ZeitarbeiterInnen - Ohne Organisation Machtlos

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BeitragVerfasst: 02.05.2017, 13:54 
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Der jW Artikel https://www.jungewelt.de/artikel/309862.die-ig-metall-ist-kein-freund-der-leiharbeit.htmlist recht interessant - offenbart er doch Denkfehler.

Zitat:
Das ist kein Widerspruch, ich sehe das auch so wie er. Leiharbeit ist sinnvoll, wenn es um die Abdeckung von Auftragsspitzen geht. Als ich vor 30 Jahren in der Metall- und Elektroindustrie Berlins gearbeitet habe, gab es bei uns auch Leiharbeiter. Die waren aber besser bezahlt als die Stammbelegschaft. In diese Richtung wollen wir das wieder lenken.


Wenn es nur um die Abdeckung von Auftragsspitzen geht, benötigt man keinen 48 Monatige Höchstüberlassungsdauer in der Metall- und Elektroindustrie. Kennt jemand Zahlen? Wahrscheinlich betrifft das nicht mal 10.000 LAN.

Zitat:
Viele Leiharbeiter wollen auch lieber »bei uns« eingesetzt werden. Denn in der Metall- und Elektroindustrie bestehen weit bessere Arbeitsbedingungen als etwa in der Fleischindustrie. Insofern ist die Regelung in ihrem Interesse.


Huii eine sehr direkte Aussage. Einfach mal raushängen lassen, dass die IG Metall im Vergleich zur NGG den größeren hat...Wie lautete das Motte der diesjährigen 1. Mai Kundgebungennoch mal?

"Wir sind viele. Wir sind uneins?????"

Zitat:
Hätten die Beschäftigten ohne Ihren Abschluss nicht sehr viel rascher einen Anspruch auf Übernahme in den Betrieb, eben nach 18 Monaten?

Einen gesetzlichen Anspruch gibt es eben nicht. Das Arbeitnehmerüberlassungsgesetz schreibt bloß vor, dass einzelne Leiharbeiter nicht länger als 18 Monate im Betrieb eingesetzt werden dürfen. Doch Ver- und Entleihbetrieb können einfach einen Kollegen abmelden und auf dessen Arbeitsplatz einen anderen Leiharbeiter einsetzen.


Die 48 Monate zielen auf einen bestimmten Typus AN ab: Qualifiziert, gut bezahlt, Projektarbeiter etc. Das war genau das dumme Geschwafel, das iGZ Vertreter unisono anstimmten: Die armen Firmen, welche sich teure und hochqualifizierte Projektmitarbeiter reinholen müssen diese nach 18 Monaten wieder rauswerfen ... *schluchz*

Nur leider gilt diese Tarifvereinbarung auch für den angelernten LAN am Band oder der Logistik....

:roll: :roll:

Damit wird die Klassengesellschaft der Leiharbeitenden weiter zementiert...

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BeitragVerfasst: 07.05.2017, 15:01 
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Hallo,

um die Nichtzufriedenheit nicht nur immer im Forum zu diskutieren hatten sich einige Aktive des AK MiZ Augsburg/Donauwörth entschlossen zur nächsten TK-Sitzung zu fahren und ihre Sicht der Dinge einfach mal in Gesprächen mit TK-Mitgliedern anzusprechen.
Die TK-Mitglieder aus Bayern kennen wir also sprachen wir mal ein paar andere an mit denen man sonst nie ins Gespräch kommt.

Die Auswahl war nicht sehr groß. Es liefen uns maximal 13 TK-Mitglieder über den Weg. Denen hatten wir mit unserem Transparent eine nicht zu übersehende Stolperfalle gestellt damit sie nicht einfach zur Tagesordnung übergehen konnten.

Wir hatten dazu max. 20 Minuten Zeit. MancheTK-Mitglieder kamen erst kurz vor Beginn der Sitzung. Schon mal vorweg: Sehr ergiebig war es nicht. Mein Eindruck aus den kurzen Gesprächen: Wer keine Massen von LAN vorweisen kann hat zwar gute Vorschläge aber darauf käme es nicht an. Dem ist natürlich grundsätzlich nicht zu widersprechen. Trotzdem blieben z.B. Fragen unbeantwortet wie:

a) Warum wird bei den Verhandlungen nur über eine sechste Zuschlagsgruppe verhandelt?

b) Warum wird freiwillig und ohne Not die Verbesserung der anderen Zuschlagsgruppen erst gar nicht ins Auge gefasst?

