ZeitarbeiterInnen - Ohne Organisation Machtlos

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 Betreff des Beitrags: Ist das rechtens?
BeitragVerfasst: 27.07.2005, 18:40 
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Registriert: 27.07.2005, 18:38
Beiträge: 3
Mein Sohn hat sich gestern bei einer Zeitarbeitsfirma beworben. Nun haben wir mehr Fragen als vorher. :-(

Bezahlung:
Eigentlich Tarifstufe 5, ABER es hängt auch von der Firma ab, der er ausgeleihen wird! Falls er dort nur eine Aushilfstätigkeit durchführen soll, bedeutet das, dass er dann nur nach Tarifstufe 1 bezahlt wird???? Darf er darauf bestehen nur Jobs zu bekommen bei denen er nach Tarifstufe 5 bezahlt wird? Oder bedeutet das Kündigung und ALG2-Sperre für 3 Monate?

Vertrag:
Er wird nicht fest eingestellt, sondern nur für den jeweiligen Auftrag angenommen und weiter ausgeleihen. Wenn dieser zu Ende ist, dann soll er ALG2 beantragen bis sie ihn wieder brauchen. Also einige Wochen Job, einige ALG2, dann wieder Job..... ALG2 immer wieder beantragen... zur Abwechslung mal ergänzendes ALG2 beantragen.... das kann doch nicht wahr sein!
Wenn er immer nur Jobs bekommen sollte, die nur einige Wochen andauern, dann hat er nichts davon zu arbeiten.

Dürfen die ihn immer wieder für einen Auftrag einstellen und danach wieder feuern? Und wenn ja, muss er Jobs annehmen, die nur ein paar Wochen andauern? Kann er sich weigern Jobs anzunehmen, die z.B. weniger als 2 Kalendermonate andauern, ohne eine ALG2-Kürzung zu bekommen?

Danke


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 27.07.2005, 19:26 
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Registriert: 12.03.2005, 22:02
Beiträge: 70
Also diese Praxis ist ja mal was ganz neues.

Fest steht:

Einstellen kann man ihn eigentlich befristet, für eine bestimmte Zeit. Zeitlich höchstens für 2 Jahre. Es gibt aber auch ein Sachgrundbefristung, dieses schließe ich aber bei deinem Fall aus.

Besteht auf einem Arbeitsvertrag, in dem festgelegt ist wie lange er eingestellt ist, dieser Vertrag kann dreimal verlängert werden, aber nur auf die Dauer von 2 Jahren.

Fakt ist: Wenn er einmal entlassen worden ist und die ihn wieder haben wollen, geht dass nur noch (zeitlich) unbefristet.

Wenn er als Facharbeiter eingestellt wird, ist ihm laut IGZ Tarifvertrag die EG IV zu zahlen, er muß aber auch andere Arbeiten annehmen, ansonsten wäre es Arbeitsverweigerung und könnte zu Konsequenzen führen.

So eine Praxis, wie du sie beschreibst, ist mir völlig fremd.

_________________
Einen schönen Tag noch...


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 28.07.2005, 10:42 
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Registriert: 27.07.2005, 18:38
Beiträge: 3
Actros2644 hat geschrieben:
Fakt ist: Wenn er einmal entlassen worden ist und die ihn wieder haben wollen, geht dass nur noch (zeitlich) unbefristet.

Wenn er als Facharbeiter eingestellt wird, ist ihm laut IGZ Tarifvertrag die EG IV zu zahlen, er muß aber auch andere Arbeiten annehmen, ansonsten wäre es Arbeitsverweigerung und könnte zu Konsequenzen führen.


Danke.

Auch wenn er zeitlich unbefristet eingestellt wird, können sie ihn während der 6-monatigen Probezeit doch jederzeit feuern, oder? Dann bringt ihm der unbefristete Vertrag rein gar nichts. Sie umgehen dieses "Problem", indem sie immer vor dem Ende der Probezeit feuern. Also:
Einstellen --> in der Probezeit feuern --> Einstellen --> in der Probezeit feuern usw.

Oder funktioniert dieser Trick nicht, da es bei einer erneuten Einstellung nicht schon wieder eine Probezeit geben kann?



