.
Dennoch gibt es die "Gewerbepolitischen Forderungen des BZA" zur Abschaffung des AÜG über die Politik!

Zitat des IGZ:
" Vielmehr sieht der iGZ, insbesondere vor dem Hintergrund des grenzüberschreitenden Dienstleistungsaustausches innerhalb der EU, die dringende Notwendigkeit, grundsätzliche Regelungen der Zeitarbeitsbranche, wie sie derzeit im AÜG geregelt sind, beizubehalten. "

Ist damit auch konkret die Beibehaltung des Gleichbehandlungsgrundsatzes und der damit verbundenen Tariföffnungsklausel des § 3, Abs. 1, Nr. 3 AÜG gemeint?

Zitat des IGZ:
"Darüber hinaus setzt sich der iGZ sogar für die Erweiterung des Entsendegesetzes ein und würde es begrüßen, wenn die Voraussetzungen zur allgemeinverbindlichen Einführung eines tarifvertraglich geregelten Mindestlohnes, der dann die gesamte Zeitarbeitsbranche erfasst, geschaffen würden. "

Das ist aber nur die halbe Wahrheit, denn in der Pressemeldung
"Ein Verband wie die Branche" vom 17.09.2005 heißt es unter
http://www.ig-zeitarbeit.de/admindownlo ... 0Monat.pdf :

"..Denn zunächst einmal seien auch Zeitarbeitsunternehmen wirt-schaftlichen Zwängen ausgesetzt. Das werde viel zu oft von der Politik vergessen: "Wir sind zunächst einmal eine ei-genständige Wirtschaftsbranche, die flexible Dienstleistungen anbietet." Dass der Gesetzgeber dies nicht immer hinrei-chend berücksichtigt, sehe man bei der aktuellen Mindestlohndebatte um die Ausweitung des Arbeitnehmer - Entsende-gesetzes. Ziel dieses Gesetzes ist es, durch Allgemeinverbindlichkeitserklärungen ein branchenbezogenes Mindest-lohnniveau einzuführen. Allerdings würden diese Mindestlöhne dann auch jeweils den tariflichen Zeitarbeitslohn für die-se Branche überlagern und so außer Kraft setzen. Werner Stolz spricht in diesem Zusammenhang von einer "Diskrimi-nierung der Zeitarbeit", die so nicht hingenommen werden könne..."

Im Klartext: LAN sollen nur den dann geltenden allgemeinen Mindestlohn der ZA-Branche bzw. die Löhne der vereinbarten ZA-TV`s bekommen, jedoch nicht die dann allgemeinverbindlichen Löhne der anderen Branchen, wenn die LAN dort eingesetzt sind, obwohl diese allgemeinverbindlichen Mindestlöhne der anderen Branchen natürlich für alle Arbeitnehmer (auch von ausländischen ZAF) gelten müssen, da ansonsten kein Lohndumping verhindert werden kann, wozu ja gerade das Entsendegesetz erweitert werden soll!

Den Beruf des Leiharbeitnehmers gibt es nicht, da LAN die unterschiedlichten Berufe erlernt haben und in unterschiedlichsten Branchen eingesetzt werden können.

Was nützt z.B. ein allgemeinverbindlicher Mindestlohn in der Metall-Branche von z.B. 12 Euro/Std., wenn LAN auf Grund des Mindestlohnes in der ZA-Branche nur ein Lohn von 7,50 Euro/Std. für gleiche Arbeit gezahlt werden muss?

Wird dadurch ein Lohndumping in der Metallbranche verhindert?

Richtig, ein Lohndumping durch deutsche oder ausländische ZAF kann nicht verhindert werden, wenn für LAN nicht der allgemeinverbindliche Mindestlohn der anderen Branchen gelten soll, was die IGZ offensichtlich nicht versteht!
Auch die IGZ akzeptiert nicht den § 1, Abs. 2a des AEntG!!

