ZeitarbeiterInnen - Ohne Organisation Machtlos

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 Betreff des Beitrags: Zeitarbeitsver(w)irrter
BeitragVerfasst: 04.04.2019, 16:57 
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Hallo zusammen und danke für die Aufnahme im Forum.

Ich hoffe es ist ok, dass ich hier poste obwohl ich weder IG Metall Mitglied noch Metallwerker bin :)
Als Kaufmann im Logistikbereich habe ich im letzten Jahr meine ersten Erfahrungen mit der Zeitarbeit machen müssen. Zuerst waren die Gehaltsabrechnungen etwas verwirrend da ich bisher nur ein Festgehalt kannte, aber mit Anwendung von Logik habe ich das alles mit der Zeitarbeitsfirma klären können - eigentlich besser gesagt klären müssen, denn von den vergangen 13 Abrechnungen waren wohl nur so um die 4-5 so, dass ich nicht reklamiert habe.
Mal vorweg gesagt, ich bin dankbar, dass ich überhaupt wieder einen Job bekommen habe und obwohl ich davon ausgehe, dass der ein oder andere Euro unterwegs beim Verleiher kleben geblieben ist, ist das ok für mich. Auch deshalb, weil ich nun vom Entleiher übernommen wurde und wieder direkt für die Fa. arbeiten kann.

Eine Sache gibt es aber, die ich mit der Verleihfa. noch klären muss, da ich a) das Prinzip nicht verstanden habe und b) mir die Sache doch sehr merkwürdig vorkommt. Ich habe überhaupt kein Problem auf Augenhöhe Probleme anzusprechen und auszufechten, informiere mich aber vor einem solchen Gespräch natürlich, damit ich bestmöglich argumentieren kann. Dieses informieren ist mir in diesem Fall weder im Internet gelungen, noch konnte (oder wollte? (kein Bock) die Beratung einer Arbeitnehmerorganisation helfen. Daher bin ich nun hier, in der Hoffnung etwas Klarheit zu finden, oder Tipps wie/wo ich mich für das anstehende Gespräch rüsten kann. Worum es mir geht ist die Equal Pay - Geschichte, da bekomme ich für mich keine Logik rein, bzw. eine Grundlage für die Bemessung. Weitergehende Fragen beantworte ich gern, fange aber ersteinmal mit den Eckdaten an:

1) Genannt werden im Ursprungs-Vertrag BAP und DGB Tarifgemeinschaft Zeitarbeit/Mantel- Entgelt- Entgeltrahmenvertr. v. 2003. Weiter Stundensatz + übertarifl. freiw. Leistungen. Als Ergebnis dessen dann eine mtl. Bruttovergütung von € X basierend auf regelm. Arbeitszeit von 160Std.

2) Nach 9 Monaten bekam ich Post, wo neben dem Lob für meine gute Arbeit, auch im Rahmen des eintretenden EP, eine sehr überschaubare Erhöhung des Std-satzes um knapp 1EUR, aber auch ein 13. Gehalt angekündigt wurden.

3) Die 1. und 2. Abrechnung nach Eintreten des EP enthielten dann auch nur diese unter 2) genannte Anpassung.
In der 3. Abrechnung wurde dann zus. noch ein EP-Ausgleichszulage von EUR 360,- ausgewiesen.
In der 4. Abrechnung kam als EP-Ausgleichszulage dann zusätzlich das versprochene 13. Gehalt (nachdem meine 12 Monate Arbeit voll waren).
Ich bin gespannt, welcher Abrechnungsmodus für die noch ausstehenden 1,5M. bis zu meinem Ausscheiden angewendet wird.

Für mich sieht das alles sehr willkürlich aus was da zugeteilt wurde. Equal Pay soll ja bedeuten, dass der Arbeitnehmer das gleiche bekommt wie ein direkt Angestellter. Da ich ja übernommen werde, weiss ich z.B., dass mein Fix-Gehalt nun aus Summe X unter Punkt 1 + EUR 440,- bestehen wird. Jetzt könnte ich ja ganz plump erstmal sagen, Equal Pay für die verg. 4 Monate müsste dann auch auf diesem Niveau liegen. Ich habe nur Angst, dass dann evtl. zurück kommt "upps, die EP-Ausgleichszulage von EUR 360,- (s. Punkt 3 / 3.Abrechnung) haben wir Ihnen versehentlich zuviel gezahlt und müssen diese zurückfordern.

