ZeitarbeiterInnen - Ohne Organisation Machtlos

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BeitragVerfasst: 22.09.2011, 19:36 
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absolut unklar:

http://www.hensche.de/Mindestloh_fuer_L ... _2011.html


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BeitragVerfasst: 22.09.2011, 20:50 
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Schau Dir das Wahlverhalten des Volkes an. Merkst Du was? Sie wollen es nicht anders............

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Resolution 217 A (III) der Generalversammlung der Vereinten Nationen vom 10. Dezember 1948 - Allgemeine Erklärung der Menschenrechte
---> Artikel 23 Absatz 2: Jeder, ohne Unterschied, hat das Recht auf gleichen Lohn für gleiche Arbeit <---


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BeitragVerfasst: 23.09.2011, 14:11 
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Alle die da glauben es gibt in naher Zukunft einen Mindestlohn in der Zeitarbeit, glauben auch noch daran das der Klapperstorch die Kinder bringt!

Mit welcher Frechheit spricht man übrigens von Mindestlohn. Alles andere als gleicher Lohn für gleiche Arbeit ist, war und wird auch in Zukunft Betrug am Zeitarbeiter sein!

Und allen Befürworter der Zeitarbeit in der jetzigen Form möchte ich fragen ob sie das auch noch so sehen wenn sie ein paar Jahre in dieser Knochenmühle arbeiten müßen?

In diesem Sinne grüßt euch wie immer aus dem hohen Norden dieser verkommenen Republick Einer von vielen

PS Auch wenn man eine Sache immer wieder gut redet wird sie nicht besser.


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BeitragVerfasst: 23.09.2011, 17:50 
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Wir werden mit Sicherheit noch equal pay kriegen ... sobald die Zeitarbeit die Löhne in den Entleihbetrieben so weit gedrückt hat, daß EP eine weitere Senkung darstellt.

Elektro-Installateure in NRW fahren mit Zeitarbeit oftmals bereits besser als mit einer Einstellung im E-Handwerk.
Glaubt Ihr nicht?

Tarifregister NRW:

Einschlägige gewerblich-technische oder kaufmännische Berufsausbildung mit Abschluss oder ein gleichwertiger durch mehrjährige Berufspraxis oder durch Qualifizierung erworbener Ausbildungsstand, der einen Einsatz als Fachkraft rechtfertigt. Tätigkeiten, die allgemeine berufsfachliche Kenntnisse und Fertigkeiten erfordern.
11,80 €

Eckentgelt: 13,88 €

In der Realität stellen 12,50 €/h Nominallohn bereits einen "guten" Lohn in der Branche dar, dann wird aber in der Regel bei den Stunden beschissen, so gut es geht, so daß der Reallohn deutlich niedriger liegt. Außerdem ist der Tarif nicht allgemeinverbindlich, wie fast alle anderen Handwerkstarife auch.

Vorstellungsgespräch 2003: "Wie sind denn ihre Lohnvorstellungen? Bedenken Sie, daß ich für 15 €/h einen Ossi mit Werkzeugkiste ausleihen kann!" - "Tschüss!" (Für Leute, die keinerlei Ahnung haben: Von den 15 € hätte ich mit mindestens dem Faktor 1,8 zurückrechnen müssen, hätte also maximal 8,30 €/h verlangen dürfen).

In 2004 z.B. arbeitete ich für einen Betrieb des Elektrohandwerks für nominale 10,50 €/h, wobei in der Realität "9-10 für 8 Stunden" galten, also 1,5-2h wurden für An- und Abfahrten abgezogen. Der Reallohn betrug somit ca. 8,50 €/h. In der ZAF, in der ich für diesen Job gekündigt hatte, bekam ich 10 €/h. Natürlich habe ich den Job im E-Handwerk schon im ersten Monat wieder gekündigt.
Ich belästige nun keine Handwerksbetriebe mehr mit Bewerbungen ... über den aktuellen Kurs von Festangestellten informiert mich ein Kollege, der sich da noch bewirbt, aber wegen des schlechten Verdienstes im Handwerk dann doch in der Zeitarbeit bleibt.

