ZeitarbeiterInnen - Ohne Organisation Machtlos

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 Betreff des Beitrags: Neue Bücher zum Thema
BeitragVerfasst: 22.10.2007, 22:07 
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Hallo,

im Sigma - Verlag ist ein neues Buch herausgekommen.
(Forschungsprojekt der Uni Wien)

Titel:

Die Unorganisierten gewinnen

Untertitel:
Gewerkschaftliche Rekrutierung und Interessenvertretung atypisch Beschäftigter - ein deutsch - österreichischer Vergleich.

Auf den Seiten 231 - 312 wird das Thema Leiharbeit behandelt.

""Moderner Sklavenhandel"? Gewerkschaftliche Strategien im Umgang mit Leiharbeit

Kurzbeschreibung unter:

http://www.univie.ac.at/bwl/soc/bwz/personal/Flyer.pdf

Wer 22,90 Euro übrig hat sollte sich das bestellen.


Karl


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BeitragVerfasst: 17.10.2008, 21:00 
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Hallo,

beim Siemens-Dialog der IGM unter:

http://dialog.igmetall.de/Newsansicht.3 ... &tx_ttnews[tt_news]=6193&tx_ttnews[backPid]=2&cHash=c6fe200c60

soeben gefunden.


Karl


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BeitragVerfasst: 17.10.2008, 23:05 
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Missstände aufzeigen ist natürlich gut, aber die Darstellung

Zitat:
Ähnlich sah es bei Bayer Schering aus, wo der Stundenlohn für von 4 Euro 50 bis 17,50 variierte - an ein und der selben Maschine.


zweifele ich jetzt ganz einfach mal an. Das stimmt so sicher nicht, das halte ich für frei erfunden, solange das Gegenteil nicht bewiesen ist.

Für mich wie gesagt eine frei erfundene Horrorgeschichte eines total übermotivierten Kollegen. Aber der Gegenbeweis ist natürlich möglich, dafür würde ich gerne mal die Abrechnungen beider Arbeiter in Kopie sehen. Die 4,50 und natürlich auch die 17,50 Euro.

Solange das nicht vorliegt, glaube ich hier kein Wort.

Viele Grüße

D.F.


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BeitragVerfasst: 18.10.2008, 22:40 
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Hallo D.F.,

Zitat:
dafür würde ich gerne mal die Abrechnungen beider Arbeiter in Kopie sehen. Die 4,50 und natürlich auch die 17,50 Euro.

Solange das nicht vorliegt, glaube ich hier kein Wort.


Das ist schon extrem. Trotzdem kann ich mir das als Ausnahme schon vorstellen.

4,50 Euro ist ein Haustarif der Christen in E1.

17,50 Euro könnte eine Facharbeiter sein, der im Akkordsystem arbeitet.


Falsche Einstufungen sowie im Akkord arbeiten müssen aber diesen als LAN nicht bezahlt bekommen ist keine Ausnahme sondern eher die Regel.

(Wenn es bei Bayer-Schering einen Haus-TV der Christen gibt hat der dortige BR sich auch noch nie darum gekümmert).


Karl


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BeitragVerfasst: 30.10.2008, 23:02 
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Hi Karl,

wie schon gesagt: Den Beweis halte ich durchaus für möglich, nur würde ich den dann gerne sehen.

Nach dem Fernsehbericht bleibt von der Darstellung in "Siemens Dialog" aber ziemlich wenig stehen:

1.) B. war wohl überhaupt nicht an Opel verliehen, sondern an einen Dienstleister, der auf dem Werksgelände von Opel sein Unwesen treibt.
2.) Von 4,50 Euro bei Schering war auch nicht die Rede, sondern von 6,42 Euro (das ist BZA E1 Ost). Die Tätigkeit wurde ohne einschlägige Ausbildung nach angeblich 2 Tagen Einweisung durchgeführt. Der Vergleich mit einem Facharbeiterlohn (17,50 Euro ohne Zulagen halte ich da durchaus für möglich) scheint doch ein bisschen unangebracht.
3.) Der angebliche Stundenlohn von 2,50 Euro auf dem Erdbeerfeld entpuppte sich als ein Leistungslohn bzw. als seine untere Grenze. Macht die miese Sache zwar nicht viel besser, aber ist einfach ein deutlicher Unterschied.