Dazu als Hintergrundinfo: In der Beschlußvorlage des Vorstands z.B. für die bayr. TK-Metall im Oktober hieß es ganz lapidar: "Des Weiteren brauchen wir eine Erweiterung des Branchenzuschlages nach spätestens 15 Monaten auf 65% des Stundenentgeltes, um das gesetzliche equal-pay zu erreichen, wobei es bei der Staffelung ab der 6. Woche bleiben sollte.

Es ist wohl bei der Mehrheit der TK-Mitglieder in der Leiharbeit zu viel erwartet eigenständige Vorstellungen zu entwickeln.

Man kann aus der geringen Teilnehmerzahl auch zu dem Schluß kommen, dass viele von ihnen nur dann erscheinen wenn es um Beschlußfassungen geht was offenbar an dem Tag nicht der Fall war. (Üblicherweise erscheinen sonst fast doppelt so viele zur Sitzung).

Mein Fazit: So wie es ausschaut werden in den nächsten Wochen die TV LeiZ und TV BZ so verabschiedet wie es der Vorstand schon seit dem letzten Sommer in Gesprächen mit Gesamtmetall vorbereitet hat und erhoffen sich damit für die Zeit bis zum 01. Januar 2021 (solange ist die Laufzeit des TV LeiZ vereinbart) ihre Ruhe.
Der Gesetzgeber hat das Problem an die Gewerkschaften weitergereicht, die reichen es an ihre BR weiter und wo es keine BR gibt heißt es leider,leider,leider.


Massen mobilisieren kann man aus einem Forum heraus nicht. Sich aber über die Diskussion im Forum hinaus vor Ort engagieren das geht schon wenn man es will. Das wäre auch mal ein Punkt für User die sich im Juni in Köln zusammensetzen wollen. Hätten wir in unserer IGM-Verwaltungsstelle keine organisatorische Grundlage (AK MiZ) wäre die TK in Frankfurt wieder ganz ungestört unter sich geblieben.


Karl


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BeitragVerfasst: 07.05.2017, 15:03 
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Der Vertrauenskörper der IG Metall bei Airbus in Hamburg fordert vom Unternehmen Angebote an Leiharbeitskräfte (LAKs) zur Festanstellung.
Dafür werden aktuell Unterschriften gesammelt. Super Idee!

Aber diese Aktion zeigt leider auch auf, was von den Kampagnen zur Leiharbeit wirklich bei den gewerkschaftlich organisierten Stammbeschäftigten hängengeblieben ist.
Es geht nicht um gleiches Geld für gleiche Arbeit ab dem ersten Einsatztag. Es geht nicht um gleiche Rechte, wie z.B. Anspruch auf Gewinnbeteiligungen. Es geht nicht um ein Angebot zur Festanstellung nach 6 Monaten, einem Jahr oder nach drei oder vier Jahren. Nein.
LAKs die 10 Jahre im Betrieb eingesetzt sind, sollen solch ein Angebot erhalten. Und natürlich sollten mindestens alle gewerkschaftlich organisierten Kolleg*innen diese Forderung unterstützen, finde ich zumindest.
Aber was für ein Armutszeugnis stellen sich die Kolleg*innen aus dem VK von Airbus da selbst aus? Bei allem guten Willen: Hier scheint so gut wie nichts von den Diskussionen, die hier im Forum geführt werden, angekommen zu sein. Zur Darstellung des Standes des Bewusstseins im VK von Airbus hier ein Artikel aus dem aktuellen direktflug, der vierteljährlich erscheinenden Zeitung der Vertrauenskörperleitung:

Direktflug - April 2017, Seite 13

Altes Spiel mit neuen Regeln!
1922 wurde das entgeltliche Vermitteln von Arbeitskräften durch das Arbeitsnachweisgesetz geregelt. 95 Jahre später gibt es sie immer noch, die Leiharbeiter*innen, kurz LAKs.