Auch versteht die IGZ offensichtlich nicht, das durch allgemeinverbindliche Mindestlöhne in den anderen Branchen, die durch die ZAF gezahlt werden müssen (siehe § 1, Abs. 2a AEntG), der jetzige mörderische Wettbewerb innerhalb der ZA-Branche auf ein Minimum reduziert werden könnte und somit eine ständige Reduzierung der Löhne für LAN ein Ende hat.

Zitat § 1, Abs. 2a AEntG:
"(2a) Wird ein Leiharbeitnehmer von einem Entleiher mit Tätigkeiten beschäftigt, die in den Geltungsbereich eines für allgemeinverbindlich erklärten Tarifvertrages nach Absatz 1, Absatz 2 oder Absatz 3 oder einer Rechtsverordnung nach Absatz 3a fallen, so hat ihm der Verleiher zumindest die in diesem Tarifvertrag oder dieser Rechtsverordnung vorgeschriebenen Arbeitsbedingungen zu gewähren sowie die der gemeinsamen Einrichtung nach diesem Tarifvertrag zustehenden Beiträge zu leisten."

http://www.sidiblume.de/info-rom/arb_re ... /aentg.htm

Auch ist bekannt, das in der Metall- und Elektro-Industrie (in der 70 % aller LAN) beschäftigt sein sollen, bereits Stammarbeiter durch den Ersatz durch billigere LAN ihre Job verloren haben.

Sollen die Arbeitsplätze von Stammarbeitern in der Metall- und Elektro-Industrie geschützt werden, ist klar, das der vorhandene § 1, Abs. 2a des AEntG, dann auch für einen zukünftigen allgemeinverbindlichen Lohn dieser Branche für LAN deutscher oder ausländischer ZAF gelten muss.

Es kann und darf nicht sein, das ein zukünftiger allgemeinverbindlicher Lohn in der ZA-Branche alle allgemeinverbindlichen Mindestlöhne anderen Branchen mit höheren Mindestlöhnen unterlaufen kann, denn
1. verhindert das nicht ein Lohndumping in anderen Branchen und
2. wäre dann ein allgemeinverbindlicher Mindestlohn in anderen Branchen (z.B. der Metallbranche) völlig überflüssig!

Deutsche Zeitarbeit ist und bleibt nun einmal in der jetzigen Form keine normale Arbeit, da durch billigere LAN Stammarbeiter in den eingesetzten Branchen ihren Job verlieren können, was in der Mehrheit der EU-Staaten durch die ausnahmslose Gewährung des Gleichbehandlungsgrundsatzes ausgeschlossen ist, nur halt nicht in Deutschland mit Tarifverträgen, in denen der Gleichbehandlungsgrundsatz nicht berücksichtigt wird, was in anderen Ländern nicht der Fall ist!

Speziell durch die Erweiterung des AEntG auf alle Branchen und den gültigen § 1, Abs. 2 AEntG, könnte das Image der deutschen Zeitarbeit wesentlich verbessert werden, aber anscheinend ist das von den ZA-Arbeitgeberverbänden nicht gewollt, da sie nur an den kurzfristigen Profit denken und nicht sehen, was das für eine Chance bedeutet, da in anderen Ländern mit Gewährung des Gleichbehandlungsgrundsatzes die LAN-Quoten wesentlich höher sind.

Fazit:

Die Einführung von allgemeinverbindlichen Mindestlöhnen über das AEntG ist witzlos und unwirksam, wenn deutsche und ausländische ZAF diese Mindestlöhne unterschreiten dürften!

Gruß

Jürgen (1)


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 Betreff des Beitrags: Allgemeinverbindlöichkeit
BeitragVerfasst: 17.11.2005, 17:19 
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Hallo Jürgen,

du hast den Finger genau in die Wunde gelegt! 8)

Zum BZA sage ich schon gar nichts mehr.
Was den IGZ angeht und dem gehören die meisten Firmen hier bei uns an finde ich es schon beachtlich das sie sich mit einer Allgemeinverbindlichkeit in der Branche anfreunden können.