Die Frage muss schon erlaubt sein: Warum muss man bei solchen Artikeln immer noch ein bisschen was dazuerfinden?

Viele Grüße

D.F.


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BeitragVerfasst: 20.04.2009, 13:51 
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Das Thema hier ist ja nun schon etwas älter, hatte ich daher wohl nie beachtet.

Solche Lohnunterschiede gibt es.

Ich war vor ein paar Jahren in einem Metallbetrieb eingesetzt.
Arbeiten an einem Produktionsband.
Dort hatte ich selber damals 8,54 €
Der Festangestellte neben mir, welcher die gleiche Arbeit machte hatte eingefrohrenen Akkordlohn von 17,30 € die Stunde. Dabei musste ich ihm noch sagen, was nun Produziert werden muss, da er nicht gut mit der firmeneigenen PC Anlage klar kam.
Desweiteren kann ich sagen, das es in dem Betrieb an der Linie Leiharbeiter gab, die 5,50 € die Stunde bekamen. Er hat ebenfalls die gleiche Arbeit gemacht wie der Festangestellte oder ich.

So habe ich hier schon eine Spanne von 5,50€ - 17,30 €.

Daher sehe ich die oben angegebene Differenz als absolut glaubwürdig an.


mfg

_________________
Ein Leiher unter vielen.
Ja, ich bin IGM - Mitglied.


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 Betreff des Beitrags: Re: Neue Bücher zum Thema
BeitragVerfasst: 12.07.2010, 19:22 
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Hallo,

mal ein neues lesenswertes Buch einer ehemaligen ZAF-Unternehmerin die 2009 mit ihrer ZAF in Insolvenz ging.

Hier: http://www.zeitarbeit-nachrichten.de/in ... 0&Itemid=1[/url]
ein kurzer Hinweis im Internet mit Verweis auf einen Presseartikel.

Das Buch hat den Titel:
Der Tagelöhner
Abschied von meiner Illusion der fairen Zeitarbeit.
Verfasserin Sabine Passafaro
(ISBN: 9783852519913 )

Werde mal ein paar Passagen aus dem Buch einstellen. Sozusagen eine Leseprobe.

Immerhin aus dem Innern der ZAF-Branche mal eine Stimme die ungeschminkt einen Blick auf die Zustände sich leistet.

Seite 21-22:
Die Kleinen trifft es immer zuerst und am härtesten, meint meine Mutter. Mit "Kleinen" sind meine Mitarbeiter gemeint. Meine Eltern haben beide von der Lehre bis zur Rente im Angestelltenverhältnis gearbeitet. Mein Vater war auch immer gewerkschaftlich sehr aktiv. Sie konnten es nie so richtig verstehen, dass ich die Seiten gewechselt habe und Unternehmerin geworden bin und dann auch noch in der Zeitarbeit. Für meinen Vater war die Zeitarbeit schon immer nur ein "kapitalistisches Instrument" um die Tarifverträge zu umgehen und so billige Arbeitskräfte zu rekrutieren die dann jederzeit auf die Strasse gesetzt werden können. Mein Argument ist dann immer , dass ich niemanden zwinge einen Arbeitsvertrag zu unterschreiben und dass die Zeitarbeit, wie das Wort schon sagt (Arbeit auf Zeit), eigentlich zur Überbrückung oder zur Wiedereingliederung gedacht ist-oder besser gesagt-war. Seit sich die Personaldienstleister ab dem Jahr 2004 tariflich binden mussten und im Gegenzug dafür die Überlassungsfristen und das Synchronisationsverbot aufgehoben wurde, geht es tatsächlich immer mehr in die Richtung, dass sich die Unternehmen einen gewissen ständigen Anteil an Zeitarbeitnehmern halten und somit Festeinstellungen umgehen. Die Zeiten, dass Leiharbeiter nur bei Auftragsspitzen oder für Krankheits- und Mutterschaftsvertretungen eingesetzt wurden, sind vorbei. Und auch der sogenannte "Klebeeffekt" mit welchem sich die Personaldienstleister gerne rühmen, also dass viele Zeitarbeitnehmer in ein festes Arbeitsverhältnis beim Kunden übernommen werden, gibt es nur noch selten......Vielen Arbeitnehmern, ganz besonders den Ungelernten und denen die unsere Gesetze (ihre Rechte) nicht so gut kennen, verstehen gar nicht was da mit ihnen gemacht wird.....

