ZeitarbeiterInnen - Ohne Organisation Machtlos

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 Betreff des Beitrags: Entleiher reduziert Branchenzuschlag
BeitragVerfasst: 11.07.2016, 19:44 
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Registriert: 11.07.2016, 18:50
Beiträge: 4
Guten Abend,

ich bin seit Mitte 2013 bei einem zu BAP gehörenden Zeitarbeitsunternehmen beschäftigt und war die ersten Jahren mit den interessanten Einsätzen und Konditionen sehr zufrieden. Eingruppiert wurde ich von Anfang an nach EG 4 und bekam stets großzügige Zuschläge.

Seit Mai 2015 bin ich bei einem Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie eingesetzt. Zu meiner Überraschung bemerkte ich vor mehreren Wochen, dass das Zeitarbeitsunternehmen nicht 50% Branchenzuschlag auf meinen EG-Stundenlohn zahlt, sondern knapp 40%. Ich vermutete zunächst, dass dies mit einer Deckelung zu tun hat. Dies trifft allerdings nicht zu. Meine Kollegen, die vergleichbare Tätigkeiten ausüben, werden nach ERA 8 bezahlt. Das Zeitarbeitsunternehmen begründet den reduzierten Branchenzuschlag vielmehr damit, dass der Entleiher meine Entgeltgruppe auf Entgeltgruppe 1 herab gestuft hat.

Meiner Meinung nach kann der Entleiher nicht meine Entgeltgruppe abstufen. Etwaige Betriebsvereinbarungen dürften nur Anwendung finden, wenn diese vorteilhafter für den Arbeitnehmer wären. Oder täusche ich mich da?

Hat eine Entleihfirma irgendwelche Möglichkeiten, die Branchenzuschläge zu reduzieren?

Über Ihre / eure Meinungen zu diesem Thema würde ich mich freuen.

Viele Grüße
pettirosso


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BeitragVerfasst: 11.07.2016, 20:48 
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Hallo pettirosso,

Zitat:
Eingruppiert wurde ich von Anfang an nach EG 4 und bekam stets großzügige Zuschläge.

Die Einstufung nach BAP bei EG 4 lautet: Entgeltgruppe 4:
Ausführung von Tätigkeiten, für die Kenntnisse und Fertigkeiten erforderlich
sind, die durch eine mindestens dreijährige Berufsausbildung vermittelt werden
und die eine mehrjährige Berufserfahrung voraussetzen


Vergleichbar entspräche das der EG 5 bzw. 6 bei ERA.

Für ERA 8 gilt:
Entgeltgruppe 8
Die Arbeitsaufgabe erfordert Kenntnisse und Fertigkeiten, wie sie in der Regel
durch eine einschlägige mindestens dreijährige abgeschlossene Berufsaus-
bildung und umfangreiche fachspezifische Zusatzqualifikation erworben werden.
Gleichgestellt werden Kenntnisse und Fertigkeiten, wie sie in der Regel durch
eine qualifizierte Weiterbildung (z. B. Techniker, Betriebswirt) erworben werden.
(Aus Entgeltgruppenbeschreibung nach ERA).

Zitat:
Das Zeitarbeitsunternehmen begründet den reduzierten Branchenzuschlag vielmehr damit, dass der Entleiher meine Entgeltgruppe auf Entgeltgruppe 1 herab gestuft hat.

Meiner Meinung nach kann der Entleiher nicht meine Entgeltgruppe abstufen.

So ist es. Wenn Du dem Entleiher zu teuer bist kann er Dich nach Hause schicken. Eingruppierung ist Sache des Verleihers.

Zitat:
...und bekam stets großzügige Zuschläge.

Wenn es sich bei den Zuschlägen um freiwillige Zulagen wie z.B. 1 oder 2 Euro/Stunde handelt können diese von der ZAF auf den Branchenzuschlag angerechnet werden. Zahlungen wie Fahrgeld , Verpflegungsmehraufwand etc. sind nicht anrechenbar.

Karl


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BeitragVerfasst: 11.07.2016, 21:12 
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Hallo Karl,

danke für die schnelle Antwort. Die Zuschläge lagen stets bei vier bis fünf Euro. Inzwischen ist der Branchenzuschlag höher.

