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BeitragVerfasst: 02.12.2005, 18:12 
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Beiträge: 5
Hallo, ich schon wieder.

Also, heute (2.12.) hat mein Freund die schriftliche Kündigung in die Hand gedrückt bekommen. Drin steht, dass er "frist- und formgerecht" zum 31.12.05 gekündigt wird.
Frist ist wohl ok, da außerhalb der Probezeit die gesetzliche Kündigungsfrist gilt laut AV (4 Wochen zum Monatsende o. 15.).

Merkwürdig ist allerdings, dass sie überhaupt keinen Kündigungsgrund reinschreiben. Geht das?!
Ich kann's mir nicht vorstellen.

Vielleicht noch einmal zur Situation:
wir sind zur ZAF gegangen und haben ihnen mitgeteilt, dass wir uns finanziell das Vorstrecken der Fahrtkosten nicht mehr erlauben können. Da uns die Erstattung lt. §670 BGB zusteht, wollten wir das Geld (Preise hatten wir mitgebracht) im Vorhinein. Wir haben betont, dass Torsten arbeitswillig ist. Da es bisher auch im Nachhinein noch nie Erstattung von Reisekosten gab (egal ob ÖPNV oder Auto), wollen wir uns nicht mehr darauf verlassen, angekündigtes Geld dann doch nicht zu bekommen. Zumal es dann manchmal heißt: wir zahlen kein Fahrgeld, aber sie können das ja steuerlich geltend machen (Pendlerpauschale). Das ich nicht lache, bei dem Steuersatz bleiben da vielleicht noch 3ct/km übrig.

Also, jetzt stellt sich die Frage, was am Montag passiert:
er wird kein Fahrgeld (ÖPNV-Ticket) im vorhinein bekommen. Kann er sich weigern zu fahren? Auf seinem Konto ist echt nix mehr und man kann ja wohl niemanden zwingen, ihm etwas zu leihen, oder?
Sie drohen allerdings (ebenfalls schriftlich) schon damit, dass sie dann arbeitsrechtliche Schritte gegen seine Arbeitsverweigerung unternehmen werden., d.h. (wahrscheinlich) Umwandlung in fristlose Kündigung oder Vertragsstrafen.
Haben sie damit eine Chance? Im Gesetz steht ja nur etwas von Erstattung, kann er also nur getätigte Ausgaben im Nachhinein verlangen?

Es eilt ziemlich, deshalb wäre ich für schnelle Antworten sehr dankbar!

Gruß,
Sonja


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 Betreff des Beitrags: Was tun?
BeitragVerfasst: 02.12.2005, 19:05 
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Registriert: 27.12.2004, 14:20
Beiträge: 2595
Wohnort: Augsburg
Hallo Sonja,

aus Deiner Darstellung über das Vorgehen Eurer ZAF (IGZ-Fangemeinde)
ist es überhaupt nicht "merkwürdig", dass sie euch keinen Kündigungs-
grund reinschreibt.

Sie hat offensichtlich keinen. Trotzdem gilt natürlich erstmal d. Kündigung.

Dein Freund muß also noch 4 Wochen einsatzbereit sein. Und der nächste Einsatz beginnt am Montag.

Lehnt er den Einsatz ab liefert er der ZAF den fehlenden Kündigungsgrund.

Es ist dann als Minimum eine Abmahnung für Deinen Freund fälig und
vielleicht auch noch eine fristlose Kündigung wegen Arbeitsverweigerung.

Dass Dein Feund kein Geld mehr hat um die Fahrtkosten zu bezahlen
kann er zwar versuchen gerichtlich einzufordern ist aber kein Grund die
Arbeit zu verweigern.

Also eure Karten sind schlecht gemischt. Trotzdem mal ein kleiner Wink mit dem Zaunpfahl.

Irgendwie Geld auftreiben,damit er mal ein paar Tage zur Arbeit fahren kann. Ih kann mir gut vorstellen, dass man nach einer Woche auf dem Bau oder wo das ist, bei diesem wetter gesundheitlich angeschlagen ist, dann habt ihr erst mal wieder etwas Luft. Und eure ZAF (IGZ-Fangemeinde)muss sich wieder einen neuen Kündigungsgrund einfallen
lassen.

