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BeitragVerfasst: 01.12.2017, 20:38 
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Beiträge: 3
Hi, ich hatte folgenden Beitrag vorhin versehentlich ins falsche Unterforum geposted :)

Hallo zusammen,

ich habe eine Frage bzgl des Branchenzuschlags bzw auch der Deckelung.
Ich bin seit dem 15.05. bei einer Leihfirma angestellt und hatte als Einstiegsgehalt
den Anfangslohn von EG4 + einer Zulage von 2,32.
Seit dem 15.11. bin ich folglich mit der Probezeit fertig.
Eigtl hatte ich erwartet, dass ich nun den Lohn von 15,83 bekommen würde.
Anfang dieser Woche hat jedoch meine Leihfirma mich angerufen und gesagt,
man habe nun einen Vergleichslohn vom Kundenbetrieb erhalten.
Dieser belaufe sich nun auf 15,11. Ist das alles ok so?
Weiterhin sagte sie mir, ich habe aber Anspruch auf das gleiche Weihnachtsgeld und Fahrtengeld wie die Stammmitarbeiter? Wie kann man das nachprüfen alles? Oder muss man diese Informationen einfach hinnehmen.
Auf weitere Nachfrage hieß es, dass auch zukünftig keine Lohnerhöhung gemäß der Branchenzuschläge zu erhoffen sei.
Ich finde das gesamte Abrechnungswerk doch etwas undurchsichtig und erhoffe mir hier ein
wenig Aufklärung seitens des Forums.

Danke an euch im vorraus


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BeitragVerfasst: 04.12.2017, 15:07 
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Registriert: 06.05.2010, 09:31
Beiträge: 206
Hm, Deine Frage ist nur schwer zu beantworten.

Grundsätzlich ist richtig: Wenn Du mit Branchenzuschlag überlassen wird, dann kann das gedeckelt werden. Und zwar (solange es noch nicht 15 Monate sind) auf einen Vergleichslohn abzgl. 10%. Die genaue Höhe hängt dann von der Branche ab. Wenn Du das genau wissen willst, dann google einfach mal die Verträge, der gebräuchlichste ist wahrscheinlich der TV BZ ME (für Metall- und Elektroindustrie).

Ob der Vergleichslohn korrekt ist, ob Du richtig eingruppiert bist - das sind alles Fragen, die dann noch zu klären wären.
Wenn Du da ernsthafte Zweifel hast: Frag doch einmal einen Kollegen des Kunden (der eine vergleichbare Arbeit wie Du macht), was er verdient. Wenn das dann deutlich abweicht von dem Vergleichslohn, den Dir Deine ZAF mitteilt, dann hast Du einen Hebel und kannst weiter nachforschen. Ich glaube, theoretisch hast Du auch einen eigenen Auskunftsanspruch und kannst Deinen Entleiher (die Kundenfirma) nach dem Vergleichslohn fragen - aber das wäre ehrlich gesagt schon ziemlich blöd von denen, wenn die Dir einen anderen Vergleichslohn mitteilen als Deiner ZAF...


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BeitragVerfasst: 04.12.2017, 16:40 
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Registriert: 27.12.2004, 14:20
Beiträge: 2615
Wohnort: Augsburg
Hallo Timko12,
Zitat:
Auf weitere Nachfrage hieß es, dass auch zukünftig keine Lohnerhöhung gemäß der Branchenzuschläge zu erhoffen sei.
Ich finde das gesamte Abrechnungswerk doch etwas undurchsichtig und erhoffe mir hier ein
wenig Aufklärung seitens des Forums.

Unter: http://www.personalorder.de/magazin/mai ... r_2012.pdf

ist die Auslegung der BZ durch die IGM eingestellt.Bei §2 Branchenzuschlag in Punkt 4 „Deckelung“
des Branchenzuschlags (§ 2 Abs.4 TV BZ)
Seite 7-8 heißt es auf Seite 8:

Der Vergleich erfolgt anhand des tatsächlichen Entgelts eines vergleichbaren Arbeitnehmers, es muss somit eine konkrete Betrachtung erfolgen. Einzubeziehen in diese Betrachtung sind sämtliche regelmäßig gezahlten Entgeltbestandteile, d.h. die Grundvergütung, Leistungsbestandteile usw. Ein Vergleich mit einer abstrakten Entgeltgruppe und dem rein tariflichen (Grund-) Entgelt entspricht nicht der Tarifvorschrift und wäre unzulässig.