Aber ist diese Form der Beschäftigung noch zeitgemäß? Oder wird die Zeitarbeit für die Kolleg*innen durch neue Regeln und Gesetze besser? Gibt es Alternativen zur Leiharbeit? Darüber lohnt es sich mal nach zu denken …
Das Model Zeitarbeit scheint für Firmen und Industrie große Vorteile zu haben. Sie können einen Teil ihrer Personalplanung, durch den Einsatz von Zeitarbeitskräften, an den Bedarf von Mitarbeiter*innen anpassen, wenn diese durch längere Fehlzeiten, wie z. B. schwerer Krankheit, Elternteilzeit, Sabbatjahr oder aus ähnlichen Gründen, ausfallen. Auftragsspitzen lassen sich durch Leiharbeitskräfte kompensieren.
Allerdings auch zu einem höheren Preis, denn im Vergleich zu einem Festangestellten kostet Airbus eine Leiharbeitskraft erheblich mehr pro Stunde. Aus unserer Sicht, scheint es von einem Unternehmen nicht besonders weitsichtig zu sein, sich über einen Zeitraum von Jahren auf das System Leiharbeit zu verlassen. Fachwissen und Betriebserfahrung wurden langjährig erworben und sollten als kostbares Gut wertgeschätzt werden. Wenn die Leiharbeitskräfte das Unternehmen wieder verlassen müssen, geht mit ihnen auch das Fachwissen verloren.
Aber wie ist das für betroffene Kolleg*innen? Wir haben Leiharbeitskräfte, die bereits 14 Jahre an Airbus verliehen sind! Das bedeutet, 14 Jahre prekäre Beschäftigung für die betroffenen Kolleg*innen. Sie haben keine Planungssicherheit, sind immer von der Abmeldung bedroht. Familienplanung und z.B. die Anschaffung von Wohneigentum sind riskant, besonders für einen Alleinverdiener.
Es ist schwierig, nachzuempfinden, wie es sich anfühlt, in einem Unternehmen so viele Jahre zu arbeiten, sich zu engagieren, zu hoffen, aber am Ende doch nicht dazuzugehören. Den Kolleg*innen ist bewusst, dass man die Flexibilität sicherstellen muss, aber es ist schon hart, seine eigene Ablösung auszubilden.
Wenn man sich hier 10 Jahre oder länger bewährt hat, ist man nicht irgendwer, da kennt man jede Ecke in dem Flieger, auch die kritischen, dieses Know-how ist das Kapital das ein LAK an die nächsten weitergeben soll, denen es wahrscheinlich dann genauso ergehen wird, wie ihren Vorgängern.
Doch die Zeitarbeit nur zu verteufeln ist auch keine Lösung! Ist das neue Arbeitnehmerüberlassungsgesetz vielleicht der große Wurf? Was gibt es für Alternativen zur Leiharbeit? Sind mehr befristete Verträge eine Lösung?
Oder ist vielleicht doch alles gut so wie es ist? Schön wäre eine Diskussion zu dem Thema! Schreibt dem Direktflug eure Meinung!
vkl-hamburg[at]airbus.com


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BeitragVerfasst: 08.05.2017, 02:27 
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Die IGM hat im „Häuserkampf“ einen Höchstüberlassungstarifvertrag abgeschlossen:

„Erstmals ist es der IG Metall in der niedersächsischen Kontraktlogistikbranche gelungen, einen Tarifvertrag für die Leiharbeitnehmer abzuschließen. [...]
Zusätzlich muss die Firma Schnellecke einem Leiharbeitnehmer nach spätestens 30 Monaten einen Arbeitsvertrag anbieten.“

Quelle: http://www.igmetall-nieder-sachsen-anha ... eitnehmer/

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Der letzte Kampfaufruf http://www.youtube.com/watch?v=88Hh_DqJA5k
Der letzte Arbeitskampf http://www.youtube.com/watch?v=tGdVo6a0Ats


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BeitragVerfasst: 08.05.2017, 11:50 
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Zitat:
Massen mobilisieren kann man aus einem Forum heraus nicht. Sich aber über die Diskussion im Forum hinaus vor Ort engagieren das geht schon wenn man es will. Das wäre auch mal ein Punkt für User die sich im Juni in Köln zusammensetzen wollen. Hätten wir in unserer IGM-Verwaltungsstelle keine organisatorische Grundlage (AK MiZ) wäre die TK in Frankfurt wieder ganz ungestört unter sich geblieben.