Hin und-wieder sollten wir sie mit ihren eigenen Methoden schlagen.

Hat jemand noch bessere Vorschläge? Sonja wartet auf Antworten.

Gruß
Karl


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 02.12.2005, 20:59 
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Administrator

Registriert: 23.02.2005, 19:32
Beiträge: 311
Zitat:
Irgendwie Geld auftreiben,damit er mal ein paar Tage zur Arbeit fahren kann. Ih kann mir gut vorstellen, dass man nach einer Woche auf dem Bau oder wo das ist, bei diesem wetter gesundheitlich angeschlagen ist, dann habt ihr erst mal wieder etwas Luft. Und eure ZAF (IGZ-Fangemeinde)muss sich wieder einen neuen Kündigungsgrund einfallen
lassen.


Das ist zwar ganz sicher nicht meine Arbeitseinstellung aber in diesem Fall würde ich es genauso machen.
Alleine schon, nicht zu wissen wie man zur Arbeit kommen soll ist schon psychischer Streß genug.

Auch würde ich Wiederspruch (schriftlich per Einschreiben mit Rückschein) gegen die Kündigung einlegen und auf den Kündigungsgrund (schriftlich) bestehen!

Zusätzlich würde ich mich dringend an das Arbeitsamt wenden und schildern was da abläuft, bzw. fragen wie du dich verhalten sollst.
Evtl. hilft das Arbeitsamt auch mit Fahrgeld aus.
Das ist ganz wichtig, denn wenn du die Kündigung selber verschuldest, bekommst du eine Arbeitslosengeld- Sperre.
Je nach dem wie die Zeitarbeitsbude den Kündigungsgrund auslegt.

BildChristian, AKMIZ ihr habt doch bestimmt schon ähnliche Fälle gehabt Bild

Wie verhält man sich in so einem Fall am besten?
Was sagen die anderen dazu? Bild

_________________
Bild

Bei Fragen zum ALG 1 und ALG II wendet euch bitte an: http://www.arbeitslosenselbsthilfe.org/forum/index.php


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 03.12.2005, 12:21 
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Registriert: 23.02.2005, 17:52
Beiträge: 1165
Meine Meinung:

1. sofortiges Beratungsgespräch bei einem Rechtsanwalt für Arbeitsrecht

2. evtl. Einreichung einer Kündigungsschutzklage (innerhalb von 3 Wochen nach Zugang der Kündigung)
(ab dem 7. Beschäftigungsmonat gilt das Kündigungsschutzgesetz mit Sozialauswahl)

Kündigungen wegen Arbeitsmangel sind in meinen Augen bei ZAF witzlos, da fast täglich nach neuen LAN inseriert wird (allein über 100.000 Stellenangebote bei der BA von PSA und ZAF pro Monat)

Link:
http://www.sidiblume.de/info-rom/arb_re ... /kschg.htm

3. Kein Arbeitnehmer ist verpflichtet, den Privat-Pkw für betriebliche Zwecke einzusetzen, schon gar nicht, wenn bisher überhaupt noch keine Fahrtkostenerstattungen gezahlt wurden (was ja nachweisbar ist). Siehe A Nr. 3 Merkblatt für LAN bzw. § 670 BGB (Urteil des LAG Köln vom 15.11.2002 =
http://www.lexrex.de/rechtsprechung/inn ... /1861.html )

Arbeitgeber ist die ZAF und nicht der Einsatzbetrieb.

Wenn ein LAN täglich zu seiner ZAF fährt (egal ob mit dem Pkw oder ÖPNV) und vorstellig wird, stellt er seine Arbeitskraft zur Verfügung.

Wenn ein LAN jeden morgen zur ZAF fährt und dort seine Arbeitsleistung anbietet (nur eben nicht seinen Privat-Pkw für betriebliche Zwecke), ist das, nach meiner Auffassung, keine Arbeitsverweigerung.

Wie der LAN vom AG (ZAF) zum Kunden (Einsatzbetrieb) kommt, ist das Problem der ZAF (entweder Gestellung von Firmenwagen oder Fahrdiensten oder schriftliche Verhandlung mit dem LAN über die Erstattung der Fahrtkosten).

Arbeitnehmer im Handwerk haben meist Firmenwagen und Mitarbeitern in Behörden bekommen ein festgelegtes Kilometergeld.
Es geht also.