Es stellt sich die Frage ob die angegebenen 15,11 Euro nur der nackte Tariflohn des "vergleichbaren" Stammarbeiters sind oder auch eventuelle Zulagen beinhaltet.
Grundsätzlich gilt: Der LAN kann durch den BZ nicht mehr erhalten als der Stammarbeiter. Und deine freiwillige Zulage von 2,32 kann auf den BZ angerechnet werden solange er den BZ nicht übertifft.

Karl


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BeitragVerfasst: 07.12.2017, 17:40 
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Registriert: 01.12.2017, 17:43
Beiträge: 3
Hallo, Dabke für die Antworten.
Diese 15,11 sind der Stundenlohn.
Der Kundenbetrieb meinte, dass sei der Vergleichslohn mit einem ähnlichen Mitarbeiter.
Allerdings würde es keine weiteren Zahlungen wie Urlaubs oder Weihnachtsgeld geben, ebenso VWL, wie es die Stammarbeiter bekommen gibt es nicht. Dies wäre erst ab 15 Monaten der Fall??
Dachte eigtl. Dass equal pay ab 9 Monaten gilt, oder gibt es da auch Ausnahmen?


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BeitragVerfasst: 08.12.2017, 14:00 
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Hallo Timko12,

Zitat:
Dies wäre erst ab 15 Monaten der Fall??
Dachte eigtl. Dass equal pay ab 9 Monaten gilt, oder gibt es da auch Ausnahmen?


Die gesetzliche equal-pay- Regelung nach 9 Monaten gilt für Metallbetriebe wenn sie keinen BZ (Branchenzuschlagstarifvertrag) anwenden. Dann hat man definitiv Anspruch auf equal-pay und equal-treatment (gleiche Arbeitsbedingungen) wie Urlaubsdauer etc.
Nach 18 Monaten muß dann zwingend vom Entleiher eine Übernahme angeboten werden oder die Abmeldung erfolgen.

Hat der Entleihbetrieb eine BV zur Anwendung der BZ abgeschlossen, kann er erstens die equal-pay-Regelung nach 9 Monaten umgehen muß aber spätestens nach dem 15 Monat ein vergleichbares Entgelt (ist aber nicht dasselbe wie equal-pay) wie an die Stammarbeiter bezahlen. Zweitens muß er in seiner Betriebsvereinbarung vereinbaren nach wieviel Monaten er eine Übernahme bzw. Abmeldung vornimmt. Maximal kann er 48 Monate Überlassung abschließen. Dann wird wieder die Übernahme oder Abmeldung fällig.

Karl


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BeitragVerfasst: 22.08.2018, 13:54 
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Beiträge: 3
Hallo,
da meine 15 Monate mittlerweile erreicht sind würde ich mich gerne nochmal informieren.
Seitens des Lohnes hat sich nichts verändert bei mir.
Jedoch bei etlichen Kollegen von mir. Anmerken möchte ich, dass diese mit EG1 eingestuft sind. Ich mit EG4.
Es ist so, dass diese mittlerweile mehr verdienen als ich, nämlich 15,66, also die höchste Stufe des EP.
Was hat das ganze mit equal pay zu tun, wenn das so gehandhabt wird?
Welche Möglichkeiten habe ich hier?


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BeitragVerfasst: 28.08.2018, 15:17 
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Beiträge: 206
Hm. Hört sich alles merkwürdig an.

Wie oben schon geschrieben: Die können Dich "deckeln" bei einem Vergleichslohn abzüglich 10%. Das werden die wahrscheinlich am Anfang gemacht haben. Das geht aber nur bis einschl. 15. Monat, danach kriegst Du ENTWEDER E4 + 65% (Stufe 6) ODER Du wirst auf Equal Pay "gedeckelt", aber ohne 10% Absug und Equal Pay mit allen anderen Leistungen (Weihnachtsgeld, Urlaubsgeld, ...), je nachdem, was beim Kundenbetrieb gezahlt wird.

Es klingt nicht wirklich nachvollziehbar, dass andere aus E1 inzwischen mehr bekommen als Du - macht ihr denn alle die gleiche Arbeit? Dann ist doch irgendjemand falsch eingruppiert...