Im Elektrohandwerk NRW hat halt die diabolische Scheingewerkschaft Metall (Eigenbezeichnung: Christliche Gewerkschaft Metall) schon lange ihre ungewaschenen Hände im Spiel.

Mit EP würde ich bei einem aktuellen Lohn von 12 €/h nichts mehr gewinnen, oft sogar noch verlieren.

Für Handlanger in großen Industriebetrieben mag EP ja verlockend sein - 17,xx €/h für das stundenlange Anziehen der immer gleichen Schraube an einer Mercedes-Rostlaube sind ganz sicher toll - aber für Fachkräfte in "normalen Betrieben" wird EP zunehmend zur Nullnummer, wenn nicht gar zur Bedrohung. Ohne EP bekäme ich - ausgeliehen an die o.g. Chefs im Handwerk - weiter meine 12 €/h, mit EP verlöre ich richtig Geld.

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„Es gibt kein gutmütigeres, aber auch kein leichtgläubigeres Volk als das deutsche. Keine Lüge kann grob genug ersonnen werden, die Deutschen glauben sie. [...]” (Napoleon)


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BeitragVerfasst: 23.09.2011, 20:15 
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Tach gesagt ...
Inzwischen ist es wirklich so . Ich als Leihkeule habe mitlerweile mehr Netto als ein Festangestellter im KFZ Handwerk . Hab etliche Bewerbungsgespräche hinter mir . Bei kleinen sowie großen der Brache .
Bei meiner ZAF komme ich auf 2200 - 2400 netto incl. Auslöse und Fahrgeld . Unterkunft
(privat) ist frei . Zieh ich die Kosten fürs Auto ab ( incl. Rep.Rücklagen ) bin ich bei 16-1700 netto . Kein AZK . 40 Std.Wo.
Beim KFZ Handwerksbetrieb war das max. Angebot 1300 netto , Überstunden werden unentgeldlich erwartet und dann muß ich davon noch mein Auto in Gang halten was allein schon 200 € Diesel im Monat wären um auf Arbeit zu kommen .

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Noch Fragen Hauser ? Ja Kienzle , wer ist eigentlich Unkraut ?

Mein Buchtip als Gastautor >>> ISBN-10: 3771643945 / ISBN-13: 978-3771643942


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BeitragVerfasst: 23.09.2011, 20:50 
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Administrator

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Hallo Schimmelreiter, hallo unkraut,


@Schimmelreiter
Zitat:
Wir werden mit Sicherheit noch equal pay kriegen ... sobald die Zeitarbeit die Löhne in den Entleihbetrieben so weit gedrückt hat, daß EP eine weitere Senkung darstellt.


@unkraut
Zitat:
Inzwischen ist es wirklich so .


Und welche Schlüsse soll man daraus ziehen? Das zu diskutieren wäre der nächste logische Schluss.


Karl


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BeitragVerfasst: 23.09.2011, 23:32 
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unkraut hat geschrieben:
Tach gesagt ...
Inzwischen ist es wirklich so . Ich als Leihkeule habe mitlerweile mehr Netto als ein Festangestellter im KFZ Handwerk . Hab etliche Bewerbungsgespräche hinter mir . Bei kleinen sowie großen der Brache .
Bei meiner ZAF komme ich auf 2200 - 2400 netto incl. Auslöse und Fahrgeld . Unterkunft
(privat) ist frei . Zieh ich die Kosten fürs Auto ab ( incl. Rep.Rücklagen ) bin ich bei 16-1700 netto . Kein AZK . 40 Std.Wo.
Beim KFZ Handwerksbetrieb war das max. Angebot 1300 netto , Überstunden werden unentgeldlich erwartet und dann muß ich davon noch mein Auto in Gang halten was allein schon 200 € Diesel im Monat wären um auf Arbeit zu kommen .

Ich halte nicht viel davon, die Spesenerstattung mit hinzu zu rechnen.
1500 netto können besser sein als Deine 2200, wenn man sie direkt um die Ecke verdienen kann, Du aber 1000 EUR Spesen hast ...

Ich hatte früher bei Bindan auch schon mal 1600 EUR netto, mußte da aber auch mind. 2x die Woche tanken. Da sind mir meine aktuell 1200-1300 EUR netto viel lieber, denn davon geht nur eine Tankfüllung im Monat ab, weil ich nicht weiter weg arbeite, als man es sich auch freiwillig antun würde ... und die 1200-1300 EUR sind bei LStKl. 5, die 1600 waren bei LStKl. 1 ...