Ihre Position das dann die Allgemeinverbindlichkeit in anderen Branchen für sie nicht gelten darf weil sie eine eigenständige Branche sind teile ich nicht.

Damit würden wir alle andern Flächentarifverträge untergraben und das kann nicht Ziel sein.

Außerdem sagen mir meine ZAFs immer "sie würden ja mehr zahlen wenn der Kunde bereit ist mehr zu zahlen".
Bei einer Allgemeinverbindlichkeit hat der Kunde keine andere Möglichkeit, also wo ist das Problem.
Müssten sich die Zeitarbeitsfirmen doch darüber freuen!

Wenn wir aber sehen wie Politik auf die Forderungen der Verbände eingeht, oder wohlwollend prüfen will, wird mir ganz anders.

Ich glaube wir sollten mal unsere Bundestagsabgeordneten darüber aufklären wie die Realitäten eines LAN sind. Das wird nicht bei allen fruchten aber ...

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Mit freundlichen Grüßen

Christian Iwanowski

Düsseldorf


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 17.11.2005, 21:18 
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Registriert: 23.02.2005, 17:52
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Hallo Christian,

"...finde ich es schon beachtlich das sie sich mit einer Allgemeinverbindlichkeit in der Branche anfreunden können. "

Das finde ich nicht so beachtlich, da
1. ZAF mit geringeren Verrechnungssätzen auch den IGZ-Unternehmen die Aufträge wegschnappen und
2. durch sehr geringe Tariflöhne nicht gerade das Image der Branche gefördert wird, um es mal gnädig auszudrücken.

"Damit würden wir alle andern Flächentarifverträge untergraben und das kann nicht Ziel sein."

Genau das ist der Knackpunkt!

"Bei einer Allgemeinverbindlichkeit hat der Kunde keine andere Möglichkeit, also wo ist das Problem."

Die ZAF sehen den § 1, Abs. 2a AEntG und die Ausweitung des AEntG auf alle Branchen als Einführung des Gleichbehandlungsgrundsatzes durch die Hintertür, die sie bis jetzt durch die TV`s in der ZA-Branche verhindern konnten.

Das Problem für ZAF ist der sinkende Gewinn je LAN bzw. der sinkende Gewinn aus dem Verhältnis zwischen Bruttolohn des LAN und Verrechnungssatz für den Entleiher.

Da die Löhne für ZAF alle gleich wären (wenn sie LAN in einer Branche mit allgemeinverbindlichen Lohn einsetzen), bestimmt sich die Höhe des Verrechnungsatzes nur noch nach den Betriebskosten und den individuellen Gewinn der ZAF.

Jedoch vergessen die ZAF dabei, das dieser sinkende Gewinn je LAN mit einer höheren Anzahl von LAN wieder kompensiert werden kann, wie andere Länder zeigen.

Wenn Stammarbeiter einer anderen Branche arbeitslos werden und dann zumindest den Mindestlohn der eigenen Branche auch über die Zeitarbeit bekommen (anstatt den meist niedrigeren Armutslöhnen der ZA-Branche), würden sicherlich mehr arbeitslose Arbeitnehmer auch als LAN arbeiten.

"Wenn wir aber sehen wie Politik auf die Forderungen der Verbände eingeht, oder wohlwollend prüfen will, wird mir ganz anders. "

Ja, mir auch.
Gerade in Bezug auf den § 1, Abs. 2a AEntG sollten Gewerkschaften sehr aufmerksam sein, damit nicht durch ein allgemeinverbindlichen Lohn der ZA-Branche alle höheren allgemeinverbindlichen Mindestlöhne unerlaufen werden können.