Seite 31-33:
Freimeldungen ohne Ende, inzwischen haben wir 25 Mitarbeiter ohne Einsatz. Auch wenn 10 davon in zwei Wochen ausscheiden, sind es immer noch 15...ich muss die nächste Kündigungswelle vorbereiten....Während ich die Kündigungsfristen checke....klingelt Selma bei mir durch, Herr Nied der Onsitemanager ist hier und möche kurz mit dir sprechen.
O.k. sag ich, soll reinkommen.
Ich denk mir noch nichts Schlimmes dabei. Meistens kommt er unangemeldet vorbei wenn etwas mit den rechnungen nicht stimmt....Ich bitte ihn zu setzen und er meint, es wäre besser wenn ich mich auch setze.....Die Lage bei unserem Grosskunden hat sich dramatisch verschlechtert...Eigentlich hatte ich ja mit 14 Freimeldungen gerechnet-jetzt sind es schon 15! Und ausgemacht war auch,dass sich die Freimeldungen bis Weihnachten verteilen....Aber es läuft darauf hinaus, fährt er fort, dass das gesamte Zeitpersonal bis Weihnachten abgebaut werden muss....Ja, sagt er, momentan sehe ich keine Chance die Mitarbeiter, die jetzt freigemldet werden in absehbarer Zeit ieder vernünftig einzusetzen. Wenn überhaupt noch Personal angefragt wird dann sind entweder die Preise jenseits von Gut und Böse oder die Arbeitsbedingungen.


Seite 44:
Viele Unternehmen planen für dieses Jahr sehr lange Weihnachtsferien, zum Teil wird der letzte Arbeitstag vor Weihnachten bereits der 12. Dezember sein und im Januar soll dann erst wieder ab dem 19.ten gearbeitet werden. Das wären 5 Wochen Stillstand!...Zudem haben einige der Personalchefs angedeutet, dass sie Angebote von anderen Personaldienstleistern vorliegen haben, die unsere Stundensätze um bis zu vier Euro unterbieten.

Seite 47:
Drei Mitarbeiterinnen waren zusammen gekommen. Sie wollten nicht einzeln zu mir ins Büro...Diese drei sind seit 5 Jahren beim selben Kundenbetrieb im Einsatz. Davor waren alle drei mit befristeteten Arbeitsverträgen bei eben diesem Betrieb direkt eingestellt.
Da dieser Betrieb nach dem Befristungsgesetz, dann diese Frauen nicht mehr erneut mit einem befristeten Vertrag weiterbeschäftigen konnte und es angeblich aus betrieblichen Gründen nicht möglich war unbefristete Arbeitsverhältnisse zu machen, wurde den dreien gesagt, dass sie sich eine Zeitarbeitsfirma suchen sollen über diese könnten sie dann weiterarbeiten.....Zurück zu den 3 Damen deren Einstellung bei uns, nur als Übergangslösung gedacht war. Inzwischen sind 5 Jahre vergangen und jede dieser Mitarbeiterinnen war nun insgesamt 9 Jahre ohne Unterbrechung in diesem einen Betrieb beschäftigt.


Seite 54-55:
Mein Telefon klingelt. Es ist Sandra meine Rechtsanwältin...Versuche deine Mitarbeiter zu beruhigen, empfiehlt sie mir, biete am besten Weiterbildungen an und mache ihnen Hoffnungen auf einen neuen Einsatz. Solange die gekündigten Mitarbeiter das Gefühl haben, dass ihr euch wirklich sehr um eine Weiterbeschäftigung über die Kündigungsfrist hinaus bemüht, umso geringer die Wahrscheinlichkeit, dass sie eine Klage einreichen.

Das sollte mal reichen als Anreiz um sich das Buch für 17,90 Euro zu leisten wer sich den Betrag leisten kann.

Ich frage mich nur warum die Autorin bei aller Offenheit über die Zustände aber erst dann zu einer Reflektion über diese Zustände kommt, wenn ihr selber das Wasser bis zum Hals steht.