Du hast Anspruch darauf, dass Du eine genaue Auskunft über das Vergleichs-Entgelt bekommst. Gesetzlich hast Du den Anspruch gegenüber dem Kunden, den kannst Du (am besten Schriftlich) anfragen - aber eigentlich sollte Deine ZAF Dir das genau so gut erklären können.


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BeitragVerfasst: 28.08.2018, 19:38 
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Beiträge: 2615
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Hallo mitterer,

Zitat:
Du hast Anspruch darauf, dass Du eine genaue Auskunft über das Vergleichs-Entgelt bekommst. Gesetzlich hast Du den Anspruch gegenüber dem Kunden, den kannst Du (am besten Schriftlich) anfragen - aber eigentlich sollte Deine ZAF Dir das genau so gut erklären können.


a) Den Auskunftsanspruch hat man. Was der Entleiher aber als Vergleichsentgelt behauptet muß nicht richtig sein.

b) Und was die ZAF erzählt darauf würde ich mich auch nicht verlassen. Alles schriftlich anfordern und dann zur Rechtsberatung.

Kenne aktuell einen ähnlich gelagerten Fall:
Der LAN ursprünglich eingestuft in EG 3 - aber nach einem Jahr dann automatisch nach TV in EG 4 hochgestuft - ist im Einsatz auf einem Arbeitsplatz mit EG 2 für Stammarbeiter nach ERA.
Im Überlasservertrag sei angeblich nach Aussage der ZAF vereinbart, dass die LAN nach einem Jahr Einarbeitung mehr Lohn bekommen.
Der LAN hatte eine freiwillige Zulage der ZAF erhalten die dann im Lauf der 9 Monate durch die Branchenzuschläge aufgezehrt wurde. Ist natürlich zulässig.
Aber nach der Aufzehrung und mit Beginn der 5. Stufe (50 % Zuschlag) war die Zulage ca. 1 Euro niedriger als der 50%-Branchenzuschlag.
Nachfragen bei der ZAF wurden mit dem Überlasservertrag beschieden. LAN macht eine schriftliche Eingabe bei seiner ZAF und bittet um Korrektur der entsprechenden Monate. Bekommt eine Einsatzmeldung in der er unterschreiben soll, dass er die Zulage (war ja 1 Euro zu wenig) unterschreiben soll. Hat er nicht gemacht. Rechtsberatung bei der IGM. Die schickt einen Brief mit Terminsetzung von zwei Wochen und bittet um Stellungnahme. Nach zwei Wochen keine Rückmeldung. Neuer Brief mit neuer Terminsetzung. Neueres weiß ich momentan nicht bin z.Zt noch im Urlaub. Nächste Woche: Fortsetzung folgt.

Karl


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BeitragVerfasst: 08.10.2018, 20:32 
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Registriert: 27.12.2004, 14:20
Beiträge: 2615
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Hallo,

Zitat:
Aber nach der Aufzehrung und mit Beginn der 5. Stufe (50 % Zuschlag) war die Zulage ca. 1 Euro niedriger als der 50%-Branchenzuschlag.........Rechtsberatung bei der IGM. Die schickt einen Brief mit Terminsetzung von zwei Wochen und bittet um Stellungnahme. Nach zwei Wochen keine Rückmeldung. Neuer Brief mit neuer Terminsetzung. Neueres weiß ich momentan nicht bin z.Zt noch im Urlaub. Nächste Woche: Fortsetzung folgt.


Hat etwas länger gedauert als eine Woche. Stand jetzt:
Die ZAF bietet den reklamierten Betrag an weil Rechtsverfahren zu aufwändig wäre und erklärt es wäre aber keine rechtliche Anerkennung ihrer Berechnung des Branchenzuschlags. Bietet auch gleich den zusätzlich von der Rechtsberatung angemerkten BZ von 65% nach dem 15 Einsatzmonat an.

Da haben wohl einige kalte Füße bekommen.

Leider hört man hier im Forum und auch außerhalb so gut wie nichts wie die ZAF mit den Branchenzuschlägen praktisch umgehen. Kann mir das nur so erklären, dass viele LAN ihre Abrechnungen gar nicht oder nur oberflächlich überprüfen.

Karl


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