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BeitragVerfasst: 24.09.2011, 08:24 
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Zitat:
Und welche Schlüsse soll man daraus ziehen?


10 € Mindestlohn

Zitat:
wenn man sie direkt um die Ecke verdienen kann

ja wenn

Was soll man da diskutieren ?
Wodurch sind Gewerkschaften entstanden ? Was haben sie ausgerichtet ?
Es war mal : " Wenn ein starker Arm es will , stehen alle Räder still "

Heute mauscheln die Gewerkschaften mit AG und Politik . Für mich ist das Verrat .

Und nun können wir diskutieren ... und aufregen und alles geht wie immer in heißer Luft auf .

MfG Unkraut

Frisösinnen die für 2,75 die Stunde arbeiten , Scheinselbstständig und aufstocken ...
tiefster Feudalismus .
Stattsdiener die sich ungeniert selbst bedienen ...
Aber wie lange das wohl noch gut geht ?
Von Minijobs und Niedriglöhnen kommt nix ins Staatssäckel und in die Sozialkassen schon lange nicht ...

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BeitragVerfasst: 24.09.2011, 15:36 
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@unkraut

Zitat:
Bei meiner ZAF komme ich auf 2200 - 2400 netto incl. Auslöse und Fahrgeld . Unterkunft
(privat) ist frei .


Finde ich auch extrem sinnfei so eine Beispielrechnung.


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BeitragVerfasst: 24.09.2011, 17:21 
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Bei meiner ZAF käme ich auch auf 10.000 EUR netto inkl. Auslöse, Fahrkosten usw. usf., wenn ich einen Einsatz in Australien hätte.
;)

Interessant ist doch eigentlich der Bretto-Stundenlohn, denn das Nutto hängt von Faktoren ab, mit denen die ZAF beim besten Willen nichts zu tun hat (Wahl der Löhnsteuerklasse, Kirchensteuer, Anzahl der Blagen, ...).

Schon ein Bretto-Monatslohn ist nicht mehr aussagekräftig, denn die Anzahl der Stunden schwankt ja nun auch und höhere Stundenzahlen bewirken eben auch weniger Freizeit:
Eine Stelle mit knapp 2200 bretto bei 40h/Woche ist doch wohl zweifelsfrei besser als eine mit 2400 bretto bei 60h/Woche. Schließlich arbeite ich, um zu leben und nicht umgekehrt.

Aber als weitere Faktoren, die vom Arbeitgeber abhängen, kommen halt noch hinzu, ob er mir wirklich alle Stunden bezahlt, ob es Weihnachts- und Urlaubsgeld gibt, usw. usf.
Spesenerstattungen sind eigentlich nur dann zu berücksichtigen, wenn sie höher - oder eben niedriger - ausfallen, als die wahren bzw. realistischen Kosten.

Beispiel: Ich bekomme 12 €/h bretto; dafür, daß das nur ca. 6 €/h nutto sind, kann die ZAF nichts, das liegt an der LStKl. 5.
Aber ich kann sagen, daß ich diese 12 €/h komplett habe, denn die ZAF erstattet mir die Spritkosten, obwohl der Einsatzort nicht weiter weg ist, als man sich auch normale Arbeit suchen würde (ca. 10km): Ich fahre an maximal 22 Tagen besagte 10km hin und zurück = 440km. Bei ca. 10l/100km und somit 16€/100km habe ich also Spritkosten von 70,4 €/Monat (4,4*16€). Die ZAF erstattet mir aber 5 €/Tag, an 22 Tagen also 110 €. Es bleiben also nach Abzug der Spritkosten sogar noch 40€ für Verschleiß übrig. Als normaler Arbeitnehmer hätte ich diese Erstattung nicht, sondern nur eine stark anteilige Anrechnung auf meine Steuerlast.