Karl


Hallo Karl,

meinen Respekt, dass Du das in Frankfurt durchgezogen hast, Das ist ja für Dich nicht um die Ecke.

Ich nehme es für das Treffen in Köln mit.

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BeitragVerfasst: 09.05.2017, 17:00 
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Hallo,

unter: http://www.sozialismus.de/kommentare_an ... rlaengert/

eine gute Zusammenfassung der Diskussionen zur Höchstüberlassungsdauer mittels Tarifverträgen.

Karl


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BeitragVerfasst: 10.05.2017, 07:41 
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karla hat geschrieben:
Hallo,

unter: http://www.sozialismus.de/kommentare_an ... rlaengert/

eine gute Zusammenfassung der Diskussionen zur Höchstüberlassungsdauer mittels Tarifverträgen.

Karl


Eine sehr gelungene, ausführliche und kritische Zusammenfassung.
Sehr gut geeignet, um Betriebsräte, Mitarbeiter und auch Leiharbeitnehmer die sich noch nicht so um das Thema gekümmert haben zu informieren.


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BeitragVerfasst: 10.05.2017, 11:33 
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karla hat geschrieben:
Hallo,

unter: http://www.sozialismus.de/kommentare_an ... rlaengert/

eine gute Zusammenfassung der Diskussionen zur Höchstüberlassungsdauer mittels Tarifverträgen.

Karl



Manchmal bin ich immer noch verwundert, welche Publikationen du kennst und nutzt :-D

Zitat:
Erstmals zugelassen wurde diese Art des Beschäftigungsverhältnisses am 7. August 1972 mit dem »Gesetz zur Regelung der gewerbsmäßigen Arbeitnehmerüberlassung« (AÜG).


Diese Aussage ist allerdings Quatsch - das werden bestimmt einige der älteren Semester hier bestätigen mit dem 72er AÜG wurde lediglich die LA in ein juristisches Korsett gezwängt - gegeben hatte es sie schon Jahre vorher.

Zitat:
Mit dieser Kampagne konnte die Gewerkschaft rund 80.000 neue Mitglieder unter den LeiharbeiterInnen gewinnen.


Das ist mal ein echter Erkenntnisgewinn, war mir neu. Leider ist die IGM Kampagneseitdem etwas ins Stocken geraten.

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BeitragVerfasst: 10.05.2017, 16:54 
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Cid hat geschrieben:
karla hat geschrieben:
Hallo,

unter: http://www.sozialismus.de/kommentare_an ... rlaengert/

eine gute Zusammenfassung der Diskussionen zur Höchstüberlassungsdauer mittels Tarifverträgen.

Karl



Manchmal bin ich immer noch verwundert, welche Publikationen du kennst und nutzt :-D

Naja, in der Bild-Zeitung wirst du einen solchen Artikel nicht finden. :roll:


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BeitragVerfasst: 11.05.2017, 06:56 
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Cid hat geschrieben:
Zitat:
Mit dieser Kampagne konnte die Gewerkschaft rund 80.000 neue Mitglieder unter den LeiharbeiterInnen gewinnen.

Das ist mal ein echter Erkenntnisgewinn, war mir neu. Leider ist die IGM Kampagneseitdem etwas ins Stocken geraten.