Die Pendlerpauschale gilt nur für die einfache Fahrtsstrecke zwischen der Wohnung und dem AG, jedoch nicht für Dienstreisen zwischen AG und Kunden!

"Kann er sich weigern zu fahren?"

Er kann sich weigern, seinen Privat-Pkw für betriebliche Zwecke einzusetzen, da seine ZAF bisher keine Fahrtkostenerstattung (§ 670 BGB, A Nr. 3 Merkblatt für LAN) erstattet hat.
Wenn er z.B. einen Firmenwagen bekommt, kann er ja fahren. :wink:

"Sie drohen allerdings (ebenfalls schriftlich) schon damit, dass sie dann arbeitsrechtliche Schritte gegen seine Arbeitsverweigerung unternehmen werden., d.h. (wahrscheinlich) Umwandlung in fristlose Kündigung oder Vertragsstrafen."

Wenn er jeden morgen zur seiner ZAF fährt und sagt z.B. : "Moin, hier bin ich, bereit zur Arbeit", dann kann ihn doch keine Arbeitsverweigerung vorgeworfen werden.

Auch ist er ja bereit sein Privat-Pkw einzusetzen, wenn seine ZAF den § 670 BGB einhalten würde, also eine schriftliche Vereinbarung zur Erstattung der Fahrtkosten mit ihm vereinbaren würde.

"Haben sie damit eine Chance?"

Das sehe ich nicht so, wenn er jeden morgen seine Arbeitsleistung in der ZAF anbietet.

Da Richter den § 670 BGB kennen und ihnen auch einmal das Merkblatt für Leiharbeitnehmer und das Urteil des LAG Köln vom 15.11.2002 gezeigt werden kann (das von jeder ZAF vor Beginn der Arbeit ausgehändigt werden muss), sehe ich da keine Probleme für LAN.

"Im Gesetz steht ja nur etwas von Erstattung, kann er also nur getätigte Ausgaben im Nachhinein verlangen?"

Wenn er zur Auslage der Kosten kein Geld hat, dann muss die ZAF sehen, wie er zum Kunden kommt.

Warum sollte er auch Kosten vorstrecken, die er bis jetzt nicht erstattet bekommen hat?

Das Verhalten dieser ZAF ist für mich unmöglich und zeigt, wie "sozial" einige ZAF sind bzw. zeigt, das ZAF viel zu wenig von der BA überprüft werden!

Gruß

Jürgen(1)


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 05.12.2005, 22:55 
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Ich denke, bzgl. der fristgerechten Kündigung ist nicht wirklich viel zu machen, sollte es zu einer fristLOSEN Kündigung kommen, würde ich immer vor Gericht ziehen, fristLOSE Kündigungen sind für AG immer sehr schwer durchzubekommen.

Die fristgerechte Kündigung würde die ZAF vermutlich vor Gericht betriebsbedingt begründen und damit vermutlich auch durchkommen.

Entgegen Jürgen bin ich der Meinung, dass das kein so grosses Problem ist.

Als ZAF kann ich z.B. auch 10 freie Stellen als Ingenieur oder sonstwas frei haben/inserieren, kann aber immer relativ leicht argumentieren, warum gerade für ZAN XY die angebotenen freien Stellen nicht in Frage kommen.

In Eurem Fall würde die ZAF also vielleicht in die Richtung argumentieren, Herr X kann derzeit letztlich NUR (aufgrund Qualifikation/Auftragslage) beim Kunden Y eingesetzt werden. Herr X kann den Kunden Y aber leider nicht zu den entsprechenden Schichtzeiten erreichen (kein PKW, kein Geld, was auch immer), von daher betriebsbedingte Kündigung weil keine Einsätze, so in etwa.

Wenn der Kunde/Einsatz per ÖPNV erreichbar/im Stadtgebiet ist, habt Ihr besonders schlechte Karten, denke ich, in dem Fall hilft vielleicht wirklich nur noch der 'gelbe Schein' (unglaubwürdig).

Ich denke, die Kündigung steht und es geht nur noch darum, die Bezahlung der letzten Wochen sicherzustellen, in dem Fall wäre eine Krankschreibung wohl der beste Weg, sollte Dein Freund weiter beschäftigt sein wollen, wird es sehr schwer...


