ZeitarbeiterInnen - Ohne Organisation Machtlos

Ein Forum der IG Metall
Aktuelle Zeit: 08.12.2019, 06:59

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde




Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 5 Beiträge ] 
Autor Nachricht
 Betreff des Beitrags: Equal-Pay Verweigerung mal anders
BeitragVerfasst: 27.06.2018, 20:37 
Offline

Registriert: 16.04.2018, 08:38
Beiträge: 2
Hallo,

vorab möchte ich sagen, mir ist bewusst, dass ich ein Luxusproblem habe.

Ich bin seit bald 3 Jahren non-stop bei einem Kunden in der Chemiebranche beschäftigt (wo feste MA schon ganz gut verdienen). Ich habe einen AT-Arbeitsvertrag, sprich in meinem Arbeitsvertrag gibt es keinen Bezug auf eine Entgelt-Gruppe (EG).

Als ich dann ab dem 1.1.2018 die 9 Monate nach dem neuen AÜG vollhatte, war die Aussage meines Arbeitgebers, dass "bei mir Equal-Pay nicht zutrifft, da ich schon mehr verdiene als EG 9 + Branchenzuschlag".
Da ich der Meinung war, dass bei mir gesetzliches Equal-Pay nach 9 Monaten zutrifft, habe ich mich durch einen Anwalt beraten lassen. Dieser sah die Rechtslage ähnlich.
Dass ich nicht geklagt habe, ist der Tatsache geschuldet, dass nicht klar ist, wieviel Gehalt ich zu gewinnen hätte durch Equal-Pay. Denn beim Entleiher gibt es keine Festangestellten, welche die gleiche Arbeit machen. Deshalb hätte er möglicherweise als Equal-Pay ein Meister/Techniker-Gehalt angeben können, obwohl ich als Ingenieur angefordert bin. Das wären vielleicht 100-200 Euro mehr im Monat gewesen oder ich hätte weiter klagen müssen.

Deshalb habe ich erstmal nur die Erstberatung beim Anwalt bezahlt und weiter stillgehalten. Aber im September habe ich dann die 18 Monate nach AÜG neu voll. Wenn mein Arbeitgeber mir dann kündigt oder mich auf Montage schickt (was mein Arbeitsvertrag hergibt), werde ich das Spielgeld in die Hand nehmen und ein wenig über einen Anwalt "brandstiften".


Nach oben
 Profil  
 
BeitragVerfasst: 28.06.2018, 09:10 
Offline
Administrator

Registriert: 27.12.2004, 14:20
Beiträge: 2693
Wohnort: Augsburg
Hallo Leih-Ing,
Zitat:
Als ich dann ab dem 1.1.2018 die 9 Monate nach dem neuen AÜG vollhatte, war die Aussage meines Arbeitgebers, dass "bei mir Equal-Pay nicht zutrifft, da ich schon mehr verdiene als EG 9 + Branchenzuschlag".


Unter: https://www.rechtslupe.de/arbeitsrecht/ ... lt-3107101
heißt es ziemlich weit unten:
Nach Art. 5 Abs. 1 RL müssen die wesentlichen Arbeits- und Beschäftigungsbedingungen der Leiharbeitnehmer während der Dauer ihrer Überlassung an ein entleihendes Unternehmen mindestens denjenigen entsprechen, die für sie gelten würden, wenn sie von jenem genannten Unternehmen unmittelbar für den gleichen Arbeitsplatz eingestellt worden wären. Die Richtlinie stellt, indem sie auf “den gleichen Arbeitsplatz” Bezug nimmt, auf die Art der vom Leiharbeitnehmer beim Entleiher ausgeübten Tätigkeit ab. Mangels abweichender nationaler Regelung kommt es daher für die Bestimmung des Vergleichsentgelts zunächst allein auf diese an. Nichts anderes gilt, wenn der Entleiher keine vergleichbaren Stammarbeitnehmer beschäftigt. Auch in diesem Fall ist das Vergleichsentgelt tätigkeitsbezogen zu bestimmen. Es ist unabhängig davon, ob der Entleiher in seinem Betrieb ein allgemeines Entgeltschema anwendet, in das der Leiharbeitnehmer fiktiv eingruppiert werden kann, das Arbeitsentgelt zugrunde zu legen, das der Leiharbeitnehmer erhalten hätte, wenn er für die gleiche Tätigkeit beim Entleiher eingestellt worden wäre.