Das hört sich so an, als hätte die IGM 80.000 neue Mitglieder plus die alten Mitglieder. Wenn das so wäre, wäre die IGM in diesem Bereich ja super organisiert.
Leider kann das so nicht stimmen. Laut Pressemitteilung vom 21.10.2016 hat die IGM lediglich 40.000 Mitglieder im Bereich der Leiharbeit (und ich glaube nicht, dass so eine Zahl in einer offiziellen Pressemitteilung untertrieben wird ^^).

https://www.igmetall.de/pressemitteilungen-2016-23952.htm

Wenn immer noch 183.000 Leiharbeitnehmer in der Metall- und Elektroindustrie beschäftigt sind wie 2015 (ich fürchte es sind inzwischen mehr), dann entspräche das einem wohlwollend errechneten Organisationsgrad von 22%.


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BeitragVerfasst: 11.05.2017, 10:11 
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Hallo Schildhorster,
Zitat:
Leider kann das so nicht stimmen. Laut Pressemitteilung vom 21.10.2016 hat die IGM lediglich 40.000 Mitglieder im Bereich der Leiharbeit (und ich glaube nicht, dass so eine Zahl in einer offiziellen Pressemitteilung untertrieben wird

Beide Zahlen stimmen schon.

Die ca. 80000 wurden im Lauf der Kampagne - also über mehrere Jahre - gewonnen. Aber im Lauf der letzten Jahre sind auch Tausende üübenommen worden. Und dann werden sie nicht mehr als Leiharbeiter registriert sondern als Stammarbeiter.
Weitere Tausende sind in der selben Zeit auch wieder arbeitslos geworden. Dann werden sie als Arbeitslose registriert oder sind auch wieder ausgetreten.

Der Organisationsgrad von ca. 20% dürfte schon zutreffen. Das Problem ist aber, dass die meisten organisierten LAN in wenigen großen Betrieben der Automobil,Luftfahrt und im Maschinenbau organisiert sind. Allerdings sind sie nach meinem Eindruck dort auch nur zahlende Karteileichen fast ohne jegliche eigene organisatorische Strukturen. Das ändert sich nur wenn vor Ort ein paar Leute so etwas in die Hand nehmen. Leiharbeiter muss man dazu nicht sein.

Als wir in Frankfurt waren wurde die Forderung auf unserem Transparent nach Branchenzuschlägen ab dem 1. Tag beantwortet mit bringt uns ein paar Hunderttausend Leiharbeiter mit. Gut das hat an dem Tag nicht geklappt wir waren nur zu dritt.
Wenn man solche Transparente als gelungenes Rahmenprogramm am 1. Mai spazierenträgt ist der Vorstand zufrieden. Taucht man damit während der Woche in Frankfurt auf hält sich die Begeisterung in Grenzen.


Karl


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BeitragVerfasst: 11.05.2017, 13:54 
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Zitat:
Wenn man solche Transparente als gelungenes Rahmenprogramm am 1. Mai spazierenträgt ist der Vorstand zufrieden. Taucht man damit während der Woche in Frankfurt auf hält sich die Begeisterung in Grenzen.


Leider wahr

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BeitragVerfasst: 19.05.2017, 06:33 
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Immer gut zu wissen, wie die Unternehmerseite im Zeitarbeitsgeschäft so tickt:
https://www.berater-der-zeitarbeit.de/n ... ehmerforum

Zitat zur Podiumsdiskussion auf dem 11. ES-Unternehmerforum in Fulda: "(...) Besucherrekord! „Mein Team und ich freuen uns wahnsinnig über das volle Haus“, bedankte sich Edgar Schröder, Gastgeber und Geschäftsführer der ES Edgar Schröder Unternehmensberatungsgesellschaft für Zeitarbeit, zu Veranstaltungsbeginn bei den Anwesenden.
In den anschließenden Vorträgen und Diskussionsrunden wurde die AÜG-Novellierung dann aus den unterschiedlichsten Perspektiven beleuchtet. Christian Hornfeck, Referent bei der Bundesagentur für Arbeit (BA), erläuterte die Gesetzesreform aus Behördensicht und fokussierte dabei die im März veröffentlichten Fachlichen Weisungen. Dass insbesondere die Änderungen in den Bereichen Offenlegungs-, Konkretisierungs- und Informationspflicht bei den Personaldienstleistern „keine Jubelstürme auslösen“, dessen war sich Hornfleck bewusst. Angesprochen auf mögliche Rechtsfolgen bei Verstößen verwies der BA-Referent auf den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit: „Wir berücksichtigen natürlich, dass viele Regelungen neu gelten – und werden nicht gleich die Keule rausholen.“ (...)"