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 Betreff des Beitrags: Kündigungsschutzklage einreichen !
BeitragVerfasst: 05.12.2005, 23:21 
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Hallo SonyB,

meine dringende Empfehlung : Kündigungsschutzklage einreichen. Achtung : Das muss innerhalb 3 Wochen nach Erhalt der Kündigung geschehen.

Es lohnt sich auf jeden Fall, denn oft kann der AN im Betrieb bleiben, weil die Begründung des Arbeitgebers das Arbeitsgericht nicht überzeugt (war bei mir 2 Mal der Fall) oder aber zumindest gibt es einen zeitlichen Aufschub und ggf. eine Abfindung.

Falls nicht in einer Gewerkschaft oder rechtschutzversichert kann man beim Arbeitsgericht einen Antrag auf Prozesskostenbeihilfe stellen.
Die wird bei sehr geringem Einkommen oft voll übernommen, einfach mal nachfragen beim Gericht.

Zum Thema "fehlende Begründung" bei einer Kündigung : Der Arbeitgeber ist nicht VERPFLICHTET, in der Kündigung einen Grund anzugeben. Fehlt er jedoch, weist das darauf hin, daß es aktuell keinen trifftigen Grund gibt, der vorm Arbeitsgericht Bestand hätte.

Im Übrigen rate ich, das Anbieten der Arbeitskraft zusätzlich SCHRIFTLICH zu machen (E-Mail, Fax, Brief per Einwurfeinschreiben).

Was sagt eigentlich der Betriebsrat zu der Kündigung ? Steht darunter : "Der Betriebsrat wurde ordnungsgemäß angehört und hat der Kündigung zugestimmt". Macht nichts, lass es Deinen Anwalt gleich einmal mit anzweifeln. Es weiß zumindest EIN Unternehmen in der Branche, die das als Floskel reinschreiben, tatsächlich aber oft nicht getan haben !

Den Nachweis muss dann der AG vor Gericht erbringen, kann er dies nicht, ist schon allein deswegen die Kündigung ungültig...

Also, auf jeden Fall klagen, du/ihr habt dabei nichts zu verlieren !

_________________
Gruß,

Zebra


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 06.12.2005, 00:45 
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Hallo Bürger,

"Ich denke, bzgl. der fristgerechten Kündigung ist nicht wirklich viel zu machen,.."

Das sehe ich nicht so, da
1. ab dem 7. Monat der Beschäftigung das Kündigungsschutzgesetz mit Sozialauswahl gilt und
2. Herr Ulber in seinem Buch eine "3-Monats-Frist" benennt

"Als ZAF kann ich z.B. auch 10 freie Stellen als Ingenieur oder sonstwas frei haben/inserieren, kann aber immer relativ leicht argumentieren, warum gerade für ZAN XY die angebotenen freien Stellen nicht in Frage kommen."

1. ZAF inserieren zu über 50 % Stellen im Helferbereich, die pauschal ausgeschrieben sind und bei der noch nicht einmal irgendeine Qualifikation vorausgesetzt wird (der LAN arbeitet im Helferbereich, siehe Lohnstufe).

2. Siehe den Erlass der BA vom 14.07.2000:
http://www.bza.de/recht/kooperationserlass.php

Zitat: "...Bei dem Stellenangebot handelt es sich um den konkret zu erwartenden Einstellungsbedarf als Leiharbeitnehmer...
Anfragen der Verleiher aus dem Arbeitgeber-Informations-Service (AIS) dienen ausschließlich der konkreten Besetzung einer Arbeitsstelle als Leiharbeitnehmer..."

3. Da ZAF täglich nach neuen Hilfsarbeitern inserieren und der LAN als Hilfsarbeiter eingesetzt ist, ist für mich der betriebsbedingte Kündigungsgrund "Arbeitsmangel" nicht nachvollziehbar.

"In Eurem Fall würde die ZAF also vielleicht in die Richtung argumentieren, Herr X kann derzeit letztlich NUR (aufgrund Qualifikation/Auftragslage) beim Kunden Y eingesetzt werden."

Da er als Hilfsarbeiter eingesetzt ist, läuft diese Argumentation ins Leere,
weil es hierbei keine Qualitätsvorgaben gibt.

