Jahresrückblick des AKMiZ Hamburg
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
im vergangenen Jahr sind wir ein wichtiges Stück vorangekommen. Schon die überdurchschnittlich hohe Beteiligung von Leiharbeitskräften (LAKs) an der Betriebsratswahl bei Airbus hat ein wichtiges Signal gesetzt. Auch unsere Aktion bei Airbus in Hamburg-Finkenwerder mit 800 Kolleginnen und Kollegen, die sich an der Kundgebung (während der Arbeitszeit!) beteiligt haben, war ein wichtiges – bundesweit beachtetes – Signal.
Damit hat die IG Metall bewiesen, das sie nicht nur kritikfähig sondern auch aktionsfähig ist. Es reicht halt nicht, nur eine gute Presse zu haben, um tarifpolitische Forderungen durchzusetzen. Auch unsere organisatorische Stärke im Bereich der sog. Arbeitnehmerüberlassung haben wir erhöht: Sei es strukturell durch die Aktivität von Betriebsräten (z.B. bei Molis/TimePartner), sei es durch die Mitgliederzahl im Bereich Leiharbeit.
So einen Organisationsgrad wie heute hatten wir unter LeiharbeiterInnen in der Metallbranche noch nie. Wir dürften jetzt bei 20% liegen. Bei Airbus dürfte es - trotz der rund 400 Übernahmen - eher besser aussehen.
Im nächsten Jahr müssen wir den eingeschlagenen Weg weiter voran gehen. Beim letzten Treffen des AK MiZ im Dezember erkundigte sich schon einmal ein „neuer“ Kollege nach dem „Wie“ einer Betriebsrats-Gründung.
Auch die Erhöhung des Organisationsgrades im Allgemeinen, aber besonders bei Airbus, wird weiter angegangen werden müssen. Wenn wir die Equal-Pay-Regelung aus dem Siduflex-Programm halten wollen, bedarf es noch großer Anstrengungen. Es muss den Kolleginnen und Kollegen in Leiharbeit sehr deutlich gemacht werden, dass die Regelung nicht nur verlängert wird bloß weil dies das sozialpolitische Hobby von Betriebsräten namens Horst, Rüdiger oder Jörg sei. Das weiß Airbus auch so. Wichtig wird sein, dass wir nachweisen, dass unsere LAK-KollegInnen bei Airbus nicht nur unzufrieden mit einer Schlechterstellung wären. (Das kann sich sowieso jedeR, selbst mit einem geringen IQ, ausmalen).
Wir werden also nachweisen (!!!) müssen, das die LAKs nicht nur unzufrieden damit wären sondern auch konfliktfähig sind! Das ist ganz einfach möglich: Wir müssen nur der Airbus Operations GmbH zeigen (natürlich unter Berücksichtigung des Datenschutzes), das wir vor Ort eine hinreichende Anzahl an Mitgliedern haben, um durchsetzungsfähig zu sein.
An der Mitgliederwerbung unter Leiharbeitskräften und auch unter „Fremdarbeitskräften“ (wie Beschäftigte mit einem Werksvertrag bei Airbus genannt werden ...) werden wir weiter arbeiten. Die Tendenz zum „outsourcing“ (Fremdvergabe) heißt oftmals, dass sich Stammbeschäftigte und LAKs nach Kündigung oder Abmeldung als Beschäftigte einer „Fremdfirma“ am alten Arbeitsplatz wiederfinden – zu schlechteren Bedingungen!
Diese Tendenz können wir nur organisiert zurückdrängen. Als Mitglieder einer Gewerkschaft, die sowohl die Interessen der Stammbelegschaften als auch die der ZeitarbeiterInnen vertritt!
Wichtig wird damit auch die weitere Vernetzung zum Thema Zeitarbeit in der gesamten Flugzeugindustrie in der Region Hamburg werden! Und das Mitmachen von Aktiven, von Vertrauensleuten und von Betriebsräten der IG Metall – sowohl aus Verleih- als auch aus Entleihunternehmen – in unserem Arbeitskreis. Für die Leiharbeitsbranche wird das noch im Dezember erwartete Urteil des Bundesarbeitsgerichtes (BAG) zu der Gewerkschaftseigenschaft der so genannten Christlichen Gewerkschaften von großer Bedeutung sein.
Vielleicht gibt es ja auch noch besondere Impulse vom Gewerkschaftstag der IG Metall im Jahr 2011. Über das Netzwerk ZOOM (ZeitarbeiterInnen ohne Organisation machtlos) der IG Metall ist der AK MiZ an der Vorbereitung von Anträgen für die kommende Politik und Arbeit der IG Metall beteiligt.
Es gibt also viel zu tun. Und dazu brauchen wir Dich!
Ich wünsche Euch schöne Feiertage und einen guten Rutsch ins neue Jahr.
Heiko von Thaden