Im Vergleich zu anderen Arbeitgebern müßte ich jetzt wohl noch einpreisen, daß ich weniger Urlaub bekomme und kein/wenig Weihnachts- und Urlaubsgeld.
Um das zu berechnen, muß man die Zusatzleistungen umrechnen in Stunden, die man nicht arbeiten muß und trotzdem Geld dafür erhält:

Für das E-Handwerk NRW sieht diese Berechnung so aus:
1. Jahr:

Urlaub an sich:
28-24 Urlaubstage = 4 Tage
36h/Woche = 7,2h/Tag = 28,8h als Urlaub bezahlte Freizeit (4*7,2h)

Urlaubsgeld
50% vom Urlaubsentgeld = 28 Urlaubstage * 7,2h * 0,5 = 100,8 fiktive Stunden, für die es ein Entgelt gibt.

Weihnachtsgeld:
30% eines Monatslohns
36h/Woche * 13 Wochen/3 Monate / 3 Monate * 0,3 = 46,8 fiktive Stunden, für die es ein Entgelt gibt.

Summe: 28,8+100,8+46,8 = 176,4 zusätzlich bezahlte Stunden

Umrechnung der Zusatzleistungen auf Produktivstunden:
7,2h/Tag * (260 Arbeitstage/Jahr - 28 Urlaubstage - 12 Feier-/Krankheitstage = 220 effektive Arbeitstage) = 1584h/Jahr Arbeitszeit
1584+176,4 = 1760,4 bezahlte Stunden
1760,4/1584 = 1,11 Faktor zwischen Nominallohn und dem Lohn, mit dem der Entfall der Zusatzleistungen abgegolten wäre.

2. Jahr:

Urlaub an sich:
29-25 Urlaubstage = 4 Tage
36h/Woche = 7,2h/Tag = 28,8h als Urlaub bezahlte Freizeit (4*7,2h)

Urlaubsgeld
50% vom Urlaubsentgeld = 29 Urlaubstage * 7,2h * 0,5 = 104,4 fiktive Stunden, für die es ein Entgelt gibt.

Weihnachtsgeld:
30% eines Monatslohns
36h/Woche * 13 Wochen/3 Monate / 3 Monate * 0,3 = 46,8 fiktive Stunden, für die es ein Entgelt gibt.

Summe: 28,8+104,4+46,8 = 180 zusätzlich bezahlte Stunden

Umrechnung der Zusatzleistungen auf Produktivstunden:
7,2h/Tag * (260 Arbeitstage/Jahr - 29 Urlaubstage - 12 Feier-/Krankheitstage = 219 effektive Arbeitstage) = 1576,8h/Jahr Arbeitszeit
1576,8+180 = 1756,8 bezahlte Stunden
1756,8/1576,8 = 1,11 Faktor zwischen Nominallohn und dem Lohn, mit dem der Entfall der Zusatzleistungen abgegolten wäre.

Aber: Es wären 300 EUR Urlaubs- und Weihnachtsgeld bei der ZAF gegenzurechnen, was leider nicht so einfach in die Berechnung eines Faktors einfließen kann, da das Urlaubs- und Weihnachtsgeld eben fix ist und nicht abhängig von den Stunden.
Tatsächlich sinkt also der Faktor zwischen E-Handwerk und Zeitarbeit im 2. Beschäftigungsjahr, natürlich nur, sofern man es schafft, so lange bei einer ZAF zu bleiben.

Rechnen kann man das jetzt natürlich nur mit reellen Zahlen.
300/12 = 25h Gegenwert in Zeit von Weihnachts- und Urlaubsgeld bei der ZAF
Somit wäre für's E-Handwerk nicht mehr mit 180h, sondern mit 155h Mehrwert zu rechnen:

1576,8+155 = 1731,8 bezahlte Stunden
1731,8/1576,8 = 1,10 Faktor zwischen Nominallohn und dem Lohn, mit dem der Entfall der Zusatzleistungen abgegolten wäre.

Pi mal Auge müßte man also in einer ZAF in den ersten beiden Jahren einen um 10% höheren Stundenlohn bekommen, um par mit dem Handwerker zu sein.
Bei 12 €/h verdiene ich also genauso viel, wie ein Elektriker im E-Handwerk, der einen Stundenlohn von 10,90 € hat.