"Ich denke, die Kündigung steht und es geht nur noch darum, die Bezahlung der letzten Wochen sicherzustellen,.."

Ob die Kündigung so rechtens ist, kann nur ein Arbeitsrichter entscheiden, speziell weil für den LAN das Kündigungsschutzgesetz gilt.
Schau dir mal § 1, Abs.2, Nr. 1 b KSchG an.

Gruß

Jürgen(1)


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BeitragVerfasst: 06.12.2005, 11:52 
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Juergen1 hat geschrieben:
Hallo Bürger,

"Ich denke, bzgl. der fristgerechten Kündigung ist nicht wirklich viel zu machen,.."

Das sehe ich nicht so, da
1. ab dem 7. Monat der Beschäftigung das Kündigungsschutzgesetz mit Sozialauswahl gilt und
2. Herr Ulber in seinem Buch eine "3-Monats-Frist" benennt

Gruß

Jürgen(1)


Und bei betriebsbedingter Kündigung muß ZAF auch aufpassen, die Art der Beschäftigung bedingt, das es einsatzfreie Zeiten gibt für den LAN wenn die ZAF diese nicht tragen will verstößt sie gegen das AÜG, da sie das Arbeitgeberrisiko auf den ZAF abwälzt.

Dieses sogenannte AG Risiko ist für die BRD auch die Begründung vom equal Pay abzuweichen. Findet es nicht mehr statt ist die gesamte Begründung für das AÜG kontra EU Richtlinie hinfällig.

_________________
Mit freundlichen Grüßen

Christian Iwanowski

Düsseldorf


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BeitragVerfasst: 06.12.2005, 23:59 
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OK, das ist die Theorie, in der Praxis würde ich persönlich definitiv NICHT zu einer Klage raten, da der ZAN in diesem Fall meiner Meinung nach am Ende die A-Karte hat.

Ihr müsst Euch in diesem Fall ganz persönlich fragen, ob Ihr dieselben Ratschläge auch erteilen würdet, wenn der MA persönlich vor Euch steht und IHR ihn dann auch weiterbetreut, wenn die Sache schiefgeht...

Ich für meinen Teil würde diese Verantwortung jedenfalls nicht übernehmen wollen.

Die Theorie hat viele Urteile und Paragraphen, was aber machst Du, wenn konkret ein Mensch direkt vor Dir steht und sagt 'DU hast mir geraten zu klagen, ich habe verloren und kein Geld/keine Wohnung/nix mehr, was mache ich jetzt ? Kann ich erstmal bei DIR unterkommen (schlieslich hast DU mich beraten), was passiert jetzt weiter ? '

OK, überspitzte Darstellung, aber ich denke, Ihr wisst, was ich meine, oder ? ...


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BeitragVerfasst: 07.12.2005, 15:13 
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Bürger4711 hat geschrieben:
OK, das ist die Theorie, in der Praxis würde ich persönlich definitiv NICHT zu einer Klage raten, da der ZAN in diesem Fall meiner Meinung nach am Ende die A-Karte hat.

...


Erstens ist das keine Theorie sondern Praxis. Meine tägliche, die Leute sitzen mir gegenüber.
Geld nicht bekommen? Sofern die Firma nicht pleite ist und er/sie im Recht ist bekommt er/sie ihr Geld.
Bei unklarer Rechtslage, muß ich dem betroffenen das natürlich sagen. Die entscheidung zu klagen kann ich niemandem abnehmen und Garantien kann ich auch nicht geben.

Aber was hat ZAF zu verlieren?
Realität ist doch eher, weil ZAF nichts unternimmt verliert er/sie die Wohnung usw..
Ja und meine Pflicht ist es dann auch nach kräften zu helfen allerdings nicht zur Untermiete bei mir.
Dann geht der Kampf mit den Ämtern los bis hin zur Schuldnerberatung usw.

_________________
Mit freundlichen Grüßen

Christian Iwanowski

Düsseldorf


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BeitragVerfasst: 07.12.2005, 19:17 
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Hallo Bürger,

hier ein Zitat von sonyb:
"..Da das Arbeitsklima sowieso vergiftet ist, geht es uns ehrlich gesagt jetzt nur noch darum, dem unfairen Treiben dieser ZAF ein Ende zu bereiten (meinetwegen auch gerne der ganzen ZAF durch Entzug der AÜ-Genehmigung).