"Ich glaube wir sollten mal unsere Bundestagsabgeordneten darüber aufklären wie die Realitäten eines LAN sind. "

Herr Pofalla von der CDU wird bestimmt dankbar sein, dazu auch einmal de Meinung von den Gewerkschaften zu hören, auch wenn Herr Sommer vom DGB wieder ein Kuschelkurs mit der großen Koaltion einschlägt
(das umfallen des DGB kennen wir ja schon).

Die IG Metall, Ver.di, usw. sollten Stellung zum § 1, Abs. 2a AEntG beziehen und auf ein nichtgewolltes Tarifdumping bzw. Lohndumping hinweisen, wenn diese Vorschrift nicht mehr für deutsche und ausländische ZAF gelten sollte!

Die Änderung oder Abschaffung des § 1, Abs. 2a AEntG würde sämtliche anderen Branchen-Mindestlöhne unwirksam gegen Lohndumping machen!

Die Gewerkschaften sollten jetzt etwas tun, bevor es zu spät ist, denn die Bundesrepublk Deutschland muss dem ESC-Ausschus des Europarates die Lohnhöhen aller Arbeitnehmer in Deutschland bis spätestens zum 31.03.2006 mitteilen (siehe meine Beiträge zum Art.4, Abs. 1 ESC).

Gruß

Jürgen (1)


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 Betreff des Beitrags: IGZ-AÜG abschaffen?
BeitragVerfasst: 17.11.2005, 21:49 
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Hallo Christian,

in der von Dir zitierten Stellungnahme des IGZ heißt es unter anderem:

Zitat:
Der iGZ will nicht etwa, wie Sie anklingen lassen, das AÜG abgeschafft wissen.



Dazu eine andere Aussage des IGZ:

Unter INFOS ZUR ZEITARBEIT auf der IGZ-homepage ist nachzulesen die
iGZ-Stellungnahme zum 10. AÜG-Bericht der Bundesregierung
(Stand: März 2005)

Dort heißt es unter Punkt 4. Perspektiven der Zeitarbeit zwischen Flexi-
bilität und Sicherheit.

Zitat:

"a) Integration des AÜG in ein neues Arbeitsgesetzbuch.Hierdurch könnten
die bisherigen Regeln zur Arbeitnehmerüberlassung aufgehoben
bzw. weiter entschlackt und auf ihre Notwendigkeit hin überprüft werden."

Was meinst Du Christian?

Ist das inhaltlich identisch mit dem was der IGZ Dir erzählt?

Gruß
Karl


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 17.11.2005, 22:14 
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Hallo,

kleiner Nachtrag:

Das IGZ-Zitat ist unter:

INFOS ZUR ZEITARBEIT / Standpunkte nachzulesen

(Sorry, sonst sucht man zu lange).

Gruß
Karl


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 Betreff des Beitrags: Re: IGZ-AÜG abschaffen?
BeitragVerfasst: 18.11.2005, 08:37 
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Wohnort: Düsseldorf
quote]Dort heißt es unter Punkt 4. Perspektiven der Zeitarbeit zwischen Flexi-
bilität und Sicherheit.

Zitat:

"a) Integration des AÜG in ein neues Arbeitsgesetzbuch.Hierdurch könnten
die bisherigen Regeln zur Arbeitnehmerüberlassung aufgehoben
bzw. weiter entschlackt und auf ihre Notwendigkeit hin überprüft werden."

Was meinst Du Christian?

Ist das inhaltlich identisch mit dem was der IGZ Dir erzählt?
[/quote]

Ja aber...

Es geht nicht um eine Abschaffung sondern sie wollen die Regelungen aus dem AÜG in einem gemeinsamen Arbeitsgesetzbuch stehen sehen.
Wie weit das realistisch ist ist eine andere Frage, darum streitet sich die Politik schon ein paar Jahrzehnte aber sei´s drum.
Der Reiz eines gemeinsamen Arbeitsgesetzbuchs wäre, das die Regelungen dann welche unter vielen sind und Zeitarbeit nicht mehr (wenn auch nur Optisch) einer Sonderbahandlung unterliegt.