Ich könnte auch den Betriebsrat meines neuen Arbeitgebers (ehem. Entleiher) für Hilfe einbeziehen, will aber nicht dass diese Fa. dann evtl. nochmal mit reingezogen wird (z.B. Nachzahlung wg. EP an die Verleihfa.)

Ich kann mir i.Allg. meine Karten gut legen, aber wenn man so gar nichts über den Rechtsrahmen, die Praxis und die Wechselwirkungen weiss... schwierig. :?:

Es gibt im Ursprungsvertrag auch einen Passus der reinspielen könnte, stark verkürzt: übertarifliche Zulagen werden ggfs. verrechnet, dies gilt auch für Ansprüche aufgrund EP.

Kann mir da bitte jemand etwas weiter helfen? Danke an Alle, die es sich durchgelesen haben.


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 Betreff des Beitrags: Re: Zeitarbeitsver(w)irrter
BeitragVerfasst: 05.04.2019, 17:19 
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Hallo Hustler,

Zitat:
Es gibt im Ursprungsvertrag auch einen Passus der reinspielen könnte, stark verkürzt: übertarifliche Zulagen werden ggfs. verrechnet, dies gilt auch für Ansprüche aufgrund EP.

Übertarifliche Zulagen können grundsätzlich angerechnet werden.

Wichtig wäre erst mal, dass du herausbekommst was ein vergleichbarer Arbeitnehmer (am vergleichbaren Arbeitsplatz) im Entleihbetrieb erhält.

a) Nach welchem Tarif wird der Stammarbeiter bezahlt (also welcher Branchentarif gilt dort Metall oder Chemie etc.) . Falls es Metall ist und der Entgeltrahmen-TV (ERA) gilt dann eben dieser.
Wenn du jetzt schon übernommen wurdest lass dir doch einfach mal vom BR erklären wie sich dein Gehalt zusammensetzt und worauf du als Stammarbeiter alles Anspruch hast. Dann kannst du vergleichen ob die ZAF equal-pay bezahlt.

b) 13. Monatsgegalt oder Weihnachtsgeld, Leistungszulagen oder eine Leistungsbeurteilung (gibt es z.B. in der Metallindustrie)

c) Urlaubsanspruch und entsprechend des Tarifvertrags Urlaubsgeld.

Zu berücksichtigen sind auch Einspruchsfristen. Wenn die ZAF berechtigte Ansprüche nicht bezahlt musst du klagen. Hast du eine private Rechtsschutzversicherung? Als Gewerkschaftsmitglied hat man vom ersten Tag an Anspruch auf Rechtsberatung. Rechtsschutz (also bei einer Klage) erst ab dem 4. Monat der Mitgliedschaft.

Karl


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 Betreff des Beitrags: Re: Zeitarbeitsver(w)irrter
BeitragVerfasst: 06.04.2019, 13:03 
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Hi Karl,

danke für Deine Antwort. Ich hatte ja geschrieben, dass ich das schon entspannt sehe und Klage eher nicht in Frage kommt. Mir geht es momentan einfach darum zu verstehen, um im vernünftigen Gespräch dann gleich mit Background argumentieren zu können.

Im Entleihbetrieb, der ja auch jetzt mein neuer Arbeitgeber ist, wird nicht auf Basis Std-Lohn bezahlt sondern es gibt ein Gehalt für 160Std mtl.
Es gibt einen MantelTarifvertrag, der zwischen verschiedenen regionalen Logistikunternehmen und Verdi geschlosse wurde. Auf den gibt es sogar auch einen Hinweis in meinem neuen direkten Arbeitsvertrag. Allerdings sind die dort vereinbarten Gehälter so niedrig angesetzt, dass ich schon in meinem urprünglichen Zeitarbeitsvertrag mehrere hundert EUR mehr verdient habe - selbst wenn ich nur diese 160Std. gearbeitet hätte. Auf der Basis hätte also konsequentes EP nach 9 Monaten zu massivem Einkommensverlust geführt :P Dieser Tarifvertrag macht wohl auch nur Sinn, da dort auch dem allerschwächsten Unternehmen dieser Tarifgemeinschaft Rechnung getragen werden musste.