Übrigens habe ich dazu auch schon bei der zuständigen Regionaldirektion angerufen. Eine sehr nette Frau war sehr interessiert an den Einzelheiten der Situation. Mal sehen, was passiert."

Zitat von Dir:

".. in der Praxis würde ich persönlich definitiv NICHT zu einer Klage raten, da der ZAN in diesem Fall meiner Meinung nach am Ende die A-Karte hat. "

Warum würde der LAN in diesem Fall die A-Karte ziehen?
Begründung?

Jeder LAN muss selbst wissen, ob er das Risiko einer Klage eingeht oder nicht, jedoch haben ZAF bei einer Klage wesentlich mehr zu verlieren als ein LAN, wenn ein Arbeitsgericht schriftlich Verstöße gegen das AÜG bzw. Verstöße gegen die arbeitsrechtlichen Pflichten belegt, wie z.B. gegen den allgemein bekannten § 670 BGB (siehe § 3, Abs.1, Nr.1 AÜG).

Wird so ein Urteil oder Vergleich der zuständigen Regionaldirektion zugeschickt (was auch die Gewerkschaften tun können), muss die Regionaldirektion etwas unternehmen.
Dadurch können die "schwarzen Schafe" zum korrekten Verhalten gezwungen werden oder sie können ihre ANÜ-Erlaubnis verlieren.

Ich gebe hier keine Rechtsberatung (was ich auch nicht darf), sondern sage meine persönliche Meinung und kann nur jeden LAN empfehlen, sich vor einem extremen Streitfall (Klage) kostenpflichtig von einem Fachanwalt für Arbeitsrecht beraten zu lassen.

Dabei gibt es für Geringverdiener (zu denen viele LAN zählen) auch noch die Prozesskostenbeihilfe, worüber sich jeder LAN informieren kann.

Dennoch weißt auch Du, das bereits hunderte von Prozessen von LAN gewonnen wurden, die nicht veröffentlicht wurden und ZAF lieber gute Abfindungen zahlen, um es nicht zu einem Urteil kommen zu lassen.

Gruß

Jügen(1)


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BeitragVerfasst: 07.12.2005, 23:10 
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Ok, im Prinzip habt ihr ja recht, aber nicht jeder ZAN hat 'das nötige Standing', sowas alleine durchzuziehen, viele wären auf KONKRETE (PERSÖNLICHE) Hilfe angewiesen, wie sie Iwanowski sicher auch oftmals anbietet.

Wenn man Leuten zu bestimmten ( z.B. juristischen) Schritten rät, sollte man sie dabei nicht alleine lassen, sondern sie notfalls auch weitergehend unterstützen, wenn es nötig ist.

Besonders 'im Helferbereich' übernimmt man mit jedem 'Ratschlag' auch eine gewisse Verantwortung, für die Betroffenen hängt mitunter sehr viel davon ab.

Ich denke, persönlicher Kontakt ist oft sehr wichtig und oft sind es auch Kleinigkeiten, mit denen man helfen kann, zB. indem man Schreiben für die MA an Ämter oder sonstwen verfasst oder auch nur den ein oder anderen Anruf erledigt.

Anonyme Ratschläge im Netz zu juristischen Dingen sind immer mit viel Risiko verbunden, so könnte es z.B. durchaus sein, dass sich jemand auf 'zitierte Urteile' im Netz beruft, die er halt dort irgendwo gefunden hat und vor Gericht gnadenlos untergeht.

Der oft verwendete Hinweis 'mein Beitrag ist KEINE Rechtsberatung' hilft den Betroffenen dann auch nicht weiter, die Folgen tragen sie selbst und NICHT der Verfasser des Internet-Beitrags...


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 08.12.2005, 11:24 
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Bürger4711 hat geschrieben:
Ok, im Prinzip habt ihr ja recht, aber nicht jeder ZAN hat 'das nötige Standing', sowas alleine durchzuziehen, viele wären auf KONKRETE (PERSÖNLICHE) Hilfe angewiesen, wie sie Iwanowski sicher auch oftmals anbietet....