Was natürlich das Überprüfen der Regelungen angeht, ist natürlich klar das die Branche eine weitere Deregulierung anstrebt.
Da bleiben sie sich treu und dagegen müssen wir Stellung beziehen.
Das steht in der Stellungnahme an mich so nicht drin aber wer die Branche kennt, denkt sich seinen Teil.

Auch wenn wir Sozialpartner sind, und hier vor Ort recht gut als solche zusammenarbeiten gibt es zu vielen Punkten halt unterschiedliche Meinungen aber wo ist das nicht zwischen Gewerkschaften und Arbeitgeber?

Sinn dieses Diskussionsforums ist es in meinen Augen auch diese unterschiedlichen Interessenlagen klar zu stellen, damit die Betroffenen sich ihre Meinung bilden können.

Auf jeden Fall Danke ich Euch für die Kritische Bewertung und weiß ja auch das der IGZ diese Diskussion mitverfolgt!

_________________
Mit freundlichen Grüßen

Christian Iwanowski

Düsseldorf


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 19.11.2005, 12:02 
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Registriert: 23.02.2005, 17:52
Beiträge: 1165
Hallo Christian,

"Es geht nicht um eine Abschaffung sondern sie wollen die Regelungen aus dem AÜG in einem gemeinsamen Arbeitsgesetzbuch stehen sehen. "

Glaubst Du das wirklich?
Ich glaube das nicht.

"und Zeitarbeit nicht mehr (wenn auch nur Optisch) einer Sonderbahandlung unterliegt."

Wie sollte das gehen?
Das BVerfG hat mit dem Beschluss vom 29.12.2004 den besonderen Schutz der Leiharbeitnehmer bestätigt.
Der wichtigste Punkt im AÜG ist der Gleichbehandlungsgrundsatz
(§ 3, Abs. 1, Nr. 3 AÜG) und diesen Gleichbehandlungsgrundsatz akzeptiert auch die IGZ nicht, denn schon allein in die Bezug auf eine Zahlung von allgemeinverbindlichen Mindestlöhne anderer Branchen (geltender § 1, Abs. 2a AEntG) heißt es von der IGZ:

"...Allerdings würden diese Mindestlöhne dann auch jeweils den tariflichen Zeitarbeitslohn für die-se Branche überlagern und so außer Kraft setzen. Werner Stolz spricht in diesem Zusammenhang von einer "Diskrimi-nierung der Zeitarbeit", die so nicht hingenommen werden könne..."

Herr Stolz von der IGZ spricht von einer "Diskriminierung der Zeitarbeit",
wenn ZAF den geltenden § 1, Abs. 2a AEntG einhalten müssen, wie ausländische ZAF und jeder Arbeitgeber, der Arbeitnehmer im Geltungsbereich dieser allgemeinverbindlichen TV`s beschäftigt!

Auf Grund von Art. 3 GG (Gleichbehandlungsgrundsatz), kann es in Bezug auf den geltenden § 1, Abs. 2a AEntG natürlich keine Ausnahme für deutsche ZAF geben, ganz abgesehen von fehlenden Verhinderung von Tarif- bzw. Lohndumping deutscher ZAF in anderen Branchen.

Da 70 % aller LAN in der Metall- und Elektroindustrie beschäftigt werden sollen, sind natürlich die Arbeitsplätze der Stammarbeiter in diesem Bereich extrem gefährdet (siehe z.B. Einsatz von LAN bei Conti, usw.), weshalb natürlich gerade IG Metall auf die Einhaltung des geltenden § 1, Abs. 2a AEntG durch ZAF bestehen muss, wenn es einen allgemeinverbindlichen Mindestlohn in Eurer Branche geben sollte (wovon ich ausgehe).