Im fiktiven 5. Jahr sähe der Vergleich übrigens so aus:

Urlaub an sich:
30-30 Urlaubstage = 0 Tage

Urlaubsgeld
50% vom Urlaubsentgeld = 30 Urlaubstage * 7,2h * 0,5 = 108 fiktive Stunden, für die es ein Entgelt gibt.

Weihnachtsgeld:
50% eines Monatslohns
36h/Woche * 13 Wochen/3 Monate / 3 Monate * 0,4 = 62,4 fiktive Stunden, für die es ein Entgelt gibt.

Summe: 108+62,4 = 170,4 zusätzlich bezahlte Stunden

Umrechnung der Zusatzleistungen auf Produktivstunden:
7,2h/Tag * (260 Arbeitstage/Jahr - 30 Urlaubstage - 12 Feier-/Krankheitstage = 218 effektive Arbeitstage) = 1569,6h/Jahr Arbeitszeit
1569,6+170,4 = 1740 bezahlte Stunden
1740/1569,6 = 1,11 Faktor zwischen Nominallohn und dem Lohn, mit dem der Entfall der Zusatzleistungen abgegolten wäre.

Korrektur um die mit dem konkreten Lohn zu berechnenden Werte von Urlaubs- und Weihnachtsgeld (600 EUR): 600 EUR/12 €/h = 50h ->
1569,6+120,4 = 1690 bezahlte Stunden
1690/1569,6 = 1,08 Faktor zwischen Nominallohn und dem Lohn, mit dem der Entfall der Zusatzleistungen abgegolten wäre.

12 €/1,08 = 11,11 €/h.

Fazit: Wir bewegen uns also immer bei einem Faktor von max. 10-11%, um die Zusatzleistungen bei einer regulären Beschäftigung im E-Handwerks im Vergleich zu berücksichtigen. Real liegt der Faktor noch etwas geringer, da ein LAN grundsätzlich doppelt soviel für den Weg zur Arbeit steuerlich absetzen kann wie ein regulär Beschäftigter, hinzu kommt oft noch der VMA.
Bei einem laut Statistik durchschnittlichen Arbeitsweg von 11km wären das 3,3 EUR/Tag an Kosten, auf denen Festangestellte sitzen bleiben, denn ich behaupte, daß das Einsparpotential durch Fahrgemeinschaften und Monatskarten deutlich überbewertet ist, die 30 Cent pro gefahrenem Kilometer also realistisch sind, nicht aber 30 Cent je Entfernungskilometer.
Als Elektriker mit 7,2h pro Tag müßte man also bis zu 45 Cent zusätzlich an Nutto-Stundenlohn bekommen, um diese Mehrkosten wieder hereinzuholen.
Schafft man es sogar, den VMA geltend zu machen (z.B. 8h+1h Pause+1h An- und Abfahrt), dann sinkt der Faktor noch weiter, ggf. sogar unter 1.


Zur Berechnung der Feier-/Krankheitstage:
Wir haben in NRW 11 Feiertage, davon fallen aber fast immer wieder welche auf's Wochenende. In 2011 haben wir z.B. effektiv nur 8 Feiertage, 2010 waren es sogar nur 7, 2009 ebenfalls nur 8. 2012 werden es 10 sein und nur 2013 alle 11, 2014 aber schon wieder nur 10. Bei einer Annahme von 12 Feier- und Krankheitstagen sind also tatsächlich bereits 1-5 Krankheitstage eingeplant.

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BeitragVerfasst: 24.09.2011, 18:35 
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Übrigens:
Die obige Aufrechnung macht jeder Arbeitgeber so ähnlich auch auf, daraus bestimmt sich nämlich der Aufschlag, den für Produktivstunden erzielen muß, um die sonstigen Stunden zu bezahlen.
Der einzige Unterschied ist der, daß er nicht mit den Differenzen zwischen zwei Arbeitgebern rechnet, sondern mit den für ihn geltenden Rahmenbedingungen. Der errechnete Faktor fließt dann in seinen Stundensatz ein und damit sind wir dann voll im Thema drin.

Beispiel:
Elektriker Müller hat einen Stundenlohn von 12,50 €, einen Urlaubsanspruch von 30 Tagen/Jahr sowie 50% Weihnachtsgeld und 50% vom Urlaubsentgelt als Urlaubsgeld.