Anonyme Ratschläge im Netz zu juristischen Dingen sind immer mit viel Risiko verbunden, so könnte es z.B. durchaus sein, dass sich jemand auf 'zitierte Urteile' im Netz beruft, die er halt dort irgendwo gefunden hat und vor Gericht gnadenlos untergeht.

...


Hallo Bürger,

Deinen Hinweis unterstütze ich hier ausdrücklich und so weit liegen Jürgen und du auch nicht auseinander.
Die Urteilshinweise sind wichtig um aufzuzeigen, das ZAF Rechte hat und diese ggf auch vor Gericht bekommt. Sich einfach darauf zu berufen geht jedoch oft schief, da Urteile meist Einzelfallentscheidungen sind. Jeder Fall kann anders gestrickt sein, bzw. wenn es kein Grundsatzurteil vom BAG ist, muß sich der Richter daran nicht halten. Wenn seine Beurteilung -der Einzelfall- eine andere ist wird er/sie entsprechend urteilen.

Also auf jeden Fall vor der Klage eine Beratung einholen.
Und auch da gibt es viele Möglichkeiten. Über die Gewerkschaft, über Beratungsstellen (Arbeitsloseninitiativen) oder halt über Anwälte. Es gibt neben der Prozeßkostenbeihilfe auch eine Beratungskostenbeihilfe.
Zu beantragen beim zuständigen Amtsgericht vor dem Anwaltsbesuch oder mit dem Anwalt klären ob er den Antrag stellt, dann dauert es aber meist länger - ist meine Erfahrung damit.

_________________
Mit freundlichen Grüßen

Christian Iwanowski

Düsseldorf


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 Betreff des Beitrags: Sinnvoll
BeitragVerfasst: 08.12.2005, 12:27 
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Beiträge: 176
Hallo,

ich halte es für sinnvoll, wenn es hier im Forum einen Extra-Bereich gäbe, der kurz und bündig über die diversen Beihilfen im Falle einer Klage informiert. Diese Infos sind sehr wichtig!!!

Viele Grüße
Selena


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 08.12.2005, 21:52 
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Hier mal ein Praxisbeispiel, wie ZAN teilweise über den Tisch gezogen werden und wie einfach Hilfe manchmal sein kann :

Es geht um eine Zeitarbeitnehmerin (Helferbereich, Ausländerin, mässige Deutschkenntnisse), die von ZAF A zu ZAF B gewechselt hat.

Während des Einstellungsgesprächs bei ZAF B (der Disponent hat natürlich unter anderem gefragt, warum sie von Fa. A weg wollte), hat sie die ca. 2 Monate zurückliegenden Vorfälle geschildert.

Sie hatte damals einen Arbeitsvertrag unterschrieben, gültig ab Montag. Dann bekam die ZAF wohl einen sehr kurzfristigen Auftrag als Servicekraft in einem Hotel für den Samstag und Sonntag davor.

Man rief sie also Freitags spät an und bat sie, den Auftrag zu machen, selbstverständlich würde sie einen neuen Arbeitsvertrag gültig ab Samstag bekommen (zugesagt vom Niederlassungsleiter) und so hat sie zugesagt und den Job am Wochenende gemacht.

Leider hat sie es versäumt, gleich Montag nachzuhaken, sie war halt froh, Arbeit zu haben, dachte, das geht schon in Ordnung und hat es irgendwann vergessen.

Das Erwachen kam mit der ersten Abrechnung, das Wochenende war nicht vergütet. Nebenbei wurde wohl in der ZAF der Niederlassungsleiter rausgeschmissen, so dass sie bei der Reklamation auf einen neuen/kommissarischen NLL traf.

Trotz vorliegenden Stundenzettels gab es keinen neuen/geänderten Vertrag und natürlich auch keine Nachvergütung, es hiess in etwa 'es ist ja ihr Problem, wenn sie ohne gültigen Vertrag arbeiten gehen'...

Die Frau wusste sich nun absolut nicht zu helfen, von Rechtsbeihilfen und dergl. hatte sie null Ahnung (und natürlich auch keinen Internetzugang/kaum Möglichkeiten, sich zu informieren), sie wusste nur, dass sie für einen Anwalt kein Geld hat.

Ihre Konsequenz war also, das so hinzunehmen und sich nebenbei woanders zu bewerben.

Die schnelle Hilfe kam in diesem Fall vom Disponenten ihrer neuen ZAF B.

