Hallo piet,
nach meiner Info haben von den 25-30 Leuten in dem Aktionskreis nur zwei oder drei sich kritisch zum Verhandlungsergebnis geäußert. Es waren ehrenamtliche Teilnehmer aus den Betrieben. Die Kritik wurde aber nicht angenommen. Weder in Hinblick auf die lange Laufzeit (5 Jahre) noch bei den Einwänden wegen der Helferbereiche wo man zukünftig mit verstärkter Rotation der LAN (im Klartext verschärfte Tagelöhnerei) zu rechnen hat.
Ändern wird sich daran nichts mehr. Es stellt sich aber schon die Frage wie gehen wir Krititiker zukünftig damit um? Es bringt meiner Ansicht nichts mehr einzelne Punkte zu kritisieren sondern die Tarifpolitik der IGM in der Leiharbeit muss grundsätzlich diskutiert werden.
Dazu mal ein paar Überlegungen:
Unter:
http://www.boeckler.de/20939_20945.htm gibt es ein Interview mit Detlef Wetzel.
Titel:
INTERVIEW 'Das sind doch Machtfragen'
IG-Metall-Vize Detlef Wetzel über Mitgliedergewinnung, die Reorgnisation der IG Metall und den Kampf gegen die LeiharbeitDaraus mal ein paar prägnante Zitate:
Zitat:
Was war zum Beispiel bei der Leiharbeitskampagne der wichtigste Lernprozess?
Die erste wesentliche Erkenntnis war, dass der Entleihbetrieb, in dem die Menschen eingesetzt werden, der entscheidende Angriffspunkt ist - nicht die Verleiher. Die zweite Veränderung ergab sich in der Einschätzung der IGZ- und BZA-Tarifverträge, die wir klar heruntergestuft haben in ihrer Bedeutung. Weil wir Equal-Pay-Tarifverträge mit den Leiharbeitsfirmen brauchen.
Wie soll die Aussage:
Die alten Tarife - anfangs gedacht als Grundlage zur Regulierung der Leiharbeitswirklichkeit - sollen nur noch für die verleihfreie Zeit gelten. mit dem jetzigen Branchenzuschlag zusammenpassen. Es werden ganz offensichtlich Positionen zurückgenommen ohne sie jemals in der Organisation zu diskutieren.
Zitat:
...Der Einsatz von angelernter Leiharbeit ist ja auch nur deshalb möglich, weil durch die Zerstückelung der Produktion die Austauschbarkeit der Beschäftigten zunimmt. Das beraubt uns unserer Wettbewerbsvorteile. Ich wundere mich, dass die Arbeitgeber dieser Entwicklung so wenig Bedeutung beimessen.
1. Argumentiert Kollege Wetzel vom Standpunkt der Wettbewerbsfähigkeit (also vom Exportstandpunkt) als ob die Metallindustrie nur noch für den Export produziert.
2. Tut er so als ob es in der Metallindustrie nicht massenweise Helferbereiche z.B. in den Logistikbereichen gäbe. Diese Bereiche erwähnt er einfach nicht. (Das sind übrigens die Bereiche für die Verdi normalerweise zuständig ist).
Zitat:
Viele haben nicht wirklich verstanden, dass die DGB-Gewerkschaften Tarifverträge mit den Zeitarbeitsverbänden abschließen und sie dann am nächsten Tag im Betrieb bekämpfen.
Der Leiharbeiter wird nicht glücklich, wenn wir für ihn in einem Leiharbeiter-Tarifvertrag mit den Zeitarbeitsverbänden IGZ oder BZA 15 Cent die Stunde mehr aushandeln. Der Leiharbeiter hat ein Bedürfnis nach Sicherheit und dass er genau so bezahlt wird wie sein Kollege am anderen Arbeitsplatz. Deswegen haben wir uns nie für das Thema Mindestlohn oder für spezielle Tarifverträge für Leiharbeiter starkgemacht. Sondern wir sind gleich mit der Kampagne "Gleiche Arbeit, gleiches Geld" gestartet - und haben Betriebsräte und Verwaltungsstellen motiviert, sich um Leiharbeiter zu kümmern und "Besser"-Vereinbarungen abzuschließen.
Auch hier stellt sich die Frage was hat der Branchenzuschlag in seiner jetzigen Form (Stufenplan) mit oben genanntem zu tun?
Zitat:
Nicht alle Betriebsräte sind davon begeistert, dass sie einen bestimmten Organisationsgrad vorweisen sollen, andernfalls unterstützt sie die IG Metall nicht.
...Mehr und mehr gilt: Gut organisierte Belegschaften haben gute Tarifverträge und schlecht organisierte schlechte.
1. Kollege Wetzel setzt ganz offensichtlich nur auf den Aspekt
"gut organisierte Belegschaften" und denkt dabei nur an die Stammbelegschaften (die Belegschaft von Randstad, Adecco und Co stehen bei denen ja nur auf dem Papier). Folglich kann er sich nur vorstellen, dass über die Stammbelegschaften und vor allem deren Betriebsräte wenn sie viele LAN organisieren die Entleih-BR noch Unterstützung durch die IGM bekommen.
2. Gelingt es den Entleih-BR nicht LAN in nenneswerter Zahl zu organisieren spielen diese auch keine nenneswerte Rolle mehr für die IGM.
3. In Entleihbetrieben mit starken BR und Vertrauensleuten wurden aber schon in der Vergangenheit über Besservereinbarungen Ergebnisse erreicht die weit über dem Leihtarif liegen und auch besser sind als der jetzige Tarif Branchenzuschlag.
Die IGM hat jetzt einen Tarif Branchenzuschlag den sie feiert. Die Konsequenzen dieses TV (vor allem im Helferbereich) kommen aber ab Ende des Jahres zum Tragen.
Die Frage warum man der Politik - die uns das alles eingebrockt hat - das Thema equal-pay abgenommen hat spielte bei der TK natürlich auch keine Rolle. Mal sehen ob es bei Verdi noch eine Rolle spielt?
Wenn die DGB-TG so weitermacht dann werden die nächsten Verhandlungen zum Tarifentgelt-TV 2013 der nächste Reinfall.
Karl