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BeitragVerfasst: 22.09.2017, 12:13 
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Hier ein Artikel vom 21.09.2017 aus der "Neuen Osnabrücker Zeitung" zum Thema. Kann jemand die darin erwähnte Parlamentarische Anfrage und die Antwort drauf hier posten? Ich finde sie nicht.

Gesetz als Mogelpackung?
Metallindustrie unterläuft Regeln zu Leiharbeit

Von Marion Trimborn
https://www.noz.de/deutschland-welt/pol ... iharbeit-1

Seit April gelten neue Regeln, um Leiharbeiter zu schützen. Sie dürfen zum Beispiel nur noch 18 Monate lang in einem Unternehmen arbeiten. Doch große Teile der Metallbranche halten sich noch nicht daran und nutzen die Übergangsfrist aus.
Schon 13 regional geltende Tarifverträge erlauben Abweichungen von der gesetzlichen Regelung, wonach Leiharbeiter höchstens 18 Monate lang in einer Firma eingesetzt werden dürfen. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen hervor, die unserer Redaktion vorliegt.

Übergangsfrist ausgenutzt
Wie die Einträge im Tarifregister des Bundesarbeitsministeriums zeigen, überschreiten Tarifverträge in elf Bundesländern diese Grenze und nutzen damit eine Übergangsfrist. Wie viele Leiharbeiter davon betroffen sind, kann die Bundesregierung nicht sagen. Das Bundesarbeitsministerium verwies darauf, dass die Tarifvertragsparteien der Einsatzbranchen „noch bis Oktober 2018 Zeit haben, um abweichende Regelungen zu treffen.“ Experten gehen davon aus, dass noch zahlreiche weitere Branchentarifverträge hinzukommen, um die Höchsteinsatzdauer zu umgehen.

Seit April gilt neues Gesetz
Die neue Vorschrift war mit der Änderung des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes am 1. April eingeführt worden. Sie soll Leiharbeiter – die zumeist schlechter bezahlt werden - davor schützen, dass sie immer wieder auf derselben Stelle eingesetzt werden, ohne eine Festanstellung zu bekommen. In der Praxis verlängern viele Unternehmen, etwa Autohersteller, die Einsatzzeit von Leiharbeitern einfach auf 48 Monate, um Lohnkosten zu sparen. Aber auch die Gewerkschaften haben durchaus ein Interesse daran, um die Stammbelegschaft zu schützen.

Grüne: Gesetz ist eine Mogelpackung
Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Beate Müller-Gemmeke kritisierte: „Die Höchstüberlassungsdauer ist eine Mogelpackung, denn sie begrenzt Leiharbeit in keiner Weise.“ Sie warf der Bundesregierung vor, es mit der Höchstüberlassungsdauer nicht ernst gemeint zu haben: „Sonst hätte sie keine Verlängerung ermöglicht, zumal die meisten Leiharbeitskräfte viel kürzere Einsatzzeiten haben.“
In ihrem Wahlprogramm fordern die Grünen, dass Leiharbeiter vom ersten Tag an mindestens den gleichen Lohn erhalten wie Stammbeschäftigte – und zusätzlich eine Flexibilitätsprämie. Müller-Gemmeke sagte: „Das wäre gerecht und davon würden die Leiharbeitskräfte tatsächlich profitieren. Leiharbeitskräfte bekämen einen höheren Lohn und für Unternehmen wäre eine Festanstellung betriebswirtschaftlich günstiger.“
Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall wollte die Zahlen auf Anfrage nicht kommentieren. In der Vergangenheit hatte der Arbeitgeberverband darauf hingewiesen, dass Leiharbeit für Firmen wichtig ist, um Auftragsspitzen und zunehmende Schwankungen der Märkte ausgleichen zu können.


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BeitragVerfasst: 22.09.2017, 19:32 
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Hallo piet,

die Anfrage der Grünen habe ich auch nicht gefunden.