Er hat für sie ein entsprechendes Schreiben an ZAF A formuliert, die ihr zustehenden Nachzahlungen eingefordert, nebenbei auf das LAA hingewiesen und der letzte Satz war so etwa 'nach Rücksprache mit meinem Rechtsbeistand erwarte ich Ihre Rückantwort bis zum XXX, ansonsten sehe ich mich gezwungen, die nötigen juristischen Schritte einzuleiten'...

Und siehe da, 5 Tage später kam die Antwort/Entschuldigung,
selbstverständlich wird alles nachvergütet, etc. , 10 Tage später war die Kohle auf ihrem Konto und alles korrekt rückgerechnet.

Das Erschreckende an diesem Fall ist, dass man bewusst versucht hat, eine vermeintlich wehrlose Mitarbeiterin über den Tisch zu ziehen und das auch geklappt hätte, wenn nicht zufällig der Disponent von ZAF B 'ein Engagierter/Guter' gewesen wäre...


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 Betreff des Beitrags: Namen und Fakten
BeitragVerfasst: 09.12.2005, 11:41 
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Hallo Bürger4711,

das ist ja eine feine Sache, die du da schilderst.

Da du mich immer um Namen und Fakten bittest, würde ich gerne die Bitte mal an dich zurück geben.

Viele Grüße
Selena


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 10.12.2005, 00:18 
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Hi Selena,

ich hoffe, Du hast Verständnis dafür, dass ich KEINE konkreten Namen nennen werde.

Wenn ich das hier tun würde, könnte das sehr weite Kreise ziehen und unter Umständen sehr üble Konsequenzen für mich persönlich haben.

Ich werde mich hüten, in irgendeinem Forum/öffentlich irgendeine Firma konkret namentlich anzugreifen, dabei kann ich nur verlieren und es bringt gar nichts.

In Fällen, wie dem hier geschilderten, wäre es Sache der Betroffenen, 'Ross und Reiter' zu nennen...


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 10.12.2005, 02:08 
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@ Bürger

"Nebenbei wurde wohl in der ZAF der Niederlassungsleiter rausgeschmissen,..."

.. was wohl seine Gründe hatte. :wink:

"Leider hat sie es versäumt, gleich Montag nachzuhaken,.."

Warum sollte sie das auch?
Der Dispo hat sie vorher angefordert und ist somit für die Änderung verantwortlich.

"Trotz vorliegenden Stundenzettels gab es keinen neuen/geänderten Vertrag und natürlich auch keine Nachvergütung, es hiess in etwa 'es ist ja ihr Problem, wenn sie ohne gültigen Vertrag arbeiten gehen'... "

Tja, da hat diese ZAF ja noch mal Glück gehabt (Stichwort Schwarzarbeit und AÜG).

"Das Erschreckende an diesem Fall ist, dass man bewusst versucht hat, eine vermeintlich wehrlose Mitarbeiterin über den Tisch zu ziehen und das auch geklappt hätte,.."

weil die LANin ihre Rechte und Möglichkeiten nicht kannte.
Hätte sie ihre Rechte wahrgenommen, gäbe es diese ZAF vielleicht heute nicht mehr, denn evtl. Straftaten sind ja nun keine Kavaliersdelikte!

Gerade deshalb ist die Aufklärung von LAN über ihre Rechte und Möglichkeiten zur Durchsetzung der Rechte ja so wichtig.

Gruß

Jürgen(1)


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BeitragVerfasst: 12.12.2005, 22:32 
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@Jürgen:

Dem kann ich nur voll und ganz zustimmen und ich fürchte, der von mir geschilderte Fall ist leider kein Einzelfall...


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 Betreff des Beitrags: "Ross und Reiter"
BeitragVerfasst: 13.12.2005, 10:21 
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Hi Bürger,

klar habe ich Verständnis, wenn du nicht "Ross und Reiter" nennst; jedoch hoffe ich, dass du jetzt (endlich) auch Verständnis hast, wenn ich und andere auf deine gleiche Aufforderung nicht eingehen?!

Viele Grüße
Selena


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BeitragVerfasst: 13.12.2005, 23:03 
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@Selena:

Ich mach's mal ganz kurz : Du hast recht und ich gelobe Besserung...

Gruß Bürger


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