Dass Du auf AT-Basis entliehen wurdest und nicht auf TV-Basis setzt meiner Meinung nach den Anspruch auf equal-pay nach EU-Richtlinie nicht außer Kraft.

Ohne Klage wird sich da aber nichts klären lassen.

Karl

PS:
Noch interessant dazu: https://www.rechtslupe.de/arbeitsrecht/ ... uch-373049


Nach oben
 Profil  
 
BeitragVerfasst: 30.06.2018, 13:12 
Offline

Registriert: 16.04.2018, 08:38
Beiträge: 2
Meiner Meinung nach müsste bei mir das gesetzliche Equal-Pay nach 9 Monaten zutreffen. Denn in meinem Arbeitsvertrag fehlt schlicht der Bezug auf eine Entgeltgruppe, auf die sich ja der Branchenzuschlag bezieht.

Was in mir bohrt, ist die Tatsache, dass ein Sachbearbeiter in der Niederlassung einfach entschieden hat, "der Kerl verdient schon genug, wir müssen nicht den Entleiher nerven um die Equal-Pay Angaben zu bekommen." Ich fühle mich einfach "betuppt", wahrscheinlich hätte ich gar nichts unternommen, wenn nach den Equal-Pay Angaben des Entleihers heraus gekommen wäre, dass mir nicht mehr Gehalt zustehen.

Finanziell wäre eine Klage wahrscheinlich ein Nullsummenspiel für mich wenn ich die Gerichts- und Anwaltskosten betrachte. Deshalb habe ich bislang stillgehalten, weil noch habe ich mehr zu verlieren als zu gewinnen.


Nach oben
 Profil  
 
BeitragVerfasst: 01.07.2018, 08:49 
Offline

Registriert: 23.01.2015, 14:32
Beiträge: 71
Leih-Ing hat geschrieben:
Meiner Meinung nach müsste bei mir das gesetzliche Equal-Pay nach 9 Monaten zutreffen. Denn in meinem Arbeitsvertrag fehlt schlicht der Bezug auf eine Entgeltgruppe, auf die sich ja der Branchenzuschlag bezieht.


Wenn du wirklich Equal Pay einklagen möchtest , musst du den Entleiher erstmal schriftlich Auffordern dir Auskunft nach §13 AÜG zu erteilen. Nur mit dieser Auskunft könntest du deiner Beweislast im späteren Prozess nachkommen. Kann dir aber jetzt schon versichern das sobald du dir diese Auskunft von deinem Entleiher holst , du prompt abgemeldet wirst und prompt deine Kündigung von deiner Zeitarbeitsfirma bekommen wirst.

Zitat:
Was in mir bohrt, ist die Tatsache, dass ein Sachbearbeiter in der Niederlassung einfach entschieden hat, "der Kerl verdient schon genug, wir müssen nicht den Entleiher nerven um die Equal-Pay Angaben zu bekommen." Ich fühle mich einfach "betuppt", wahrscheinlich hätte ich gar nichts unternommen, wenn nach den Equal-Pay Angaben des Entleihers heraus gekommen wäre, dass mir nicht mehr Gehalt zustehen.


Da du hier keinerlei Angaben zu deinen Tätigkeiten gemacht hast, ist es schwer dir zu sagen welche Entgeltgruppe beim Entleiher auf dich zutrifft. Habe nämlich zufällig den Aktuellen Tarifvertrag incl Entgeltgruppen hier liegen und könnte dir entsprechend mitteilen welche Entgeltgruppe du einzugruppieren wärst mit dem entprechenden Gehalt und dann könnte man sehen ob du jetzt schon mehr verdienst wie ein Stammbeschäftigter.
Aus deinen Angaben lässt sich auch nicht entnehmen auf wie viele Stunden im Monat/Woche sich dein jetziges Gehalt bei deiner Leihbude bezieht.