Du schreibst, ....herausbekommst was ein vergleichbarer Arbeitnehmer (am vergleichbaren Arbeitsplatz) im Entleihbetrieb erhält.
Aber kann es da denn überhaupt einen besseren Vergleichpartner geben als mich selbst? Evtl. ist das in meinem ellenlangen Text nicht richtig rübergekommen, ich selbst sitze nach wie vor an diesem Platz und mache genau dieselbe Arbeit - nur mit einem neuen direkten Vertrag. Um das evtl. deutlicher darzustellen hier mal mit fiktiven Zahlen die Situation:

Zeitvertrag im letzen Jahr EUR 18 Std. - 160Std also EUR 2880,- - Brutto tatsächlich je nach gearbeit. Std. EUR 3000-3400,-

EP nach 9 Monaten EUR 19 Std. - 160Std. also EUR 3040,- - Brutto tatsächlich je nach gearbeit. Std. EUR 3150-3650,-

Vetrag nach Übernahme EUR 3500 bei Gleitzeit 160Std mtl. (Tarif der Tarifgemeinschaft aber nur EUR 2550)

Ist mein neuer Vertrag also meine EP-Vergleichsgrösse?


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 Betreff des Beitrags: Re: Zeitarbeitsver(w)irrter
BeitragVerfasst: 06.04.2019, 15:42 
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Hallo Hustler,

Zitat:
Ist mein neuer Vertrag also meine EP-Vergleichsgrösse?

Wenn du als Leiharbeiter zuletzt 2880 Euro erhalten hast bei 160 Stunden und jetzt als Festangestellter 3500 Euro bei 160 Std. so hast du 620 Euro mehr als vorher.

Was die Differenz von 620 Euro sind kann ich nicht beurteilen. Vermutlich übertarifliche Bezahlung. Erkundige dich beim Betriebsrat ob es so ist oder ob das noch andere tarifliche Bestandteile sind . Bei letzterem wären es dann zur Berechnung von equal-pay berechtigt.

Wie gestern schon am Anfang ausgeführt gehören zur Equal-pay-Berechnung auch andere tarifliche Lohnbestandteile oder auch Weihnachtsgeld, Urlaubsgeld etc. Den TV von Verdi in der Logistik kenne ich leider nicht.

Karl

PS:
Zitat:
Ich bin gespannt, welcher Abrechnungsmodus für die noch ausstehenden 1,5M. bis zu meinem Ausscheiden angewendet wird.

Verlang doch einfach dafür auch noch die EP-Ausgleichszulage. Wenn sie dir das nicht bezahlen musst du sowieso klagen.


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 Betreff des Beitrags: Re: Zeitarbeitsver(w)irrter
BeitragVerfasst: 06.04.2019, 17:02 
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Dank Dir nocheinmal Karl,

sorry, diese "tariflich" / "übertarifliche" Geschichte ist mir überhaupt nicht geläufig, da ich mein ganzes Arbeitsleben immer ein zwischen den Arbeitgebern und mir individuell ausgehandeltes Gehalt bezogen habe.
karla hat geschrieben:
Zitat:
Ist mein neuer Vertrag also meine EP-Vergleichsgrösse?

Wenn du als Leiharbeiter zuletzt 2880 Euro erhalten hast bei 160 Stunden und jetzt als Festangestellter 3500 Euro bei 160 Std. so hast du 620 Euro mehr als vorher.

Nicht ganz, nach EP waren es dann ja EUR 3040,- (aber auch nur theorethisch, da ich ja immer mehr als 160Std. gearbeitet habe).
Zitat:
Was die Differenz von 620 Euro sind kann ich nicht beurteilen. Vermutlich übertarifliche Bezahlung. Erkundige dich beim Betriebsrat ob es so ist oder ob das noch andere tarifliche Bestandteile sind. Bei letzterem wären es dann zur Berechnung von equal-pay berechtigt.

