ZeitarbeiterInnen - Ohne Organisation Machtlos

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BeitragVerfasst: 27.03.2017, 16:30 
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Hallo zusammen,

ich arbeite mittlerweile fast vier Jahre für die selbe Zeitarbeitsfirma.
Jedes mal, wenn es um einen neuen Einsatz geht, bin ich der letzte, der einbezogen wird.
Obwohl es bei Einstellung hieß, dass dann mit mir darüber gesprochen wird.
Von allen anderen ZA, bei denen ich beschäftigt war kannte ich es so, dass bei einem neuen
Einsatz erst der LAN informiert wird (Wir haben hier Tätigkeit X, wäre das was für sie?) und er
bei Zustimmung bei der Einsatzfirma vorgeschlagen wird.
Meine ZA schlägt mich aber einfach irgendwo vor ohne das mit mir abzusprechen. Wer weiß, wieviele
Vorschläge ich schon gar nicht mitbekommen habe. Zeigt ein Einsatzbetrieb aber Interesse an mir bekomme
ich von der ZA einen Anruf, ich hätte zu Termin X bei Firma Y zum Vorstellungsgespräch zu erscheinen.
Ob die Tätigkeit zu meiner Qualifikation passt ist der ZA dabei völlig egal. Auch Fahrzeiten von fast zwei
Stunden mit den Öffis und mehrere male umsteigen zum Einsatz finden sie völlig normal.
Dass ich irgendwo vorgeschlagen wurde, habe ich meistens nur zufällig erfahren.
Auch über Absagen nach Vorstellungsgesprächen werde ich nicht informiert. Wenn ich nicht nach zwei Wochen
nachgefragt hätte, hätten die mir nichts gesagt.

Auf meine Bitte, mich doch zu informieren bevor ich irgendwo vorgeschlagen werde, reagierte man sehr abweisend
und eher patzig.

Gibt es irgendwo eine Richtlinie/Vorschrift, dass erst der LAN zu dem möglichen neuen Einsatz informiert
werden muss/soll?
Wie kennt ihr das?

Zweite Frage: Von wo aus berechnet sich der Anfahrtsweg zu einem Einsatz? Vom eigenen Wohnsitz aus oder von der Geschäftsstelle der ZA?


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BeitragVerfasst: 27.03.2017, 18:52 
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Registriert: 24.07.2013, 19:10
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Es gibt keine informationspflicht. Die Leihbude darf dir entsprechend deines Arbeitsvertrages alles auf das Auge drücken. 2 Stunden Fahrzeit (also 4 hin und zurück) sind unzumutbar. Solche Aufträge darfst du ablehnen. Allerdings kann die die Leihbude mit einer Unterkunft entgegenkommen. Fahrgeld immer schön vor neuen Auftragen vereinbaren.


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BeitragVerfasst: 27.03.2017, 23:58 
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Beiträge: 520
Hallo Salzstange,
willkommen im Club.

§ 81 Betriebsverfassungsgesetz
Unterrichtungs- und Erörterungspflicht des Arbeitgebers

(1) Der Arbeitgeber hat den Arbeitnehmer über dessen Aufgabe und Verantwortung sowie über die Art seiner Tätigkeit und ihre Einordnung in den Arbeitsablauf des Betriebs zu unterrichten. Er hat den Arbeitnehmer vor Beginn der Beschäftigung über die Unfall- und Gesundheitsgefahren, denen dieser bei der Beschäftigung ausgesetzt ist, sowie über die Maßnahmen und Einrichtungen zur Abwendung dieser Gefahren und die nach § 10 Abs. 2 des Arbeitsschutzgesetzes getroffenen Maßnahmen zu belehren.

(2) Über Veränderungen in seinem Arbeitsbereich ist der Arbeitnehmer rechtzeitig zu unterrichten. Absatz 1 gilt entsprechend.

(3) In Betrieben, in denen kein Betriebsrat besteht, hat der Arbeitgeber die Arbeitnehmer zu allen Maßnahmen zu hören, die Auswirkungen auf Sicherheit und Gesundheit der Arbeitnehmer haben können.

_________________
Die Leiharbeit ist eine Maschinerie,
in die du als Schwein reingehst und
als Wurst rauskommst


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BeitragVerfasst: 28.03.2017, 09:35 
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Registriert: 23.01.2015, 14:32
Beiträge: 49
Salzstange hat geschrieben:
Hallo zusammen,

ich arbeite mittlerweile fast vier Jahre für die selbe Zeitarbeitsfirma.
Jedes mal, wenn es um einen neuen Einsatz geht, bin ich der letzte, der einbezogen wird.
Obwohl es bei Einstellung hieß, dass dann mit mir darüber gesprochen wird.
Von allen anderen ZA, bei denen ich beschäftigt war kannte ich es so, dass bei einem neuen
Einsatz erst der LAN informiert wird (Wir haben hier Tätigkeit X, wäre das was für sie?) und er
bei Zustimmung bei der Einsatzfirma vorgeschlagen wird.