Aus Sicht seines Chefs kriegt Herr Müller 279 Arbeitstage im Jahr bezahlt, die sich aus 253 echten Arbeitstagen, den 11 Tagen für's Weihnachtsgeld und den 15 Tagen für's zusätzliche Urlaubsgeld zusammensetzen. Wirklich arbeiten tut Herr Müller aber nur an 211 Tagen davon, nämlich den 253 Arbeitstagen abzgl. 30 Urlaubs- und 12 Feier- und Kranktagen.

Der Chef rechnet nun also:
12,50 €/h * 1,19 (Für die AG-Anteile an den Sozialversicherungen) * 1,33 (Für die unproduktiven, aber bezahlten Zeiten) = 19,78 €/h
bzw. allgemein
x * 1,19 * 1,32 = x * 1,57

Hinzu kommen weitere Faktoren für die sonstigen Kosten (Lohnbuchhaltung, Werkzeug, ...), womit sich der im Handwerk übliche Gesamtfaktor von 1,8-1,9 erklärt. Die Industrie rechnet mit etwas mehr, nämlich gut 2. Das dürfte aus weiteren Leistungen (Mehr Weiterbildungen, bewirtschaftete Kantine statt reinem Pausenraum, etc.) resultieren.

Warum ich das ganze erzähle?

Nun, es führt uns direkt zu einer Lebenslüge der Zeitarbeit nach dt. Muster und dazu, wie offensichtlich diese eigentlich für jeden mit Grundkenntnissen in Wirtschaftslehre auf Berufsschullevel sein müßte!

Eigentlich müßten ZAF ganz genauso rechnen, aber noch zusätzlich die entleihfreien Zeiten mit berücksichtigen. Auf dieser Grundlage erklärt sich letztendlich der (ursprünglich) niedrigere Lohn, der geringere Urlaubsanspruch und niedrigere Sonderzahlungen wie Urlaubs- und Weihnachtsgeld:
Herr Schmitz ist auch Elektriker, aber bei einer ZAF. Er ist im 2. Jahr und hat Anspruch auf 300 EUR Urlaubs- und Weihnachtsgeld sowie 25 Urlaubstage. Die 300 EUR entsprechen bei 12 EUR/h also 25h und somit ca. 3,5 Tagen. Er bekommt also im Gegensatz zu Herrn Müller nur 268,5 Tage bezahlt, obwohl er immerhin schon 216 wirklich arbeitet. Damit hat er einen Faktor von 1,24, an SV fällt genauso viel an wie für Herrn Müller:
12 €*1,19*1,24 = 17,71 €
oder allgemein:
x*1,19*1,24 = x*1,48

Schon ohne entleihfreie Zeiten sind wir also fast bei einem Faktor von 1,5, der mit steigender Betriebszugehörigkeit noch weiter anwachsen würde (Herr Schmitz im 5. Jahr: 1,28 für Urlaub und Sonderzahlungen, bzw. 1,5232 insgesamt). Nehmen wir einfach mal nur 10 Tage entleihfreie Zeit im Jahr an, wären wir bei 1,55 bis 1,61 als Gesamtfaktoren aus SV und unproduktiven Zeiten sowie Sonderzahlungen.
Das bedeutet, daß eine ZAF für einen MA mit 12€/h allein schon 19,32 €/h an Selbstkosten hätte, wenn sie es so weit (Also ins 5. Jahr) kommen ließe. Aber schon im ersten Jahr muß sie eigentlich 18,60 €/h an Selbstkosten annehmen.
In beiden Fällen sind sonstige Kosten, wie Lohnbuchhaltung, Gehälter der internen Mitarbeiter, etc. pp. noch gar nicht berücksichtigt!

Nun, aber tun sie das auch?
Man braucht eigentlich nur die Netto-Stundensätze der ZAF anzuschauen, um festzustellen, daß die ZAF eine andere Kalkulation aufmachen müssen. Stundensätze um die 20 EUR sind einfach nicht machbar, wenn die ZAF nicht "korrigierend" auf die o.g. Faktoren einwirkt, obwohl sie eigentlich unumstößlich sein müßten, immerhin stehen sie im Gesetz oder Tarif.
In meinen Augen ist das so gut wie ein Geständnis, daß man nicht beabsichtigt, sich an geltendes Recht und/oder den Tarif zu halten.