Ich habe im Tarifvertrag nachgeschaut. Facharbeiter mit mehrjähriger berufserfahrung = ET IV. Aber wenn der Angestellte der Zeitarbeitsfirma meint, dass er die 5 bekommt..... Da sagt er doch nicht nein.

Wenn ich dich richtig verstehe, dann wird mein Sohn immer nach 4 bzw. 5 bezahlt, auch wenn er Tätigkeiten ausüben muss, die auch ein Hilfsarbeiter machen kann. Korrekt?


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 Betreff des Beitrags: Praxis ist typisch
BeitragVerfasst: 28.07.2005, 13:44 
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Registriert: 16.03.2005, 12:52
Beiträge: 176
Hallo Alex,

die beschriebene Praxis ist leider traurige Tatsache. Mit Hire and Fire umgehen die ZAFs ihre Verpflichtung einsatzfreie Zeiten zu bezahlen.

Um einen sehr guten Überblick über Recht und Praxis zu haben, wurde hier im Forum schon mal ein sehr gutes Buch empfohlen:

Das Buch ist von Jürgen Ulber. Einzelheiten dazu in diesem Forum unter:

http://www.igmetall-zoom.de/Forum/viewt ... ight=ulber

Heutzutage braucht man für jedes Arbeitsverhältnis eine gute Rechtschutzversicherung. Nicht-Anwälte als Rechtsbeistand sind heutzutage sehr oft und leicht überfordert. Dafür sind die Tricks der Arbeitgeber zu ausgeklügelt.

Viele Grüße
Selena


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 28.07.2005, 14:34 
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Beiträge: 190
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Moin zusammen,

wobei hier aber der sogenannte enge und sachliche Zusammenhang in Verbindung mit dem zeitlichen Zusammenhang betrachtet werden muss.

Was ist mit dem ersten Beschäftigungsverhältnis - steht das im Zusammenhang mit dem zweiten Beschäftigungsverhältnis - wie "erlaubt" ist der Zwischenraum, so dass es nicht als ein gesamtes Beschäftigungsverhältnis betrachtet wird.

Ich kann nicht jemanden nach 5 Monaten "firen" und drei Tage später wieder einstellen - in diesem Zusammenhang ist es sehr wohl lediglich EIN Beschäftigungsverhältnis!

Hinzu kommt der sachliche Aspekt - wird der MA "gefiret", wird nach 4 Tagen wieder eingestellt und geht zum gleichen Kunden?
Auch hier wäre es lediglich EIN Beschäftigungsverhältnis!

Die Rechtssprechung geht immerhin von einem zeitlichen und sachlichen Zusammenhang aus, wenn der Zwischenraum genau so lang oder kürzer wie die kürzeste gesetzliche Kündigungsfrist (§ 622 BGB) ist - allerdings verträgt sich diese Auslegung nicht mit den Kündigungsfristen, die in den einschlägigen Tarifverträgen der Zeitarbeit während der Probezeit vorhanden sind.

Wie gesagt, "konkrete" Zahlen für die "erlaubten" Zwischenräume zwischen dem ersten und dem zweiten Beschäftigungsverhältnis liegen nicht vor.

Schönen Tag noch
Wilhelm Kalmund


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BeitragVerfasst: 28.07.2005, 22:10 
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Registriert: 11.03.2005, 22:30
Beiträge: 1070
Bzgl. der Probezeiten hat Herr Kalmund die Sachlage ja bereits sehr gut geschildert, da kommt es letztlich auf die genauen Umstände/den Einzelfall an.

Bzgl. der Bezahlung/Entgeltgruppen ist die Sache ebenfalls etwas 'schwammig'.

Lt. den Branchentarifverträgen ist NICHT die Qualifikation/Berufserfahrung des Mitarbeiters für die Eingruppierung entscheidend, sondern die TÄTIGKEIT, in der er überwiegend (also zu mindestens 51 Prozent) eingesetzt wird.

Wird er von vornherein für Hilfstätigkeiten eingestellt, kann er Professor sein und bekommt dennoch nur Entgeltgruppe 1.

Es kommt also wieder auf den Einzelfall/die genauen Aussagen der ZAF an.