Deine ZAF braucht deine Zustimmung dafür nicht da sie nicht dazu verpflichtet ist.
Deine ZAF schuldet dir nämlich lediglich Vertragliche Beschäftigung.
Bedeutet im Klartext deine ZAF schuldet dir die vertraglich vereibarten Stunden und du schuldest der ZAF die vertraglich vereinbarten Tätigkeiten. Sie kann dich also nur mit den Tätigkeiten beschäftigen die ihr Vertraglich ausgehandelt habt.
Wenn deine ZAF dir nun einen neuen Entleiher anbietet und du diesen dann aber ablehnst dann sind die daraus entstehenden Minusstunden auf dein verhalten hin entstanden wo mit die ZAF dann wiederum berechtigt ist entsprechende Minusstunden in deinem Arbeitszeitkonto zu buchen.
Kannst also hier nicht grade Annahmeverzugslohn bzw. Wiedergutschrift auf deinem Arbeitzeitkonto verlangen.
Zitat:
Meine ZA schlägt mich aber einfach irgendwo vor ohne das mit mir abzusprechen. Wer weiß, wieviele
Vorschläge ich schon gar nicht mitbekommen habe. Zeigt ein Einsatzbetrieb aber Interesse an mir bekomme ich von der ZA einen Anruf, ich hätte zu Termin X bei Firma Y zum Vorstellungsgespräch zu erscheinen.
Ob die Tätigkeit zu meiner Qualifikation passt ist der ZA dabei völlig egal.


Wie schon ausgeführt braucht sie das auch nicht mit dir abzusprechen.
Wenn die Tätigkeit unterhalb deine Qualifikation liegt und diese dir trotzdem angeboten wird , so hat wohl deine ZAF sich dies wohl augenscheinlich vertraglich zusichern lassen. Schau mal genau in deinen Arbeitsvertrag
Zitat:
Auch Fahrzeiten von fast zwei Stunden mit den Öffis und mehrere male umsteigen zum Einsatz finden sie völlig normal.

Da du hier mit Öffentlichen Verkehrsmitteln fährst gilt dies in der tat nicht als Arbeitszeit da du während dieser Fahrt frei in deinem Handeln bist . Könntest also Schlafen , Lesen, mit dem Handy spielen usw.
Anders dagegen wenn du mit deinem Eigenen PKW zum Einsatz fahren würdest.
Hier ist die Fahrtzeit auch Arbeitzeit da Leiharbeiter keine feste Betriebsstätte haben und somit wie Außendienstmitarbeiter zu behandel sind.
Hier hat der EuGH klar und deutlich entschieden. Urteil vom 10.09.2015 Aktenzeichen C-266/14
Bedeutet im Klartext auch das neben den Stunden die man bei dem Entleiher tatsächlich gearbeitet hat auch die Fahrzeit zu beachten ist weil alleine durch die Fahrzeit ein überschreiten des Arbeitzeitgesetzes in Frage kommt.
Bspl. Ich arbeite an 6 Tagen 7,5 Stunden beim Entleiher. Das sind 45 Stunden . Nun fahre ich 45 Min Hin und 45 Min zurück vom Kunden nach Hause. das macht 1,5 Stunden pro Tag X 6 Tage = 9 Stunden.
45 Stunden + 9 Stunden = 54 Stunden und somit ein Überschreiten der Wöchentlichen Höchstarbeitzeit von 9 Stunden. Da nur max 48 Stunden pro Woche im Rahmen des Arbeitzeitgesetz zulässig ist.

Zitat:
Gibt es irgendwo eine Richtlinie/Vorschrift, dass erst der LAN zu dem möglichen neuen Einsatz informiert
werden muss/soll?
Wie kennt ihr das?

Diese Vorschrift gibt es erst ab dem 01.04.2017
Nach §§ 11 Abs. 2 Satz 4 hat der Verleiher den Leiharbeitnehmer vor jeder Überlassung darüber zu informieren, dass er als Leiharbeitnehmer tätig wird.
Hinzu kommt die besonderheit das bevor die ZAF dich zum Entleiher schickt der Betriebrat des Entleihers über deinen Einsatz zu informieren ist.
Hier reicht es ab 01.04.2017 nicht mehr aus den Betriebrat lediglich Allgeimein darüber zu Informieren Leiharbeiter beschäftigen zu wollen da der Leiharbeiter im Überlassunsgvetrag ab 01.04.2017 konkret genannt werden muss und entsprechend §§99 Betriebsverfassungsgesetz der Betriebsrat des Entleihers zu beteiligen ist. Siehe §§14 Abs. 3 AÜG

Zitat:
Zweite Frage: Von wo aus berechnet sich der Anfahrtsweg zu einem Einsatz? Vom eigenen Wohnsitz aus oder von der Geschäftsstelle der ZA?