Nachdem jetzt die Krise wieder für erledigt erklärt wird herrscht in der Branche schon wieder Aufbruchstimmung.

Faire Leiharbeit?

Karl

PS:
Es handelt sich um diese ehemalige ZAF in Villingen:
http://www.competenz.com/ind_kon.html


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 Betreff des Beitrags: Re: Neue Bücher zum Thema
BeitragVerfasst: 26.07.2010, 14:24 
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Hallo,ich habe das Buch gelesen.Wer will, dem kann ich senden.Nur gegen Portokosten.Der kann dann, nachdem er gelesen hat,genauso an andere LAN senden.


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 Betreff des Beitrags: Re: Neue Bücher zum Thema
BeitragVerfasst: 11.10.2010, 10:25 
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zur Leseprobe DER Tagelöhner - von Karl 12.07.2010.

Hallo zusammen, ich bin die Autorin, des Buches DER TAGELÖHNER und habe fast 20 Jahre in führender Position in der Branche gearbeitet. Zu der Frage von Karl :

"Ich frage mich nur warum die Autorin bei aller Offenheit über die Zustände aber erst dann zu einer Reflektion über diese Zustände kommt, wenn ihr selber das Wasser bis zum Hals steht."

Bis zum Jahr 2004, habe ich meinen Job wirklich gerne gemacht - ich habe viele Arbeitssuchende in eine Festanstellung bei meinen Kunden vermitteln können - und ich habe auch "einigermaßen" anständige Löhne bezahlen können. Doch dann kamen die Arbeitsmarktreformen und die Deregulierung der Zeitarbeit. Das Sychronisationsverbot wurde aufgehoben - also der Verleiher konnte nun Auftragsbezogen einstellen und befristen. Das war vor den Reformen nicht möglich - die Zeitarbeitsfirma war sogar verpflichtet mindestens einen Zweiteinsatz, der die Dauer des Ersteinsatzes zeitlich übersteigt, zu organisieren. Ohne einen entsprechenden Zweiteinsatz konnte der Leiharbeiter nicht gekündigt werden. Die Überlassungsdauer wurde aufgehoben - als ich in der Zeitarbeit begonnen habe, durfte ein Leiharbeitnehmer höchstens 3 !!! Monate im selben Betrieb eingesetzt bleiben, danach musste sich der Entleiher überlegen, ob er den Mitarbeiter übernehmen will! Heute kann der Entleiher den selben Leiharbeiter unbegrenzt über die Zeitarbeit einsetzen - deshalb sind Übernahmen in eine Festeinstellung immer seltener geworden.
Das größte Problem aber waren die Tarifverträge, die sind ja für jedermann einzusehen und es ging nicht lange, da haben meine Kunden meine Preise nicht mehr akzeptiert. Schließlich wußten die ja nun welchen Tarif ich anwende (BZA) und was meine Mitarbeiter verdienen. Meine Argumentation, dass ich meine Mitarbeiter übertariflich bezahle wurde meist mit folgendem Satz abgeschmettert:

Selber schuld, wenn sie übertariflich bezahlen, wir müssen auf die Kostendeckung achten - wir haben günstigere Angebote vorliegen. Entweder sie können mithalten oder wir werden das Leihpersonal künftig anderswo bestellen!

Nun ist es nicht so einfach, den Job zu wechseln wenn man ein eigenes Unternehmen führt - zudem noch eins, von dem das gesamte Familieneinkommen abhängig ist. Ich gebe zu, dass ich mich in dieser Zeit ziemlich hilflos gefühlt habe - meine Aufgabe, die "alten, teueren" Mitarbeiter mit ihren unbefristeten Verträgen loszuwerden und dafür neue, billige Mitarbeiter befristet einzustellen, hat mir wirklich keinen Spaß gemacht - aber der Wettbewerbsdruck war groß. Das ich diese Aufgabe nicht gerade "gut" gelöst habe, sieht man daran, dass ich es schlußendlich nicht geschafft habe mein Unternehmen den neuen Marktbedingungen anzupassen...