Zitat:
Finanziell wäre eine Klage wahrscheinlich ein Nullsummenspiel für mich wenn ich die Gerichts- und Anwaltskosten betrachte. Deshalb habe ich bislang stillgehalten, weil noch habe ich mehr zu verlieren als zu gewinnen.


Oh ja. So ein Prozess kann schnell sehr teuer werden wenn du nicht in der Gewerksschaft bist.
Hast du keine Rehtsschutzversicherung für Arbeitsrecht ( Gewerkschaft oder Vericherung ) dann Zahlst du egal ob du Gewinnst oder verlierst die kosten deines Anwalts + Geichtskosten falls du den Prozess ganz verlierst.
Daher sollte es gut überlegt sein ob sich der Streß lohnt oder ob man nicht einfach die Füße still hält weil es um grade mal 100 Euro geht . Diese könnte man nämlich locker über seinen Lohnsteuerjahresausgleich wieder reinholen da man ja als Leiharbeiter die Hin so wie Rückfahrt als Reisekosten geltend machen kann.

Was einem viel mehr sorgen machen sollte , ist was mit Ablauf des September 2018 bei dir wird. Entweder der Entleiher meldet dich zum 30.09.2018 ab oder aber er bietet dir einen Arbeitsvertrag an.
Bietet er dir kein Vertrag an, so wird denke ich mal deine Zeitarbeitsfirma versuchen dich zu Kündigen oder aber dir evtl. zumindest eine Änderungskündigung anbieten. Natürlich zu schlechtere Bedingungen.
Wenn dein Chef meint du bekommst jetzt schon mehr wie E 9 + Branchenzuschlag , dann wärst du jetzt schon bei einem Stundenlohn von 21,07 ( E9 ) + 24 Prozent Branchenzuschlag = 26,12 Euro


Nach oben
 Profil  
 
BeitragVerfasst: 03.07.2018, 06:49 
Offline

Registriert: 06.05.2010, 09:31
Beiträge: 216
Hm. Ich bin mir nicht ganz so sicher, ob Dein Verleiher nicht doch irgendwie Recht hat.

Voraussetzung dafür ist, dass in Deiner Branche (Chemieindustrie?) ein Branchenzuschlagstarif gilt. Ich hab das so verstanden: Grundsätzlich hebeln die Branchenzuschlagstarife Equal Pay aus - da wurde eine neue "6. Stufe" nach 15 Monaten eingeführt und die Tarifparteien waren sich einig, dass das auf jeden Fall dem Equal-Pay-Anspruch in dieser Stufe entspricht. Das AÜG lässt diese Ausnahme zu, man wollte damals wohl die Branchentarife nicht kaputt machen... gemäß der Branchenzuschlagstarife musst Du nach 15 Monaten also entweder die 6. Stufe kriegen ODER Du wirst auf Equal-Pay "gedeckelt".

Hab gerade geguckt: Für den Chemie-Branchentarifvertrag ist das ein Zuschlag von 24 % (nach 15 Monaten in der 6. Stufe) bei Entgeltgruppe >6. Du müsstest also mindestens 21,70 (Gruppe E9 West) + 5,21 € pro Stunde bekommen, damit das erfüllt ist. Wenn Du im Westen arbeitest.

Wenn Du also wirklich 26,91 €/Std. kriegst (oder mehr), dann ist das nach meinem Verständnis in der Tat ausreichend. Dann muss kein EP gezahlt werden.

Hm. Chemie ist irgendwie doof. Ich bin immer im Bereich Elektro unterwegs, da sind die Prozente in de M&E-Industrie deutlich höher.


Nach oben
 Profil  
 
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:  Sortiere nach  
Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 5 Beiträge ] 

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde


Du darfst keine neuen Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst keine Antworten zu Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht ändern.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du darfst keine Dateianhänge in diesem Forum erstellen.

Suche nach:
Gehe zu:  
cron
Powered by phpBB® Forum Software © phpBB Group
Deutsche Übersetzung durch phpBB.de