Wenn Du auf einen Anteil "übertariflich" hinaus willst, müsste man dann nicht die mit Verdi ausgehandelten 2.550,- (reiner Papiertiger) den dann jetzt tatsächlich gezahlten EUR 3500,- ggb. stellen, somit "übertariflicher" Anteil EUR 950,- :?: Ich habe das in Anf.-zeichen gesetzt, denn in unserer Branche spricht keiner von Tarifen.
Zitat:
Wie gestern schon am Anfang ausgeführt gehören zur Equal-pay-Berechnung auch andere tarifliche Lohnbestandteile oder auch Weihnachtsgeld, Urlaubsgeld etc. Den TV von Verdi in der Logistik kenne ich leider nicht.

Das habe ich ja verstanden. Aber warum schreibst Du im voherigen Passus "bei letzterem". Gilt dies denn bei "übertariflichem" Anteil nicht? Du schriebst ja gestern auch "übertarifliche Leistungen können grundsätzlich angerechnet werden". Wenn ich einen übertariflich gezahlten Anteil nicht als Vergleichsgrösse ansetzen darf, kann ich die Sache ja von vornherein schon vergessen - dann hätte ich ja vor EP schon viel zu viel bekommen.

karla hat geschrieben:
Zitat:
Ich bin gespannt, welcher Abrechnungsmodus für die noch ausstehenden 1,5M. bis zu meinem Ausscheiden angewendet wird.

Verlang doch einfach dafür auch noch die EP-Ausgleichszulage. Wenn sie dir das nicht bezahlen musst du sowieso klagen.

Ja, ich habe ja nun vor, dieses Thema anzusprechen (und natürlich behalte ich die Fristen im Auge um rechtzeitig schriftlich Fakten zu schaffen)
Da geht es dann um schon gezahltes Gehalt und natürlich hat das dann direkten Einfluss auf die noch zu zahlenden Reste.

Grüsse
Sven


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 Betreff des Beitrags: Re: Zeitarbeitsver(w)irrter
BeitragVerfasst: 06.04.2019, 17:33 
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Beiträge: 2693
Wohnort: Augsburg
Hallo Hustler,

wenn ich das jetzt richtig verstanden habe, gilt dort gar kein Tarif. Leg der ZAF doch einfach deinen Arbeitsvertrag vor und verlange dasselbe Geld als equal-pay. Die Mehrarbeitsstunden - falls in diesen Monaten welche angefallen sind - müssen natürlich auch wie equal-pay bezahlt werden. Das musst du aber an Hand deiner Zeitnachweise belegen. Das mit dem Übertarif vergiß es einfach.
Aber wie schon gesagt wenn die ZAF darauf nicht eingeht musst du klagen.

Karl


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 Betreff des Beitrags: Re: Zeitarbeitsver(w)irrter
BeitragVerfasst: 06.04.2019, 19:10 
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Beiträge: 6
Danke für deine Geduld Karl!

Es ist ja ein Manteltarifvertrag um das drumherum und ein Gehaltstarifvertrag geschlossen worden und darauf gibt es auch einen Verweis in meinem Vertrag.
Dieser Vertrag wird daher auch Gültigkeit haben, irgendwie; auch wenn mein individueller Vertrag in einigen wichtigen Punkten deutlich besser ausgestattet ist (z.B. Gehalt, Urlaub, Weihn.geld).
Aufgefallen ist mir gerade noch, dass in dem Gehaltstarifvertr. explizit auf das Gebiet hingewiesen wird, an dem mein neuer AG auch seinen Hauptsitz hat. Ich arbeite aber an anderer Stelle :lol:

Ich werde jetzt die ZAF ansprechen und kann dann, je nach Antwort ggfs. in der nächsten Runde den Entleiher/neuen AG und/oder Betriebsrat mit ins Boot nehmen, heisst gleichzeitig mit ansprechen.
Was ich nicht möchte ist, dass evtl. der Verleiher noch nachträglich Forderungen an den Entleiher geltend macht.
Was ich natürlich auch nicht möchte ist, dass evtl. der im Monat Januar gezahlte zusätzliche EP aufgrund eines "Versehens" von ZAF zurückgeforder wird. Daher die Überlegung, die Ausschlussfrist für diese Zahlung erst noch eintreten zu lassen :wink:

Schönes Wochenende
Sven


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 Betreff des Beitrags: Re: Zeitarbeitsver(w)irrter
BeitragVerfasst: 16.04.2019, 15:15 
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Beiträge: 216
Hustler hat geschrieben:
Was ich natürlich auch nicht möchte ist, dass evtl. der im Monat Januar gezahlte zusätzliche EP aufgrund eines "Versehens" von ZAF zurückgeforder wird. Daher die Überlegung, die Ausschlussfrist für diese Zahlung erst noch eintreten zu lassen :wink:


Moin,

hm - verstehe ich nicht ganz. Du hast ja auch eine Ausschlussfrist - und wenn Du wartest, dann sind Deine Ansprüche auf jeden Fall weg...