Übrigens: das Buch gibt es bei AMAZON für 13,50 Euro


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 Betreff des Beitrags: Re: Neue Bücher zum Thema
BeitragVerfasst: 11.10.2010, 20:24 
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Guten Tag Frau Passafaro,

meine Frage vom 12.07.
"Ich frage mich nur warum die Autorin bei aller Offenheit über die Zustände aber erst dann zu einer Reflektion über diese Zustände kommt, wenn ihr selber das Wasser bis zum Hals steht."

beantworten Sie so:
Zitat:
Nun ist es nicht so einfach, den Job zu wechseln wenn man ein eigenes Unternehmen führt - zudem noch eins, von dem das gesamte Familieneinkommen abhängig ist.

Das glaube ich ihnen gerne. Nur, das unternehmerische Risiko war nicht erst 2009 in der Krise gegeben. Und dieses unternehmerische Risiko wird in der ZAF-Branche schneller als in anderen Branchen auf die Beschäftigten abgewälzt.

Mit freundlichen Grüssen
Karl

PS: Kann das Buch von Frau Passafaro nur empfehlen. Und da es wieder auf Weihnachten zugeht und viele wieder mal nicht wissen was man seinen Lieben, Verwandten, Bekannten etc. schenken soll wäre das doch eine preiswerte Lösung. Das Thema ist nach wie vor brandaktuell.

http://www.amazon.de/Tagel%C3%B6hner-Sa ... 3852519918
gibt es aber auch hier:
http://www.buchhandel.de/detailansicht. ... 5251-991-3


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 Betreff des Beitrags: Re: Neue Bücher zum Thema
BeitragVerfasst: 12.10.2010, 10:51 
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Sehr geehrter Karl,

das schreibe ich auch in meinem Buch:

Mein Vater hat immer gesagt, eine Kuh die noch Milch gibt, schlachtet man nicht! - aber jetzt gibt die Kuh keine Milch mehr.... Ohne diese Krise, hätte ich mein soziales Gewissen wohl nicht so bald entdeckt...

Bei der Firmengründung Anfang der 90 ger Jahre konnte ich nicht wissen, dass die gesetzlichen Bedingungen der Zeitarbeit sich so verändern würden. Damals hatte die Zeitarbeit einen unverdient schlechten Ruf, denn die Gesetze waren streng und es wurde regelmäßig kontrolliert! Nach der Deregulierung der Zeitarbeit im Jahr 2004 sind die Zeitarbeitsfirmen wie die Pilze aus dem Boden geschossen - die Zeitarbeit war plötzlich "salonfähig" geworden und das Unternehmerrisiko war minimiert. Alle "neuen" Unternehmen dürfen seither in den ersten 4 Jahren ihres Bestehens die Arbeitsverträge unbegrenzt hintereinander befristen. Die "neuen" Unternehmer können sich seither gegen kleines Geld gegen Arbeitslosigkeit versichern. Synchronisationsverbot und Überlassungsfristen wurden aufgehoben. Das hat den Wettbewerb stark verzerrt. Durch die große Anzahl der "neuen" Zeitarbeitsunternehmen und da ja dann alles unter dem Deckmantel der Tarifverträge zu sein schien, wurde kaum noch kontrolliert - den Landesarbeitsämtern fehlen die Leute um überhaupt noch regelmäßig zu kontrollieren. Ich habe bis heute noch nie davon gehört, das seitens der Gewerkschaften kontrolliert wurde, ob die Tarifverträge auch eingehalten werden! Ein "neues" Unternehmen versucht meist über den Preis den Markt zu erobern. Ich habe Angebote gesehen mit unter 10 Euro für eine Hilfskraft und wenn der Entleiher 10 Leiharbeiter anfordert gibt´s den 11 ten umsonst dazu! Was kann da der Leiharbeiter noch verdienen??? Mir ist es eben nicht gelungen meine Mitarbeiter so weit in den Löhnen zu drücken, um mit solchen Angeboten mithalten zu können...
Eines möchte ich noch anmerken: ich erhalte viele Zuschriften von Leiharbeitnehmern bezgl. meines Buches und es ist erschreckend, wieviele schon über 10 Jahre in der Zeitarbeit beschäftigt sind und das zum großen Teil mit befristeten Verträgen! So war doch die Zeitarbeit nicht gedacht... es ging ursprünglich um die Wiedereingliederung auf dem Arbeitsmarkt oder die Überbrückung von Leerlaufzeiten, also um kurzfristige Zeitarbeitsverhältnisse mit den bekannten Lohneinbusen. Leider werden es immer mehr (immer wieder neu befristete) Dauerarbeitsverhältnisse, was meiner Meinung nach eine große staatliche Subventionierung der Arbeitskraft darstellt, denn viele der Leiharbeiter, gerade im Helferbereich sind auf die Hartz4 Aufstockung angewiesen. Die Frage ist, wer verdient an den eingesparten Lohnkosten? Die Zeitarbeitsfirmen? Oder die Entleiher?