Deine Antwort bestätigt die Annahme, dass der Verleiher den BZ in der Höhe laut Branchentarifvertrag zahlen muss, unabhängig davon, was beim Verleiher vor sich geht. Der Verleiher will den Einsatz um vorläufig weitere drei Monate bis Ende Oktober verlängern.

Schönen Abend noch

pettirosso


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BeitragVerfasst: 11.07.2016, 21:51 
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Beiträge: 2560
Wohnort: Augsburg
Hallo pettirosso,

hier mal die Auslegung der IGM zu den Branchenzuschlägen:

http://www.personalorder.de/magazin/mai ... r_2012.pdf

In § 2 Punkt 4 heißt es ziemlich am Ende (Seite acht): Da der Entleiher das für den Vergleich relevante tatsächlich gezahlte Entgelt
nachzuweisen hat, ist die Vorschrift ohnehin nur dann zur Anwendung zu bringen,
wenn dieser sich darauf beruft.Ist dies nicht der Fall muss der Branchenzuschlag in voller Höhe bezahlt werden.


ich vermute mal, dass die Begründung, deiner Arbeit als nur E 1 durch den Entleiher damit zu tun hat. Der Entleiher muss aber nachvollziehbar nachweisen das für den Vergleich relevante tatsächlich gezahlte Entgelt des Stammarbeiters.

Karl


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BeitragVerfasst: 12.07.2016, 09:38 
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Beiträge: 136
Wenn ich das richtig verstehe: Der Einfachheit halber:

E4 sagen wir 12€
+ Außertarifliche Zulage vom Entleiher 4€
= 16€

Die außertarifliche Zulage kann mit dem Branchenzuschlag verrechnet werden. Der wäre mit 50% inzwischen aber höher als die außertarifliche Zulage.

= 18€

Also hat der Entleiher gesagt, die Stelle ist doch nicht mehr E4, sondern E1, damit er Pi*Daumen mit dem Branchenzuschlag so viel bezahlen muss wie vorher. ca. 16€

Das geht natürlich nicht und ist auch unrealistisch im Streitfall. Schließlich hat er zuvor für einen E4 Sklaven bezahlt.

WICHTIG: Die tarifvertraglichen Ausschlussfristen beachten! § 16 BAP Tarifvertrag. Du musst du Ansprüche innerhalb von 3 Monaten ab Fälligkeit!!! schriftlich geltend machen. Am besten via Einwurfeinschreiben. Lehnt die ZAF die Ansprüche schriftlich ab, hast du ab Zugang der Ablehnung weitere 3 Monate Zeit, um vor dem Arbeitsgericht zu klagen. Versäumst du die Fristen, sind deine Ansprüche verfallen.

Wenn du dagegen vorgehst, wirst du dort aber vermutlich sehr schnell abgemeldet werden und die ZAF ist auch not amused. Dann läufst du bei der ZAF wieder unter E4 ohne Zulagen, was natürlich wesentlich weniger ist. Und eine Kündigung dürfte mittelfristig, sofern du klagen solltest, auch zu erwarten sein oder Schrottaufträge am Arsch der Welt.

Empfehlung: Mache die Ansprüche schriftlich geltend via Einwurfeinschreiben. Sollte die ZAF sie ablehnen, genehmige dir Sonderurlaub auf Krankenschein. Aber nicht sofort nach der Ablehnung!!! Lass etwas Gras darüber wachsen. Oder spare dir den Stress und genehmige dir nur Sonderurlaub auf Krankenschein. Damit hast du die Kohle, um die du beschissen wurdest wieder einigermaßen drin.


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BeitragVerfasst: 12.07.2016, 11:20 
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Hallo theodor,
guter Tip mit dem gelben Schein.
Denn auch meine Maxime lautet :

Auf einen groben Klotz
gehört ein grober Keil

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Die Leiharbeit ist eine Maschinerie,
in die du als Schwein reingehst und
als Wurst rauskommst


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BeitragVerfasst: 29.08.2016, 18:53 
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Hallo,

ich habe mich über die Abstufung durch den Entleiher und die damit verbundene Reduzierung der Branchenzuschläge massiv beschwert. Inzwischen wurde eine teilweise Anpassung vorgenommen.