Von der Wohnung des Leiharbeiters. Aber eben nur dann wenn dieser mit dem eigenen PKW fährt.
Siehe meine ausführung oben


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BeitragVerfasst: 03.04.2017, 19:25 
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Beiträge: 3
Hafenkasper hat geschrieben:
Da du hier mit Öffentlichen Verkehrsmitteln fährst gilt dies in der tat nicht als Arbeitszeit da du während dieser Fahrt frei in deinem Handeln bist . Könntest also Schlafen , Lesen, mit dem Handy spielen usw.


Es geht mir gar nicht darum, dass das Arbeitszeit sein könnte, sondern alleine um den Zeitaufwand. Ich habe schon öfter gelesen, dass bei einer täglichen Arbeitszeit von über sechs Stunden eine Pendelzeit von insgesamt (also Hin-und Rückfahrt zusammen) mehr als drei Stunden bei Benutzung des zeitlich günstigsten öffentlichen Verkehrsmittels unzumutbar ist.


Hafenkasper hat geschrieben:
Zitat:
Gibt es irgendwo eine Richtlinie/Vorschrift, dass erst der LAN zu dem möglichen neuen Einsatz informiert
werden muss/soll?
Wie kennt ihr das?

Diese Vorschrift gibt es erst ab dem 01.04.2017
Nach §§ 11 Abs. 2 Satz 4 hat der Verleiher den Leiharbeitnehmer vor jeder Überlassung darüber zu informieren, dass er als Leiharbeitnehmer tätig wird.
Hinzu kommt die besonderheit das bevor die ZAF dich zum Entleiher schickt der Betriebrat des Entleihers über deinen Einsatz zu informieren ist.
Hier reicht es ab 01.04.2017 nicht mehr aus den Betriebrat lediglich Allgeimein darüber zu Informieren Leiharbeiter beschäftigen zu wollen da der Leiharbeiter im Überlassunsgvetrag ab 01.04.2017 konkret genannt werden muss und entsprechend §§99 Betriebsverfassungsgesetz der Betriebsrat des Entleihers zu beteiligen ist. Siehe §§14 Abs. 3 AÜG



Auch hier geht es mir um etwas anderes.
Ich kannte es halt von allen anderen Personaldienstleistern so, dass - bevor der LAN irgendwo für einen neuen Folgeeinsatz vorgeschlagen wird - der LAN erst informiert wird, dass man ihn für eine bestimmt Tätigkeit vorschlagen könnte, vorausgesetzt, der LAN ist damit einverstanden weil die Tätigkeit zu seiner Qualifikation passt, die Entfernung zum Einsatzort passt.
Meine Zeitarbeitsfirma ist die erste und einzige (von der ich weiß) die das nicht so macht.

Und dass der Betriebsrat zustimmen muss war meines Wissens schon immer so.


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BeitragVerfasst: 04.04.2017, 13:10 
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Moin,

hm. Hört sich nicht nett an, aber auch nicht "verboten". Schöner wäre es natürlich, wenn Sie den Einsatz vorher mit Dir absprechen und auch mal zuhören, wo Deine Interessen eigentlich liegen.

Zur Fahrtzeit: Wirst Du nach iGZ oder BAP Tarif bezahlt? Im BAP hast Du bei Fahrtzeiten von mehr als eineinhalb Stunden (eine Strecke) Anspruch auf Erstattung der Fahrtzeiten, die über die 90 Minuten hinaus gehen. Ansonsten musst Du eigentlich irgendwo unterschrieben haben, wo sie Dich einsetzen dürfen. Oft steht "bundesweit" im Arbeitsvertrag. Aber dann muss es natürlich einen Regelung für Reisekosten geben und bei > 90 Minuten Anreise ist das tägliche Pendeln in der Tat nicht unbedingt zumutbar, dann müssen Sie Dir eine Übernachtung vor Ort ermöglichen.

In dieser Regelung der Reisekosten steht normalerweise auch, von wo aus die Reisezeiten zählen. Gemäß BAP gilt das ab Standort ZAF, aber da können die auch andere Dinge vereinbaren.


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BeitragVerfasst: 05.04.2017, 16:51 
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Beiträge: 45
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Aha,
Zitat:
Nach §§ 11 Abs. 2 Satz 4 hat der Verleiher den Leiharbeitnehmer vor jeder Überlassung darüber zu informieren, dass er als Leiharbeitnehmer tätig wird.

steht so im Gesetz, stimmt.
https://www.gesetze-im-internet.de/a_g/__11.html

Aber über welche Punkte muss der Verleiher informieren? Das hat der Gesetzgeber wohl vergessen hinzuzufügen. Den ZAF Buden gefällt es so, die LAN werden es schon nicht merken.

Der Versicherungsvertreter hat den Kunden vor jedem Vertragsabschluss darüber zu informieren dass er eine Versicherung abschliessen wird. Ist das im AÜG ungefähr so gemeint?

_________________
Wer hat uns verraten?
Gewerkschaftsbürokraten!


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BeitragVerfasst: 06.04.2017, 12:41 
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Registriert: 24.07.2013, 19:10
Beiträge: 718
So ähnlich. Man hat dich zu informieren, dass du nass wirst, wenn du ins Wasser springst.


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