MfG
Sabine Passafaro


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 Betreff des Beitrags: Re: Neue Bücher zum Thema
BeitragVerfasst: 21.10.2010, 17:26 
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..und ein weiteres Buch zu dieser Thematik: http://www.leih-mir-dein-leben.de/

Habe es - im Gegensatz zum Buch von Passafaro - leider noch nicht gelesen....


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 Betreff des Beitrags: Re: Neue Bücher zum Thema
BeitragVerfasst: 25.11.2011, 10:30 
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Hallo,

mal wieder eine lesenswerte Studie:

Integrationshemmnis Leiharbeit von Sandra Siebenhüter

kostenlos erhältlich unter:

http://www.otto-brenner-shop.de/publika ... rbeit.html


Karl


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 Betreff des Beitrags: Re: Neue Bücher zum Thema
BeitragVerfasst: 28.12.2014, 20:02 
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Hallo,

habe diese Woche im Internet ein Buch entdeckt:

Gewerkschaften und Leiharbeit
Über den aktiven Umgang mit Leiharbeit bei der IG Metall


http://www.transcript-verlag.de/978-3-8 ... leiharbeit

Habe das Buch inzwischen gelesen. Man bekommt einen sehr guten Überblick wie sich in der IGM das Thema Leiharbeit durchgesetzt hat.

Die ersten hundert Seiten der Untersuchung kann man sich sparen. Da geht es um die Methode der Untersuchung. Ist auch dem geschuldet, dass die Untersuchung eine Dissertation zur Erlangung des Doktortitels der Verfasserin ist.

Ansonsten kann ich das Buch empfehlen falls er 36 Euro übrig hat.

Karl


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 Betreff des Beitrags: Re: Neue Bücher zum Thema
BeitragVerfasst: 02.06.2016, 12:18 
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Hallo,

Jürgen Ulber hat sein altes aktualisiertes Buch aus 2oo4 "Arbeitnehmer in Zeitarbeitsfirmen" ganz neu herausgebracht.

Hier der link zum Bund Verlag:

http://www.bund-verlag.de/shop/arbeits- ... 428-9.html

Ganz am Ende unter Dokumente kann man das Vorwort anklicken plus das Inhaltsverzeichnis.

Wer 20 Euro übrig hatt dem würde ich empfehlen sie dort anzulegen.


Karl


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 Betreff des Beitrags: Re: Neue Bücher zum Thema
BeitragVerfasst: 03.06.2016, 11:07 
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Beiträge: 181
Wenn die derzeit in Diskussion befindlichen Änderungen umgesetzt sind, ist das Buch schon wieder veraltet.


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 Betreff des Beitrags: Re: Neue Bücher zum Thema
BeitragVerfasst: 03.06.2016, 11:28 
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Hallo DDEnte,
Zitat:
Wenn die derzeit in Diskussion befindlichen Änderungen umgesetzt sind, ist das Buch schon wieder veraltet.

Die derzeitigen Änderungen betreffen in diesem Buch das Kapitel VII also 12 Seiten von über 300 Seiten.

Karl


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 Betreff des Beitrags: Re: Neue Bücher zum Thema
BeitragVerfasst: 31.01.2017, 12:12 
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Registriert: 30.01.2017, 16:58
Beiträge: 10
ich finde "Knecht zweier Herren" immer noch eines der interessantesten Bücher zu dem Thema. Ist meiner Meinung nach etwas zu kritisch, aber dennoch sehr informatuiv. Vor allem der Teil, der die Entwicklung der Leiharbeit beschreibt


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