Das Zeitarbeitsunternehmen behauptet, dass der Entleihbetrieb die Entgeltgruppe (und damit indirekt die Höhe der zu zahlenden BZ laut folgendem Paragraphen vornehmen kann.
*********************************************
Tarifvertrag Branchenzuschläge M+E §4 Abweichende Vereinbarungen im Kundenbetrieb:

(1) Das Entgelt des Arbeitnehmers ergibt sich aus den Entgelttarifverträgen BAP/iGZ in Verbindung mit §2 dieses Tarifvertrages.

(2)Das Zeitarbeitsunternehmen informiert den überlassenden Beschäftigten ab Kenntnis über Vereinbarungen im Kundenbetrieb über Leistungen für den Zeitarbeitsbeschäftigten

(3) Solche Regelungen sind in die vertragliche Vereinbarung zwischen Zeitarbeitsunternehmen und Kundenbetrieb aufzunehmen. Dem gemäß hat der Arbeitnehmer einen Anspruch auf Leistungen entsprechend den betrieblichen Vereinbarungen im Kundenbetrieb.
****************************************************************************************************
Ich zweifle diese Argumentation an. Abgesehen davon, dass nur ein geringer Anteil der Zeitarbeitnehmer in den Genuss der BZ kommt, wäre es möglich, diese auf Betreiben des Entleihers willkürlich zu reduzieren, indem eine Abstufung der Entgeltgruppe vorgenommen wird.
Das kann doch nicht sein. Ich freue mich über euer Feedback.

VG
pettirosso


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BeitragVerfasst: 31.08.2016, 11:55 
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Beiträge: 874
Zitat:
ich habe mich über die Abstufung durch den Entleiher und die damit verbundene Reduzierung der Branchenzuschläge massiv beschwert. Inzwischen wurde eine teilweise Anpassung vorgenommen.


Bei wem hast Du Dich beschwert? Beider ZAF, dem Entleiher oder BR vom Entleiher?

Oft spielen sich Entleiher und Verleiher die Bälle zu und der LAN ist der Dumme...

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...Staatshaushalt - Ein Haushalt in dem alle essen, aber niemand spülen will!

http://www.youtube.com/watch?v=ziDDgZdunF0


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BeitragVerfasst: 31.08.2016, 17:13 
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Beiträge: 4
Hallo Cid,

ich habe mich beim Zeitarbeitsunternehmen beschwert. Es gab Nachzahlungen bis einschließlich Februar zurück, also über die Ausschlussfrist hinaus.

Dennoch ist mein Arbeitgeber immer noch der Meinung, dass der Entleiher den Zeitarbeitnehmer abstufen kann, damit die Summe aus Grundentgelt plus BZ nicht zu hoch wird und legt dazu den §4 (siehe oben) vor. Inzwischen habe ich anderslautende Interpretationen von der IGM und vom BAP (!) gefunden und werde diese meinem AG auch vorlegen.

Es geht mir hier um Grundsätzliches. Mein AG ist ein sehr großes ZA-Unternehmen und offensichtlich wird hier rumgetrickst, um die Zahlung der BZ zu reduzieren.

VG
pettirosso


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BeitragVerfasst: 31.08.2016, 20:28 
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Beiträge: 662
Wohnort: Oldenburg
wieso wird immer so ein brimborium um den namen der ZAF gemacht
unfassbar


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BeitragVerfasst: 31.08.2016, 20:30 
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Beiträge: 718
Weil es Rückschlüsse auf die Identität zulassen könnte. Ist doch eigentlich auch eh scheißegal. Leihbuden sind alle kacke. Nur Randstad nicht. die sind megascheiße... (inkl.BR)


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BeitragVerfasst: 01.09.2016, 08:11 
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Registriert: 26.05.2013, 22:34
Beiträge: 874
Zitat:
Leihbuden sind alle kacke. Nur Randstad nicht. die sind megascheiße... (inkl.BR)


100% Zustimmung!!

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