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BeitragVerfasst: 24.09.2011, 19:48 
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@ schimmelreiter...
nun haste mir und anderen das mal richtig vorgerechnet .

@ früherwaralles ...
sorry das sich für Dich da keinn Sinn erschließt .

Es ging hier einfach darum das man als LAN mitlerweile mehr netto hat als Festangestellter .
Und für mich ist entscheidend was ich am Monatsende netto übrig habe .

MfG


Ein Freund von mir ( fest angestellt ) arbeitet im technischen Bereich in einer großen Firma die CD´s herstellt .
40 Std.Wo und rollende Schichten - incl. aller Zuschläge 1200 netto minus 200 € allein Spritkosten .

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BeitragVerfasst: 24.09.2011, 19:58 
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Verdi ist gerade beim Mindestlohn wieder zurück gerudert, denn im Antrag standen 10,--€ beschloßen wurden 8,50€. Das ist alleine 1€ weniger als bisher von Verdi gefordert wurde.


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BeitragVerfasst: 24.09.2011, 21:03 
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unkraut hat geschrieben:
Es ging hier einfach darum das man als LAN mitlerweile mehr netto hat als Festangestellter .

Dem stimme ich ja auch zu, immerhin habe ich das selber gesagt :)
Uneingeschränkt richtig ist es aber nicht, es haben sich halt nur die Branchen und Betriebe der "normalen" Wirtschaft an die Löhne der Zeitarbeitsbranche angepaßt, die es können.

Im Gesundheitswesen gibt es z.B. nach wie vor eklatante Unterschiede zwischen Leihsklaven und Festangestellten. Da der überwiegende Teil der Krankenhäuser "staatlich" ist, ist man dort eben nicht so "flexibel" (Im Negativsinne), wie bei den Handwerkskrautern.

unkraut hat geschrieben:
Und für mich ist entscheidend was ich am Monatsende netto übrig habe .

Auch das ist im Prinzip richtig.
Das ist aber nichts anderes, als das, was ich auch gesagt habe.

Vorher hattest Du nämlich das "übrig" vergessen. "2400 EUR netto" allein sagt den Mitlesern überhaupt nichts. Bei Lohnsteuerklasse 3 und 400km entferntem Einsatz (Also Unterkunft plus Fahrerei als Spesen) mit 48h-Woche wäre das ein schlechter Witz, bei Lohnsteuerklasse 5 wäre das ein Brutto an der Beitragsbemessungsgrenze, also bombastisch.

Aussagekräftig würde das erst, wenn Du dazuschreiben würdest, was davon Lohn/Gehalt und was Spesen sind und wofür Du die Spesenerstattung kriegst. Zumindest aber, ob von den Spesenerstattungen was übrig bleibt, weil sie entsprechend großzügig bemessen sind oder nur weil Du Dir eine tägliche Dosensuppe/Dose Ravioli auf dem Campingkocher unter der Brücke erhitzt.

Mir sind nämlich schon einige Flitzpiepen begegnet, die sich die eigene Ausbeutung anhand der Auslöse schöngerechnet haben, indem sie jeden Tag Nudeln mit Tomatensauce gefressen haben, um vom VMA das eigentliche Einkommen aufzubessern.

So tolle Angebote hatte ich auch schon: 50 EUR arbeitstägliche Auslöse, abzgl. 50 EUR für die Unterkunft für die ganze Woche. Irgendwie sowas um den Dreh. Super Sache ... der Einsatz wäre in Rotterdam gewesen und die Unterkunft ein Wohnwagen auf einem Campingplatz, der so schlecht ist, daß er nicht im Campingführer steht. Und dann auch noch fremde Leute mit im selben Wohnwagen!
Ich habe mir versucht, das schönzureden: 50 EUR * 22 = 1100 EUR monatlich, abzgl. 200 EUR = 900 EUR, so um den Dreh war das. Also richtig Schotter ... um den Preis, während des Einsatzes mehr als 2/3 meiner Lebenszeit wegzuschmeißen um stattdessen zu vegetieren. Der Gedanke daran, mit irgendwelchen wildfremden, furzenden Vollasi im selben Wohnwagen zu hausen, auf's selbe beschmierte Klo zu gehen und mich aus Billigdosen zu ernähren, damit meine vorgenannten Rechnung aufgeht, hat mich die Nacht vor der Abfahrt den gesamten Schlaf gekostet, so daß ich am Morgen nur noch den Disponenten angerufen habe, um mitzuteilen, daß ich den Einsatz nicht antreten werde.