Wenn Du z.B. als Hilfskraft eingestellt wirst (ZAF sagt, Du bekommst einen Vertrag für 6 Monate, 4 Monate mindestens davon habe ich nur Helferaufträge), kannst Du trotzdem als Facharbeiter überlassen werden und bekommst lt. BZA-TV erst nach 6 Wochen Facharbeitereinsatz den Facharbeiterlohn.

Wenn Dir von vornherein ein 6-monatiger Facharbeiterauftrag zugesagt wird, musst Du auch als Facharbeiter eingestellt und entlohnt werden, endet dieser Auftrag wider Erwarten schon nach 3 Monaten, musst Du zwar dennoch Helfertätigkeiten/andere Aufträge annehmen, musst aber weiterhin als Facharbeiter entlohnt werden (was allerdings dann wahrscheinlich zur Kündigung führen würde, weil die ZAF dabei Miese macht).

Unterm Strich hast Du als (Leih-)Arbeitnehmer ganz schlechte Karten, Nichteinsatz wird de facto kaum noch von irgendeiner ZAF gezahlt, sobald die ZAF mit 'DIR persönlich' Miese macht, wirst Du die Kündigung bekommen.

Das klingt hart und ungerecht, vielleicht muss man aber in Deutschland auch ein wenig umdenken, in sehr vielen anderen Ländern der Welt ist sowas völlig normal/ticken die Uhren anders und durch die Globalisierung ändern sich auch hier die Zeiten...

Die Ursachen dafür sind vielfältig und wohl hauptsächlich in den Versäumnissen der Politik der letzten 20 Jahre zu suchen (egal, welche Regierung, man hat in Deutschland wohl so einiges 'verschlafen'), aber das ist ein anderes Thema.

Von der Vorstellung 'ich bin Facharbeiter, arbeite auch nur als Facharbeiter und will entsprechend entlohnt werden' (so etwa), kann man sich wohl gründlich verabschieden, das funktioniert heutzutage definitiv nicht mehr.

Und wenn Du noch so gut und erstklassig qualifiziert bist, nach spätestens 2 Jahren Arbeitslosigkeit bist Du auf dem Arbeitsmarkt kaum noch was wert, es gibt auf jede freie Stelle mindestens ein Dutzend (oder auch Hunderte) Mitbewerber, die genauso gut sind wie Du, aber billiger sind, weniger Ansprüche haben, etc...

Es ist ein 'Überlebenskampf', der unter Frau Merkel (wenn sie denn Kanzlerin wird) sicher noch ein Stück härter wird...


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 28.07.2005, 22:44 
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Registriert: 27.07.2005, 18:38
Beiträge: 3
Wilhelm Kalmund hat geschrieben:
Wie gesagt, "konkrete" Zahlen für die "erlaubten" Zwischenräume zwischen dem ersten und dem zweiten Beschäftigungsverhältnis liegen nicht vor.

Schönen Tag noch
Wilhelm Kalmund


Hmmmm... Wie soll ich mir das nun vorstellen.

Man wird nach X Tagen wieder eingestellt. ---> Man rennt sofort zum Anwalt und reicht eine Klage auf Bezahlung des "Zwischenraums"?

1. Keiner weiss wie die Erfolgsaussichten sind.

2. Ich werde garantiert kein drittes mal eingestellt.

Eine solche Klage(drohung) ist eine exzellente Maßnahme um den Job nicht zu bekommen. Setzt aber voraus dass man keinen will.


Wie sind die Kündigungsfristen bei Zeitarbeit?


Wenn ich mehrfach für die gleiche Firma arbeite und es nicht als EIN Beschäftigungsverhältnis gesehen wird, beginnt dann jedes mal die Probezeit vom neuen?


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 31.07.2005, 12:44 
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Registriert: 12.03.2005, 22:02
Beiträge: 70
Zitat:
Wie sind die Kündigungsfristen bei Zeitarbeit?


In der Zeitarbeit gelten die Gesetzlichen Kündigungsfristen, zumindest bei uns.

Ein halbes Jahr Probezeit

In den ersten vier Wochen:2 Arbeitstage

Ab der 5. Woche 10 Arbeitstage

Nach der Probezeit 4 Wochen zu jedem 1. oder 15. des Monats.

_________________
Einen schönen Tag noch...


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