Die von den Grünen monierte Mogelpackung hat die IGM mit ihrem Leih-Z-TV ermöglicht. Der sagt aus, adss BR mit ihrer Geschäftsleitung eine BV zur Überlassung zwischen 0 und 48 Monaten abschließen können.
Der Gesetzgeber hat den Tarifpartnern freigestellt dazu TV abzuschließen. Und die IGM hat im TV Leih-Z dies mit der 48-Monatsregelung gemacht. In den Betrieben hatte es in der Vergangenheit viele TV zur Übernehme gegeben aber fast keine zur Höchstüberlassung.

Mit dem neuen AÜG wären diese alten BV fast komplett ungültig geworden. Daran hatten die Betriebe und auch die BR dort kein Interesse. Sie hätten sonst alle LAN spätestens nach 18 Monaten übernehmen müssen oder sie abmelden.

Das Ganze (AÜG, IGM TV-Leih-Z und die BV) sind eine Mogelpackung. Die Grüne Beate Müller-Gemmecke hat da vollkommen recht.

Das Problem ist, in der IGM interessieren sich BR nur noch insofern darum, wie sie das Gesetz (also die Mogelpackung) umsetzen. Dass sie eine Mogelpackung umsetzen interessiert in der IGM bestenfalls noch ein paar Unentwegte bei ZOOM.

Es stellt sich wieder wie eh und je die Frage wie bringt man es hin, dies in der IGM wieder zum Thema zu machen. (Verdi meines Wissens hat kein großes Interesse sich solchen Mogelpackungen anzuschließen).

Karl


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BeitragVerfasst: 25.09.2017, 21:44 
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Das ND berichtet auch darüber, aber die Anfrage/Antwort selbst ist unauffindbar.
https://www.neues-deutschland.de/artike ... itern.html


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BeitragVerfasst: 30.09.2017, 17:10 
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Anfrage und Antwort des Ministeriums für Arbeit und Soziales finden sich jetzt auf der Startseite von ZOOM.
http://www.igmetall-zoom.de


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BeitragVerfasst: 01.10.2017, 16:34 
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Im Zusammenhang mit der Bundestagswahl geht auch Prof. Dr. Stefan Sell auf die Anfrage von Beate Müller-Gemmeke von den GRÜNEN und die Höchstüberlassungsdauer ein. Unter Anderem!
Siehe dazu den Beitrag "Jamaika" ante portas nach der Bundestagswahl - und was das für die Sozialpolitik bedeuten kann. Am Beispiel der Leiharbeit
https://aktuelle-sozialpolitik.blogspot ... rbeit.html

Zitat: "(...) Früher hat man noch lernen dürfen, das Tarifverträge dazu dienen, die Situation der Arbeitnehmer zu verbessern. Das reformierte AÜG hingegen produziert eine irritierende Rolle rückwärts. Das von Andrea Nahles immer wieder vorgetragene Ziel einer Stärkung der Tarifparteien wird im AÜG jetzt so umgesetzt, dass zum einen die Besserstellungsabsicht der Tarifebene konterkariert wird, da den nicht-tarifgebundenen Unternehmen ein weitgehend gleicher Vorteil ermöglicht wird. Aber noch schlimmer: Die Tarifvertragsparteien (wohlgemerkt der Entleihbetriebe) können schlechtere Bedingungen für die Leiharbeiter vereinbaren und das auch noch verlängern. Tarifpolitik absurd, mag der eine oder andere an dieser Stelle denken. (...)"


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BeitragVerfasst: 03.10.2017, 11:08 
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karla hat geschrieben:
Die von den Grünen monierte Mogelpackung hat die IGM mit ihrem Leih-Z-TV ermöglicht. Der sagt aus, adss BR mit ihrer Geschäftsleitung eine BV zur Überlassung zwischen 0 und 48 Monaten abschließen können.