Das mit dem Verweis auf Dich selbst klappt bei Equal-Pay nur begrenzt. Als Du nach 9 Monaten Equal-Pay gekriegt hast, warst Du 9 Monate in der Firma und musst Dich eben auch mit anderen vergleichen lassen, die DAMALS 9 Monate da waren. Zum einen gab es sicherlich seit damals eine Lohnerhöhung um 3-4 %, zum anderen hast Du nun ja inzwischen deutlich mehr Erfahrung, vielleicht gibt es beim Entleiher einen kleinen Gehaltssprung bei mehr als 1 oder 2 Jahre Erfahrung. Beides zusammen könnte die Differenz von ca. 10% durchaus erklären.

Wenn übertariflich gezahlt wird, gibt es zudem noch einen weiteren Haken: Bei Deinem jetzigen Arbeitgeber muss es durchaus nicht so sein, dass alle für die gleiche Arbeit den gleichen Lohn bekommen. Eigentlich ist das sogar bei den meisten Firmen nicht so, jedenfalls bei denen, die ich so kenne... ich will jetzt gar nicht die Ursachen bewerten, das ist meist ein Mix aus "Der eine verhandelt besser als der andere" bis hin zu irgendwelche organisatorischen Geschichten a la "X wurde in Abteilung Y nicht mehr gebraucht, ist jetzt in Abteilung Z, kriegt aber noch das höhere/niedrigere Gehalt aus Abteilung Y". Die Wahrscheinlichkeit ist jedenfalls hoch, dass andere Kollegen von Dir nicht GENAU das gleiche verdienen wie Du.

Damals zum Thema Branchenzuschlag gab es glaube ich Arbeitsgerichtsurteile, nach denen der Arbeitgeber in solchen Fällen durchaus den UNTEREN Vergleichlohn nennen darf. Der muss dann allerdings real sein - sprich: Es muss wirklich jemanden geben, der für das Geld beim Kunden arbeitet. Keine nicht besetzte Planstelle für 10 € pro Stunde... Eins ist jedoch klar: Der niedrigste Vergleichslohn darf nicht unterschritten werden. Wenn also niemand in Deiner jetzigen Firma den "nackten" Tariflohn bekommt, dann ist der Tariflohn nicht der Vergleichslohn.

So oder so wird es wie folgt laufen: Wenn wir davon ausgehen, dass Deine ZAF den Equal-Pay-Lohn korrekt anhand der Auskunft Deines jetzigen Arbeitgebers berechnet hat, dann würde die ZAF also natürlich Deinen jetzigen Arbeitgeber mit Lohnforderungen von Dir konfrontieren und sagen "Hey, wie sieht es aus? Hat der Sven da recht? Habt ihr uns ein zu geringes EP mitgeteilt? Warum zahlt ihr ihm denn nun mehr?". Und dann wird Dein jetziger Arbeitgeber entweder irgendwie argumentieren (so wie ich oben), dass es eben doch nun noch einen berechtigten Unterschied gibt (und Du kriegst nix) oder ihm fallen keine Ausreden ein und er zahlt dem Entleiher etwas nach (und Du kriegst dann was).

Das ist alles viel Konjunktiv. Ich würde dringend empfehlen, dass Du die Ausschlussfristen in Deinem (alten) Arbeitsvertrag bzw. Tarifvertrag einmal studierst, bevor Du da loslegst.


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 Betreff des Beitrags: Re: Zeitarbeitsver(w)irrter
BeitragVerfasst: 22.04.2019, 17:41 
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Beiträge: 6
Danke auch Dir mitterer!