Gruß

Jürgen (1)


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BeitragVerfasst: 21.11.2005, 23:52 
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Beiträge: 51
Wohnort: Berlin
Hallo Leute!

Wat ick hier im Forum lese treibt mir schon wieder die Schweissperlen uff de Stirne!
Wenn ick höre wat die Firmen alled an Leute raushauen wolln, krick de Schwindsucht.
Wenn ick erfahre, wat wir alled ab nächsted Jahr mehr bezahlen sollen, krieg ick nen Loch in mein Geldbeutel.

Früher hät ick jesacht, die Spinnen die Römer, aber ne die sind lange Tot !
Machmal denk ick, wenn die alle so weitermachen, sind wir det bald alle!
Bei soviel gequirlte Ka… kannste nur zum Bombenleger werden!

Wat is eijentlich in die alle jefahren?
Mit welcher Herrlichkeit glooben die alle mit uns zu machen, wat se wolln!
Wann endlich stehn wa alle uff und haun den die Rohrstöcke übern Arsch!

Immer nur raffen, Jewinnoptimierung, Effizienzsteigerung, Quotenanhebung, Renditeanstieg, Kostenbereinigung, Humanressourcenauslagerung – Hallo , HAALLOOO

Wenn keener mehr Jeld hat ihr Knallfrösche, kann och keener mehr euren Mist koofen!!
Dann könnta eujan Plunder selba konsumiern – mal seh´n wie schnell euch schlecht davon wird; Eure Geldgier soll euch hoffentlich bald zum Platzen bringen – Bumm!

Mal ehrlich, det kann wohl alled nich wahr sein – Hey, ick wollt eijentlich nur een normaled leben führn – Aber planen kannste zur Zeit nich – Nie weeste ob de morgen noch Arbeit hast; Manchmal fragste dich och, ob de unter solche Bedingungen überhaupt arbeiten willst?

Ick hoffe blos, dass die Modernen Sklaven am Arbeitsmarkt, genannt Hetz 1 bis 500.000,
irjendwann die Schnauze davon voll haben, das alle um se rum blos labern und sie selbst endlich den Arsch in der Hose haben, den Geldgeiern den Kampf anzusagen!
Erst wenn sich Zeitarbeitnehmer effizient zur Wehr setzen, wird wat passieren.
Uff de jewerkschaften hoffen – besser nich, die wollen selber die besseren Arbeitjeber sein, deshalb wirtschaften se immer schön mit!

Denn det wird kenn bessered AÜG helfen, Equal Pay wird’s nich jeben und uff Soziale Ader beim Unternehmer zu hoffen, kannste dir gleich erschiessen!
“Stand up and fight“ is alled wat noch jeht Leute!

Ein sehr jefrusteter, wütender Don Bulletto


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 22.11.2005, 22:53 
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Registriert: 11.03.2005, 22:30
Beiträge: 1070
@ Don Bulletto :

Damit hast Du den Nagel auf den Kopf getroffen, leider ist ein 'Stand up and fight' bei Zeitarbeitnehmern absolut nicht in Sicht.

Da ist sich jeder selbst der nächste, es gibt keinerlei Organisation und Tausende von ZAF...

Wenn sich 2 ZAN unterhalten, kommt es maximal dazu, dass einer der beiden die Zeitarbeitsfirma wechselt, weil in ZAF 2 besser bezahlt wird...

Die Frage ist, wie willst Du es hinbekommen, die nötige Solidarität und Organisation unter den ZAN herzustellen, um überhaupt eine Voraussetzung für ein gemeinsames 'stand up and fight' zu schaffen ?


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BeitragVerfasst: 10.10.2006, 17:32 
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Registriert: 23.06.2006, 12:32
Beiträge: 824
Wohnort: Deutschland
Tach auch,

hier ein neuer, aktueller Antrag der FDP zu diesem Thema:

http://www.ig-zeitarbeit.de/admindownlo ... Antrag.pdf


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