Da kann ich auch meine Ernährung zuhause auf Tütensuppe umstellen und das gesparte Geld nochmals meinem Netto zurechnen, dann vor den Spiegel legen ...

Ich will nämlich nicht nur nicht leben um zu arbeiten, sondern arbeiten um zu leben. Nein, mir ist auch das Leben zu kurz, um Scheiße zu fressen. Auch dafür habe ich in der Schule aufgepaßt und einen Beruf gelernt.
Wer mich auf Montage schicken will, hat mir eine anständige Unterkunft zu besorgen oder zu bezahlen, was bedeutet: Sauber, eigenes Klo, eigene Dusche. Zusätzlich eine normale warme Mahlzeit am Tag bzw. die Mehrkosten davon im Gegensatz zur Zubereitung zuhause. Dazu eine angemessene Entschädigung dafür, meinen Feierabend nicht im gewohnten Umfang genießen zu können. Erst wenn dann noch was übrig bleibt, kann ich das als "übrig" betrachten.

unkraut hat geschrieben:
Ein Freund von mir ( fest angestellt ) arbeitet im technischen Bereich in einer großen Firma die CD´s herstellt .

Jetzt sag nicht CinRaM ...

unkraut hat geschrieben:
40 Std.Wo und rollende Schichten - incl. aller Zuschläge 1200 netto minus 200 € allein Spritkosten .

Die Spritkosten hat er ja in einem gewissen Umfang selber im Griff, sofern er nicht befristet da eingestellt ist.

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„Es gibt kein gutmütigeres, aber auch kein leichtgläubigeres Volk als das deutsche. Keine Lüge kann grob genug ersonnen werden, die Deutschen glauben sie. [...]” (Napoleon)


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BeitragVerfasst: 24.09.2011, 21:09 
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Registriert: 13.11.2008, 18:35
Beiträge: 632
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Übrigens:
Mindestens einer dieser Selbstbetrüger (= Ich mach aus meiner Auslöse Einkommen) ist übrigens auf dem Parkplatz vor der Arbeitstelle im Auto schlafend verstorben ... also jetzt nur bezogen auf Freier^WKunden, die ich kenne.

Durch die unnatürliche Haltung muß wohl die Pumpe schlappgemacht haben.

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„Es gibt kein gutmütigeres, aber auch kein leichtgläubigeres Volk als das deutsche. Keine Lüge kann grob genug ersonnen werden, die Deutschen glauben sie. [...]” (Napoleon)


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BeitragVerfasst: 25.09.2011, 07:18 
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Registriert: 17.10.2007, 19:12
Beiträge: 162
Wohnort: ehem. DDR
Guten Morgen ...
Ich bin der letzte der sich was schön rechnet . Dazu bin ich schon zu lange dabei und mit 50 möchte man in der Lage sein " betriebswirtschaftlich " zudenken . Ein Privathaushalt ist auch nix anderes als ein Betrieb , vereinfacht gesagt .
Ich wohne da genauso wie zu hause . Habe Zimmer / Küche / Dusche-WC .
Aber ich verstehe schon was Du meinst .
Und so was wie mit dem Wohnwagen habe ich von LAN Bauleuten gehört . Wollte es kaum glauben . Die haben mich eingeladen und ich habs gesehen .

Ohne jetzt drauf rum zu reiten
Zitat:
Vorher hattest Du nämlich das "übrig" vergessen

Zitat:
... zieh ich die Kosten fürs Auto ab ( incl. Rep.Rücklagen ) bin ich bei 16-1700 netto .
Zieh ich was ab ... ist was übrig .

MfG unkraut

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Noch Fragen Hauser ? Ja Kienzle , wer ist eigentlich Unkraut ?

Mein Buchtip als Gastautor >>> ISBN-10: 3771643945 / ISBN-13: 978-3771643942


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