Leider wird in der Anfrage nicht die Frage gestellt, wie viele BV nun mit einer Höchstüberlassungsdauer von 48 Monaten abgeschlossen wurden. Hier dürften gerade die M+E-Betriebe mit starken Betriebsräten eine Vorreiterrollen spielen.


piet hat geschrieben:
https://aktuelle-sozialpolitik.blogspot ... rbeit.html

Zitat: [i]"(...) Früher hat man noch lernen dürfen, das Tarifverträge dazu dienen, die Situation der Arbeitnehmer zu verbessern. D


Das Tarifvertragsgesetz gilt auch nach der Änderung des AÜG fort. Demnach hat ein Leiharbeiter nur Ansprüche aus dem TV LeiZ, wenn er Mitglied in der IG Metall ist.
Demnach gilt für Verdi-Mitglieder und Nichtgewerkschaftsmitglieder die im TV festgesetzte Verlängerung der Höchstüberlassungsdauer nicht. Dies schon deshalb nicht, weil ein Verdi-Mitglied bzw. Nichtgewerkschaftsmitglied keinen Anspruch auf Aushändigung der Tarifverträge hat, weil diese von der IG Metall nur an ihre Mitglieder gegeben werden.
Das Bundesarbeitsgericht hat in seinem Urteil vom 12.7.2016 - 9 AZR 359/15 - einem Nichtgewerkschaftsmitglied das Recht abgesprochen, auf Grundlage des TV LeiZ nach 18 Monaten übernommen zu werden. Zitat BAG:

„2. Das Landesarbeitsgericht hat zu Recht angenommen, dass der TV LeiZ wegen fehlender Tarifbindung des Klägers keine Anwendung findet (§ 3 Abs. 1 iVm. § 4 Abs. 1 TVG). Der Kläger war nicht Mitglied der am TV LeiZ beteiligten IG Metall.
3. Der TV LeiZ findet auch nicht nach § 3 Abs. 2 TVG wegen einseitiger Tarifbindung der Beklagten Anwendung. Es handelt sich nicht um eine tarifliche Regelung über betriebliche Fragen iSd. § 1 Abs. 1, § 3 Abs. 2 TVG.“

Quelle: http://juris.bundesarbeitsgericht.de/cg ... n&nr=18922

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Der letzte Kampfaufruf http://www.youtube.com/watch?v=88Hh_DqJA5k
Der letzte Arbeitskampf http://www.youtube.com/watch?v=tGdVo6a0Ats


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BeitragVerfasst: 03.10.2017, 11:17 
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Hans_der_Kaempfer hat geschrieben:
Dies schon deshalb nicht, weil ein Verdi-Mitglied bzw. Nichtgewerkschaftsmitglied keinen Anspruch auf Aushändigung der Tarifverträge hat, weil diese von der IG Metall nur an ihre Mitglieder gegeben werden.


Bezeichnend ist eine Äußerung eines Leiharbeiters in der ARD-Sendung Kontraste. Zitat:

„Wir treffen einen Leiharbeiter vorm BMW-Werk in Dingolfing. Von uns erfährt er, dass die Tarifpartner die Verleihdauer verdoppelt haben – auf 36 Monate, mit Option auf 48 Monate. Eine Öffnungsklausel im Gesetz machte es möglich.
Er wusste von dieser Regelung nichts und will lieber nicht erkannt werden, wer weiß schon, wie BMW reagiert.
Leiharbeiter, Stimme nachgesprochen
"Wir wurden über diese Vereinbarung nicht informiert. Weder von der Zeitarbeitsfirma noch von BMW selbst"
Kontraste
"Und die Gewerkschaft, hat die sie informiert?"
Leiharbeiter, Stimme nachgesprochen
"Ich denke mal, dass das bei vielen auf großen Unmut gestoßen wäre, wenn sie das zu Ohren bekommen hätte. Also hat man da wahrscheinlich erstmal den Deckel drüber gehalten."
Schon vier Jahre ist er ununterbrochen im BMW-Werk, als Leiharbeiter.“

Quelle: http://www.rbb-online.de/kontraste/arch ... n-aus.html

Wie kann eine tarifliche Regelung Wirkung entfalten, wenn der Tarifvertrag geheim gehalten wird?

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Der tiefere Sinn davon, warum Tarifverträge nicht zwangsläufig im www abrufbar sind, erschließt sich mir auch nicht. Aber das wäre eine ganz eigene Diskussion.


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