Sorry, habe lange nicht mehr reingeschaut und Deine Antwort erst heute gesehen. Alles richtig was Du schreibst, zumindest soweit ich das beurteilen kann und genau das waren ja auch meine Befürchtungen. Denn ich will ja meinen neuen Arbeitgeber = alten Entleiher nicht gleich verprellen, und dass ich nun ein besseres Gehalt bekomme, nicht nicht zum Meckern nutzen. Mir ging und geht es nur darum, dass ich vom ZAF auch das bekomme, was mir zusteht.

Mittlerweile habe ich da auch Auskunft bekommen was EP gemeldet wurde und erstmal passt das nicht mit den Abrechnungen zusammen. Reklamiert habe ich auch schon und auch ein pers. Gespräch geführt. Diese Leute sind unglaublich - die einzige Aufgabe ist die Rechnungsstellung an den Entleiher und eine korrekte Abrechnung an den ZA-Sklaven - und nicht mal das bekommen sie hin. Tun dann verwundert, ja sogar enttäuscht, wegen des "Misstrauens", fangen dabei fast selbst zu Weinen an und versuchen einem noch nebenbei ein schlechtes Gewissen zu machen.
Wegen des Ausschlusses habe ich mal ein Schreiben deponiert. Da ich aber mittlerweile auch ein gelesen habe (BAG Urteil), dass am Ende der Laufzeit eine Saldierung, heisst eine Gegenüberstellung der tatsächlichen und der EP Abrechnung, geben muss, sehe ich das eigenlich ziemlich entspannt, da ich ja dann die letze Abrechnung wegen des fehlenden bzw. unkorrekten EP-Ausgleichs immer noch bemängeln kann.

Ich bin so glücklich dass ich aus dem Konstrukt raus bin - abschenken will ich da aber trotzdem nix und werde denen dann wohl nach der letzten Abrechnung nochmal richtig auf die Pelle rücken. Und wenn die mir ganz dumm kommen, können sie dem Arbeitsrichter das dann ja auch noch in Ruhe erklären :P


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 Betreff des Beitrags: Re: Zeitarbeitsver(w)irrter
BeitragVerfasst: 24.04.2019, 16:46 
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Registriert: 21.03.2014, 22:53
Beiträge: 224
mitterer hat geschrieben:
Hustler hat geschrieben:
Was ich natürlich auch nicht möchte ist, dass evtl. der im Monat Januar gezahlte zusätzliche EP aufgrund eines "Versehens" von ZAF zurückgeforder wird. Daher die Überlegung, die Ausschlussfrist für diese Zahlung erst noch eintreten zu lassen :wink:

hm - verstehe ich nicht ganz. Du hast ja auch eine Ausschlussfrist - und wenn Du wartest, dann sind Deine Ansprüche auf jeden Fall weg...

Wobei die Frage im Raum steht, ob die entsprechende Klausel überhaupt wirksam ist.
Möglicherweise gilt die allgemeine Verjährung nach BGB.
http://juris.bundesarbeitsgericht.de/cg ... n&nr=21603


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 Betreff des Beitrags: Re: Zeitarbeitsver(w)irrter
BeitragVerfasst: 12.06.2019, 21:55 
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Beiträge: 6
Um nochmal kurz zu erzählen, wie die Geschichte ausgegangen ist:

Ich hatte ja wie geschrieben auf den Busch geklopft und durchblicken lassen, dass ich der Meinung bin, dass die Abrechnungen nicht i.O. sind und ich nach Zahlung des letzten Gehalts auf jeden Fall noch einmal alles prüfen würde. Schreiben mit ählicher Formulierung hatte ich auch dagelassen, um die Ausschlussfrist zu verlängern.

Meine letzte Gehaltszahlung hat nun nicht die erwartete, ausgleichende EP-Zahlung enthalten, ABER stattdessen wurden mir über 40 Std. zusätzlich ausgezahlt, die ich nie geleistet habe. Das verrückte Ergebnis ist also, dass ich mit diesen Minusstunden an Arbeitszeit aus dem Unternehmen ausgeschieden bin.
Macht eigentlich überhaupt keinen Sinn, aber die ZAF hat einen weiteren Abrechnungsmodus eingebracht und kein Mensch kann diese Abrechnungen vernünftig überprüfen, da nichts mit nichts zusammenpasst.
Ist mir aber egal, da ich das Geld habe, das mir zusteht.


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